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Volksport Nummer eins - Einführungskurs

 

Lasst doch mal schauen... Was könnte es sein?

Nein, es nicht das Telefonieren mit dem Handy oder eine Abart davon, nämlich das Herunterladen von Klingeltönen. Nein das ist es nicht.

Es ist auch nicht das Autofahren. Hmmm, könnte die Nummer eins sein, ist es aber nicht.

Ferner ist es auch nicht das exzessive Herumdüsen mit irgendwelchen Interkontinentalfliegern, die bevorzugt auf die DDR (Deutsche Dominikanische Republik) fliegen. Nein, auch das ist nicht der Volkssport Nummer eins, obwohl es von der Beliebtheit schon verdammt nahe rankommt an die Nummer eins.

Nein, der Volkssport Nummer eins ist:

Kostenlos

Kann jeder machen

Kann jeder überall machen

Macht wahnsinnig viel Spaß

Na also! Habt Ihr gut erkannt.

Es ist das MOBBEN!

Mobben gibt es vollkommen umsonst, jeder kann es betreiben, man kann es in jedem Lebensalter und überall betreiben, vom Kindergarten bis ins Altersheim, und es macht wahnsinnig viel Spaß. Ausgenommen den Gemobbten natürlich.

Und deshalb geben wir für diesen neuen und alten vergnüglichen Volkssport ein kleines Brevier heraus, damit alle Beteiligten auch so richtig Spaß daran haben, denn stümperhaftes plumpes Mobben ist geistlos, leicht durchschaubar und langweilig.

Was sollte der Mobber also beachten?

Es kann nahezu jeder gemobbt werden, aber bei gewissen Leuten macht es gewaltig viel mehr Spaß als bei anderen. Es sollte eine Person sein, die intelligent genug ist, um gewisse Minderwertigkeitskomplexe zu verspüren, sie sollte gut erzogen und höflich sein, denn dann wird sie sich nicht groß wehren.

Bevor man mit dem Mobben anfängt, sollte man sich der Unterstützung seines Chefs (Abteilungsleiters u.s.w.) sicher sein. Am besten vorher durch ein paar Bemerkungen antesten, wes Geistes Kind er ist. Die Unterstützung der restlichen Mannschaft (die keine Chefs sind) kommt ganz von alleine. Man nennt das den Mitzieheffekt.

Dann gucke man sich ein Opfer aus und gehe dabei nach folgenden Auswahlkriterien vor:

Jemand ist zu dick. Jemand ist zu dünn. Jemand ist zu groß. Jemand ist zu klein. Jemand ist zu schwarz. Jemand ist zu faul. Jemand ist zu fleißig. Jemand hat nicht die richtige Nationalität. Jemand hat nicht die richtige Religion. Jemand hat nicht die richtigen Eltern (Geschwister u.s.w.). Jemand ist schwul, lesbisch, bi oder hetero. Jemand hat zuviel oder zuwenig Sex. Jemand hat nicht die richtige Antwort gegeben. Jemand hat nicht spontan die richtige Antwort gegeben. Jemand kann etwas besser als du. Oder einfach nur, weil seine Nase dir nicht gefällt.

Ja, es gibt viele gerechte Gründe, jemanden zu mobben.

Man hat also das Opfer ausgesucht.

Nun sollte man sich ein Konzept überlegen. Wenn das Opfer arbeitsmäßig gut ist und fast unentbehrlich erscheint, dann sollte man die Arbeit des Opfers madig machen, sie zum Beispiel als künstlich erzeugte Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme bezeichnen, die vollkommen überflüssig wäre. Seine eigene Arbeit hingegen sollte man als firmenerhaltend und konstruktiv darstellen und dieses auch immer wieder dem Chef (Abteilungsleiter u.s.w.) einflüstern. Man kann natürlich auch privat den Hebel ansetzen. Kleines Beispiel: Wenn eine Mitarbeiterin nicht mindestens dreimal am Tag mit ihrem Mann innige Telefonate führt, dann ist das ein sicherer Hinweis auf eine zerrüttete Ehe, und da kann man ansetzen. Wenn Arbeit und Privatleben allerdings überhaupt nichts hergeben, dann kann man dem Opfer immer noch Drogensucht vorwerfen. Das wirkt immer.

