starthome06zum StartHomepage

 

 

Fotos von mir

 

Fotos vom Garten

 

Fotos vom Kater

 

Hier kann man klicken...KurzgeschichtenLanggeschichtenFotostoriesGedichteBest of bLOGG A G SGaestebuchLinksLinklistenInfo

 


LOVE GAMES Kapitel 20

 

"Um was sollen wir spielen?" Hardy biss sich auf diese dekorative Art in seine Unterlippe, die ich so mochte. Ich meine die Art und Weise. Na gut, die Lippen natürlich auch. Hardy war schließlich der attraktivste Mann, den ich jemals kennen gelernt hatte, und er war auch derjenige, den ich absolut nicht ausstehen konnte.
 
Es war früher Samstagmittag. Ich war schon richtig angezogen, eigentlich war ich schon länger bei ihm als beabsichtigt, aber ich hatte nichts besonderes vor und er anscheinend auch nicht. Und der Billardtisch im Keller des Hauses war überaus faszinierend…
 
 Ich überlegte. Ja, um was? Und würde ich gewinnen können? Ich war mir ziemlich sicher, dass ich jeden im Billard schlagen konnte, ich hatte einen guten Lehrmeister gehabt, meinen Exmann natürlich, und auch gegen den hatte ich schon gewonnen. Aber es würde schwer werden, denn mein Hauptproblem war die Konzentration. Meine Gedanken schweiften ganz leicht ab – ist das Frauenart – und dauernd dachte ich an andere Dinge. Und jetzt mit Hardy als Zuschauer wäre ich bestimmt noch mehr abgelenkt. Hmmm, es käme auf den Wetteinsatz an.
 
 "Was schwebt dir denn so vor?" fragte ich vorsichtig.
 
 "Erst du", sagte Hardy heimtückisch lächelnd.
 
 "Weiß nicht... Gib mir ’ne Pizza aus." Das war wirklich ein verwegener Wunsch von mir. Er hatte mich noch nie zum Essen eingeladen. Wir hatten immer getrennte Rechnungen, zum Beispiel in irgendwelchen Kneipen, und ich war überzeugt davon, er machte das mit Absicht, nur um mich fühlen zu lassen, wie scheißegal ich ihm war. Allerdings hatte ich auch nie zugelassen, dass er für mich bezahlte, ich wollte einfach nicht riskieren, dass er mich hämisch ansah und sich dann weigerte, für mich zu bezahlen. Nein, nein, dieses Risiko wollte ich nicht eingehen. Dann nämlich hätte ich das Spiel verloren.
 
 Unser Verhältnis war schon seltsam. Wenn ich daran dachte, dass wir uns beim ersten Kennenlernen die übelsten Beleidigungen an den Kopf geworfen hatten und ich nie damit gerechnet, geschweige denn gewünscht hatte, ihn wiederzusehen, dann war unser zweites Aufeinandertreffen noch seltsamer gewesen. Zwei Monate später hatte ich eine Party gegeben, und er war gekommen. Unverhofft gekommen. Wahrscheinlich nur mit der Absicht gekommen, mich zu ficken... Und ich ließ es freudig zu. Seitdem waren wir zwar kein Paar, aber in sexueller Hinsicht war es fantastisch mit ihm, allerdings war es mehr ein Spiel, wer würde als erster irgendwas zugeben? Nein, ich bestimmt nicht. Was sollte ich auch zugeben? Er war zwar wahnsinnig attraktiv und im Bett unübertroffen, aber ich hielt ihn für einen Drecksack, und ich konnte ihm nicht trauen...
 
 "Okay." Hardys Stimme klang gelassen, und ich wunderte mich schon, dass dieser Geizhals, egal ob in gefühls- oder in finanzmäßiger Beziehung so ein gewaltiges Risiko einging, denn wenn er das Spiel verlor, dann musste er mindestens zehn Mark für mich bezahlen. Ich glaube, ich sah ihn fragend an.
 
 "Wenn ich gewinne, dann darf ich dich rasieren." sagte er grinsend.
 
 "Wieso? Ich hab doch gar keinen Bart..." Dann kapierte ich es. Er wollte mich da unten rasieren, an meiner intimsten Stelle.
 
 "Okay", sagte ich lässig. aber ich war lange nicht so lässig, wie meine Stimme klang. Ich musste ihn besiegen. Und dazu war es nötig, dass wir die Regeln festlegten. Denn so manches Billardspiel ist verlorengegangen, weil die schwarze Kugel am Ende in ein falsches Loch gegangen ist. Es gibt ja so viele verschiedene Regeln.
 
 Wir einigten uns also auf normales Kneipenbillard, und ich überließ ihm den Anstoß, der Anstoß ist nämlich mein schwächster Stoß. Ist wohl so eine Weibersache. Ich bin eher gut in sehr feinen Stößen.
 
 Hardy versenkte beim Anstoß blöderweise direkt zwei volle Kugeln, und er entschied sich natürlich auch für die Vollen. Klar...
 
 Der Rest von den Vollen war Gott sei Dank so verbunkert, dass er einfach mitten in den Pulk hineinschoss.
 
 Danach war ich dran. Bei der Schießaktion hatte er zwei Halbe wunderbar für mich freigelegt, und ich versenkte die eine und legte die andere vor das gleiche Loch. Ich hatte nämlich keine Chance, danach weiterzumachen und wollte ihm lieber die weiße Kugel so hinlegen, dass er absolut nichts damit anfangen konnte.
 
 Er schaute mich misstrauisch an. Wahrscheinlich hielt er es für Zufall, dass die weiße so schlecht lag und er nicht direkt einlochen konnte.Daraufhin legte er mir die weiße Kugel genauso beschissen hin, so dass ich nur eine meiner Halben näher an ein Loch spielen konnte.
 
 Es sah verdammt noch mal so aus, als würde das ein rein taktisches Spiel werden. Nach einer Viertelstunde hatten wir zumindest gleich viel Kugeln eingelocht. Und ich beschloss, ein bisschen auf Risiko zu spielen. Was hatte ich auch schon großartig zu gewinnen... Oder zu verlieren?
 
 Ich versuchte nicht, die Kugel direkt ins Loch zu spielen, denn ich hätte sie in einem fast unmöglichen Winkel treffen müssen und dafür war sie eigentlich zu weit weg, nein, ich knallte sie von weitem ein bisschen schräg an, so dass sie an die Bande krachte und schnurstracks zu mir herüberschoss und haargenau in dem Loch auf meiner Seite landete.
 
 Geiler Stoß! Ich hätte in die Luft springen können vor Vergnügen!
 
 Hardy sah mich wieder von der Seite her an. Ich tat ganz unbeteiligt. Ist natürlich Glückssache, so ein Stoß, aber manchmal kann er durchaus klappen.
 
 Hardy schob sich an mich heran und tätschelte meinen Hintern. Aha, er wollte bescheißen, mich ablenken. Und blöderweise ließ ich mich auch ablenken. Den nächsten Stoß versiebte ich, und dabei war es ein ganz einfacher Stoß gewesen. Mist aber auch!
 
 "Du sollst mich nicht ablenken", sagte ich erbost zu Hardy, der wieder so heimtückisch grinste.
 
 "Von Ablenkung stand aber nichts in den Regeln."
 
 Verfluchter Hund! Er war also wieder dran, und nachdem er zwei von seinen Kugeln nacheinander eingelocht hatte, scheiterte er knapp – die Kugel blieb am Rand des Mittellochs hängen – und so kam ich wieder dran. Diesmal würde ich mich nicht von ihm ablenken lassen. Ich versenkte meine letzten drei Kugeln glatt, und ich muss wirklich sagen, dass ich in meinen besten Augenblicken ein geniales Billard spiele, leider fehlt mir die Konstanz.
 
 Aber heute würde ich gewinnen. Heute würde ich ihn fertig machen. Um den Preis einer Pizza.
 