Die beste Vorarbeit leistet man übrigens, wenn sich das Opfer im Urlaub befindet. Während dieser Zeit kann man schon einmal richtig intim mit dem Chef (Abteilungsleiter u.s.w.) plaudern. Wenn das Opfer dann frisch erholt an den Arbeitsplatz zurückkehrt, dann bläst ihm auf einmal ein ziemlich widriger Wind ins Gesicht. Und das ist wirklich lustig.

Tipp: Es ist besser, vorher mit dem Opfer Brüderschaft getrunken zu haben, denn dann kann man es duzen, beim Siezen ist die Hemmschwelle zu hoch, um ausgefeilte Gemeinheiten von sich zu geben.

„Sie sind eine dämliche Ziege!“  Schwach und nicht überzeugend.

„Du bist ’ne blöde Kuh!“ Viel besser.

Man sollte auch nicht permanent auf dem Opfer herumhacken, dadurch könnten Mitleidsgefühle (das soll tatsächlich vorkommen, ist aber selten) bei den anderen aufkommen. Besser ist es, ab und zu das Opfer um Rat zu fragen und sich bei ihm über andere auszulassen. Das Opfer wird dadurch eingelullt, ist froh, einen Augenblick Ruhe vor dem Mobber zu haben und wird einen Tag ( eine Stunde, eine Minute) später umso härter durch eine unverfrorene Bemerkung vom Mobber frontal getroffen werden. Ach ja, es ist wirklich lustig.

Ferner darf man sich ruhig bestechen lassen von dem Opfer. Man kann von diesem minderwertigen Kroppzeug ruhig Süßigkeiten, Bücher und kleine und größere Gefälligkeiten annehmen. Bei Gefälligkeiten sollte man das allerdings nur tun, wenn man mit dem Opfer alleine ist. Falls das Opfer dir in Gesellschaft eine Gefälligkeit anbietet oder dich um einen Gefallen bittet (weil du ihm das gestern just angeboten hast), dann weise dieses unverschämte Ansinnen empört von dir. Das Gesicht des Opfers wird es wert sein.

Man sollte nicht zwei Leute auf einmal mobben, es könnte zu Fraktionsbildungen bei den Opfern kommen, und das wollen wir ja nicht. (Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit der Fraktionsbildung unter Opfern verschwindend gering, denn einer von beiden wird sich nicht so stark gemobbt fühlen wie der andere, und dieser nicht so stark Gemobbte möchte dann mit dem anderen Loser nichts zu tun haben. Unglück steckt an...) Besser ist es, sich nach und nach neue Opfer herauszupicken. Das alte Opfer wird so ein enormes Gefühl der Erleichterung verspüren, wenn dein erbarmungsloser Druck nicht mehr voll auf ihm lastet, es wird dein williges Werkzeug werden, und es wird auf dem neuen Opfer mit Hingabe herumhacken. Ja, die Menschen sind schlecht...

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Das war natürlich nur eine kleine Einführung in die Hohe Schule des Mobbens. Bald wirst du selber alle Tricks und Kniffe beherrschen. Natürlich sind die Feinheiten des Mobbens deiner Fantasie überlassen. Du musst halt nur einen Blick für die Opfer und ihre Empfindlichkeiten haben, denn Mobben ist reine Psychologie. Und wir wollen das Mobben doch auf keinen Fall stümperhaft betreiben, wir wollen dem Opfer nicht nur die reine Kindergartenzeit, die Schulzeit und die Arbeitszeit vermiesen, nein, wir wollen ihm auch die Zeit nebenbei vermiesen. Es soll immer an uns denken, immer an die Attacken denken, die da noch kommen werden und von denen es sich keinerlei Vorstellung macht. Und auch wenn es sich davon Vorstellungen macht, so werden seine Erwartungen immer übertroffen werden. Natürlich im negativen Sinne.

Denn wir sind ja so kreativ....

Also, dann auf gutes Mobben!

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Nachsatz: Für die Opfer.

Leider kann ich Euch keinen guten Tipp geben außer:

Wenn Ihr dem Mobber in den Arsch kriecht, verlängert das nur Eure Leiden, denn Ihr werdet mit oder ohne Arschkriechen sowieso elendig krepieren oder dem Wahnsinn verfallen, wenn nicht ein Wunder geschieht.

Also: Entweder bringt Ihr euch selber um...

Oder ihr tretet Eurem Mobber in den Arsch, prügelt ihn unangespitzt in den Boden, erschlagt ihn, bis er unter seinem eigenen Blut zu liegen kommen oder (Das bleibt nun EURER Kreativität überlassen)....

 

Aber macht um Gottes Willen irgend etwas!

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