 Die schwarze Kugel lag praktisch direkt vor dem Loch, in das sie hineinmusste, und die weiße hatte ich beim letzten Stoß durch geschicktes Anschneiden dahinter gelegt.
 
 Ich bin genial. Ich kann jeden Mann besiegen!
 
 Ich musste mich zwar weit über den Tisch beugen, um die schwarze Kugel einzulochen, aber es war ein sicherer Stoß. Absolut kein Problem. Und dennoch zitterte mir die Hand. Warum? Der Stoß war so bombensicher, ich musste keinen Winkel berechnen, die weiße Kugel lag direkt hinter der schwarzen, ich musste nur geradeaus spielen, und die schwarze war im Loch.
 
 Und ich Idiotin war so überzeugt von meinem Sieg, dass ich vergaß, der weißen Kugel etwas Effet zu geben, damit sie nicht der schwarzen in das Loch hinterher rollte. Ein bisschen Unterschnitt nur, ein bisschen die weiße Kugel unterhalb der Mitte treffen, und sie würde die schwarze zwar ins Loch stoßen, aber gleichzeitig an ihr abprallen, zurückrollen und dann genau an der gleichen Stelle wie vorher liegen bleiben.
 
Schön! Wirklich schön!
 
 Was war mit mir los? In Zeitlupe sah ich die weiße Kugel der schwarzen hinterher rollen und im Loch verschwinden. Fassungslos sah ich ihr hinterher. Ich hatte verloren. Ich hatte verloren! Und durch so einen blöden Fehler! Es war beschämend, und ich stand da wie vom Donner gerührt.
 
 Oder hatte ich absichtlich verloren? So im Unterbewusstsein, denn so ein Stoß kann einem nicht misslingen, es sei denn, man wäre eine Vollidiotin. Oder geil auf irgendwas.
 
 "Ich hol schon mal den Rasierer", Hardys spöttische Stimme holte mich aus meinen Überlegungen.
 
 Na gut, ich ergab mich in mein Schicksal.
 
 Und ich ging schon mal vor in sein Schlafzimmer, zögernd zwar, aber ich hoffte, er würde mir nicht anmerken, dass ich irgendwie Angst hatte. Nein nicht Angst vor ihm, vor seinem Körper hatte ich keine Angst – dem Rest konnte man allerdings nicht trauen – nein ich hatte Angst vor meinem Körper und seiner Reaktion auf das, was Hardy mit ihm vor hatte. Ich hatte Angst, dass ich überreagieren würde, denn ich hatte jetzt schon ein richtig warmes Gefühl zwischen den Beinen, und ich hatte so den Verdacht, dieses Gefühl würde noch wärmer werden.
 
 Oh Mann, es hatte was Masochistisches irgendwie, und ich hatte keine Ahnung, ob ich drauf stehen würde.
 
 Also tat ich unbeteiligt und legte mich erst mal aufs Bett, ohne mich auszuziehen. Vielleicht würde Hardy das für mich übernehmen. Wenn ich es selber täte, könnte er denken, ich wäre geil auf das, was er vorhatte.
 
 Das Blöde war: Ich war anscheinend wirklich geil, so hilflos geil und ach soooo hilflos willig. Mein Gott! Hatte ich deswegen verloren? Schande über mich.
 
 Hardy kam erst nach einer Weile, er hatte im Badezimmer noch ein paar Sachen geholt, die er aufs Bett legte und die ich nicht anschauen wollte. Ich hielt meine Augen demonstrativ geschlossen.
 
 Ich hörte, wie er eine Kassette auflegte, es war die, auf der auch Level 42 war, und dann kam er langsam näher.
 
 "Willst du dich nicht ausziehen?"
 
 Also wollte er das nicht für mich übernehmen. Ich brummelte irgendwas vor mich hin, richtete mich auf und fing dann langsam an, meine Hose auszuziehen. Dann mein T-Shirt und so weiter. Er beobachtete mich dabei, und wieder fühlte ich dieses warme Gefühl zwischen den Beinen, und ich guckte gespielt gleichgültig an die Decke, als ich mich wieder hinlegte.
 
 Als er anfing sich auszuziehen, machte ich die Augen zu. Ich wollte nichts von allem sehen, weder vom ihm, noch von den Sachen, die er mitgebracht hatte.
 
 Er legte mir ein Kissen unter meinen Hintern und zwängte sich dann mühelos zwischen meine Beine, die ich eigentlich fest zusammengepresst hatte. Hatte ich?
 
 "Willst du denn überhaupt?"
 
 "Spielschulden sind Ehrenschulden", meine Stimme klang leicht zittrig. Ich hoffte, er würde auch das nicht bemerken. Warum fragte er übrigens erst jetzt, jetzt wo ich schon wie auf einem Präsentierkissen vor ihm lag...
 
 Er hockte zwischen meinen Beinen, und ich kriegte auf einmal noch ein wärmeres Gefühl zwischen den Beinen Wie konnte das möglich sein.
 
 Ich hörte eine Schere, er schnitt mir tatsächlich meine Locken ab. Vor Schreck wollte ich meine Beine wieder zusammendrücken, aber das ging natürlich nicht. Ich war ihm hilflos ausgeliefert. Allmählich überkam mich eine leichte Panik, und das wollüstige Gefühl, das sich in meiner Scham zusammenbraute, war vollkommen unerwartet in seiner Intensität. Ich fing leicht an zu stöhnen, was ich gar nicht wollte.
 
 Er war anscheinend mit dem Schneiden fertig. Ich hörte ein Zischen und spürte etwas Kühles auf mir. Etwas Kühles, das schnell wärmer wurde und anfing leicht zu brennen, nein brennen war der falsche Ausdruck, es juckte und das an meiner intimsten Stelle.
 
Wieder versuchte ich die Beine zusammenzupressen, und wieder konnte ich es nicht, weil er es verhinderte. Und das Gefühl aus Wollust und Hilflosigkeit wurde immer stärker.
 
 Er fing an, mit einem Rasiermesser vorsichtig herumzuhantieren. Oh Gott...
 
 Er steckte einen Finger in mich und legte den Daumen auf meinen empfindlichsten Punkt. Ich hörte ein leises Schaben. Oh wieder Gott...
 
 Das Stück fing an mit einem langen intensiver werdenden Brummen, dann folgte ein lauter Schlag auf die Drums, und dann kam sofort Marks dröhnender Funkbass begleitet von den Drums.
 
 Mark King soll einer der besten Funkgitarristen der Welt sein.
 
 Verschwommen hörte ich Level 42, die gerade ‚LOVE GAMES’ spielten. Schöne love games, schöner Text... schönes Stück....
 
 Marks Funkdaumen ist berühmt und berüchtigt...
 
 Schätze mal, Hardys Daumen ist auch berühmt und berüchtigt, aber nicht für Funk, sondern für was anderes.
 
 As I watch your face
 
 I can see my life go by

 
 Ich kam mir vor wie ein ausgenommenes Hähnchen, das gerade gewürzt wird, und das war so pervers, so schrecklich, dass ich ihn wohl anflehte, aufzuhören. Jedenfalls hörte ich, wie jemand nein, nein rief und schluchzte. Das war dann wohl ich. Dann hörte ich wie jemand was anderes rief, nämlich bitte, bitte, fick mich endlich, das muss ich dann wohl auch gewesen sein.
 
 You mean everything to me
 
 Just can't take no more

 
 "Immer mit der Ruhe Entspann dich!" Auch seine Stimme hörte sich erregt an, und ich öffnete kurz die Augen, um ihn anzuschauen. Er hockte dort wie eine fremde machtvolle Gestalt, schamlos und erschreckend, zielbewusst und unerbittlich, er sah aus wie eine marmorharte Statue und leuchtete golden und barbarisch zwischen meinen Schenkeln, und er schaute mich an, und dieser Blick hatte so einen animalischen und fremden Glanz, dass ich unwillkürlich erschauerte.
 
 Und ich sah seinen prächtigen Schwanz, der so... was... von... groß... war... Und den ich jetzt sofort in mir haben wollte. Animalisch, schamlos, zielbewusst und vor allem unerbittlich.
 
 Throw a smile my way
 
 And the pain I feel inside...

 
 Komm doch, hörte ich mich winseln.
 
 Turns to love for you
 
 And I'm yours...

 
 "Schon gut, schon gut." Seine Stimme hörte sich beruhigend an.
 
 Do lovers ever need to hide
 
 The things they really feel inside…

 
 Die herrliche Musik von Level 42 perlte und rieselte vor sich hin.
 
 Wieder höre ich ein Zischen, es ist wohl wieder die Dose mit dem Rasierschaum, und dann spüre ich, wie er eine große Portion davon auf meinem Bauch gibt und den Schaum verreibt bis auf meine Brüste, und ich hole tief Luft und muss stöhnen, er massiert meine Brustwarzen und ich will mich ihm vor Erregung entgegenbiegen, aber er drückte mich zurück und zieht dann eine Schaumspur hinunter zwischen meine Beine und fährt sanft mit seinen Fingern durch meine Spalte, bis ich fast wahnsinnig werde.
 
 Ich will den verdammten Orgasmus, aber er verweigert ihn mir, er nimmt sich immer wieder zurück, hört auf, meine Brüste zu reiben, hört für Sekunden auf, mich zu berühren, bis ich schließlich nur noch wimmere.
 
 I simply need you to need me
 
 Can't you see...

 
 Ich höre wieder ein Zischen und sehe verschwommen, wie er seinen Schwanz mit Rasiercreme aus der Dose besprüht... Himmel!
 
 "Sei nicht so verkrampft und lass es zu."
 
 Ich verstehe ihn nicht, mein Kopf will nichts mehr hören, mein Körper hat die Kontrolle übernommen und bestimmt alles. Lass es zu. Lass es zu. Was soll das bedeuten? Sei nicht so verkrampft. Gut, ich versuche gehorsam, mich zu entspannen, und im gleichen Augenblick stößt er in mich, so groß wie noch nie, er füllt mich aus, ich glaube, in diesem Augenblick füllt er mein ganzes Wesen aus. Ich bin nicht mehr verkrampft, sondern will mich besiegen lassen, will den Orgasmus nicht mehr herbeizwingen sondern ihn über mich hinwegrollen lassen – und mich womöglich von ihm zermalmen lassen.
 
 Er bewegt sich zuerst nicht viel in mir, er hält ganz still und stöhnt. Ich kann es hören, und ich höre auch mein eigenes Stöhnen und Keuchen. Dann plötzlich fasst er mich um die Hüften, zieht sich kurz zurück und stößt dann tief in mich hinein, und wieder und wieder, bis er sich nach ein paar Stößen nicht mehr beherrschen kann und förmlich in mir explodiert, und in diesem Augenblick, als ich mich total entspannt habe, kommt es:
 
 Eine dunkle samtige Woge voller Süße und Schmerz überschwemmt meinen Körper bis in die tiefsten Fasern und löscht alles andere aus.
 
 Ich lasse mich total in den süßen Schmerz und die Ekstase hineinfallen, mein Körper und meine Seele oder mein Geist oder was auch immer werden eins, und es wird phallische Nacht um mich.
 
 Jemand schreit. Wer von uns hat geschrieen.... Habe ich etwa seinen Namen geschrieen?
 
 Ja wirklich, ich glaube, ich war für ein paar Sekunden oder sogar Minuten völlig weggetreten. Aber es kann nicht so lange gewesen sein, denn als ich wieder zu mir kam, schlug mein Herz immer noch sehr schnell, und mein Atem kam immer noch stoßweise. Und meine Beine zuckten immer noch unkontrolliert... Meine Güte...
 
 Hardy lag noch auf mir, war immer noch in mir und machte auch keinerlei Anstalten, sich aus mir zu entfernen. Das wollte ich auch gar nicht. Denn trotz dieses gewaltigen Orgasmus, eigentlich war es gar kein Orgasmus, weil ich so etwas noch nie erlebt hatte – es war etwas jenseits davon, unvorstellbar und anders als sonst – juckte es mich irgendwie immer noch. Der Rasierschaum wahrscheinlich, dieser verdammte stimulierende Rasierschaum. Kaum zu fassen! Normalerweise bin ich direkt nach einem Höhepunkt schwer zu erregen und brauche eine Pause, bis es wieder geht...
 
 Ich bewegte mich unruhig unter Hardy, drängte mich an ihn und spürte, wie er in mir zuckte und spürbar wieder groß und größer wurde. Herrliches Gefühl...
 
 Und ich fühlte mich so nackt, so leicht zugänglich ohne diese störenden Haare. Die Berührung zu seinem Unterkörper war noch viel intensiver als sonst, und schon alleine die Vorstellung meiner nackten Scham machte mich erschauern.
 
 "Du hast es aber heute drauf, Süße!" Er nennt mich seit kurzem ‚Süße’, denn er kennt den Film Irma la douce, Irma, das ist mein Name, heißt einfach nur Irma, und la douce heißt die Süße.
 
 Once I hoped to be
 
 Your lover and your friend

 
 Wieder Level 42. Das gleiche Stück. War es endlos auf der Kassette? Aber es war verdammt gut. Und er hatte es von mir...
 
 but it turned into a game
 
 I won't play no more….

 
 Eine Stunde später, so um zwei Uhr verabschiedete ich mich von ihm. Ich hatte zwar nichts besonders vor, aber ich wollte ihm auf keinen Fall auf den Geist gehen. Ich war den ganzen Freitag Abend bei ihm gewesen, ich hatte seine Bücher inspiziert, wir hatten Musik gehört, wir hatten einen irren Film gesehen, nämlich ‚DER ROTE MONARCH’, einen englischen Film über Stalin, wirklich irre der Film, traurig und lustig zugleich – ich glaube Hardy und ich haben den gleichen Geschmack, was Filme angeht, wir hatten uns ‚geliebt’, und wir hatten Billard gespielt. Ich hatte neben ihm geschlafen, gut geschlafen, und am späten Morgen hatten wir wieder Billard gespielt. Und gewettet hatten wir auch...
 
 Es war schon verdammt viel Zusammensein gewesen, und man soll gehen, wenn es am schönsten ist.
 
Fast hatte ich das Gefühl, er wollte mich nicht gehen lassen, aber das war bestimmt nur Einbildung. Er hatte bestimmt irgendwas vor. Vielleicht wollte er mit den Kollegen irgendwohin fahren, und vielleicht würde es wieder eine kleine Tröstungsaktion mit hinterherigem Armumlegen bei der Freundin eines Kollegen geben. Allein die Vorstellung von diesem hinterherigen Armumlegen machte mich wütend auf ihn. "Letztens bin ich mit der Freundin eines Kollegen ins Bett gegangen, und hinterher hab ich meinen Arm um sie gelegt , sie hat mir von ihren Problemen erzählt. Und das fand ich ganz toll." Dieser verdammte Spruch hatte mich bei unserem ersten Treffen so wütend auf ihn gemacht, dass ich ihn später aus meiner Wohnung warf. Nicht den Spruch natürlich sondern Hardy. Aber wen juckt’s?
 
 Zumindest war ich mir sicher, dass er in den nächsten Stunden keinen mehr hochkriegen würde. Dafür war er zu geschafft.
 
 
 Tatsächlich dachte ich in der nächsten Woche wirklich öfter an Hardy, an diesen Mistkerl. Eigentlich wollte ich nicht an ihn denken, aber es fühlte sich aus mir unverständlichen Gründen fantastisch an, an ihn zu denken. Pervers zwar und geil, aber fantastisch.

*****************************************************

 

<<<zu HOME   zu Kurzgeschichten>>>   oder zu blog NEU   alt