GONE WITH THE DEATH?

 

Teil 9

 

"Ich war ein Nichts, weder Fisch noch Fleisch, weder richtiger Vampir noch Mensch", fuhr Spike mit seiner Erzählung fort. "Am meisten bei der Sache empörte mich meine totale Bedeutungslosigkeit. Noch am selben Abend verließ ich die Stadt, wollte nach Afrika zu einem anderen Big Bad. Zu einem anderen?" Spike lachte bitter. "Das war der reinste Hohn, ich selber hatte mich immer als ‚Big Bad’ bezeichnet, aber ich war nur noch ein Abklatsch meines früheren Ichs. Ein Besessener, Ein Idiot, ich wollte sie töten und mit ihr alle ihre Freunde. Außer Dawn vielleicht. Dawn wollte ich nicht töten. Ich wollte den Chip, der mich so lange geknechtet hatte, loswerden, um sie alle töten zu können. Oder vielleicht leben zu lassen. Und vor allem wollte ich diese beschissenen Gefühle loswerden, die mich an Buffy fesselten. Ich war so stinksauer, dass ich Buffy das geben wollte, was sie verdiente! Und das war nichts Gutes, so dachte ich wenigstens. Leider verstand der Dämon, zu dem ich gegangen war, es anders, vielleicht las er in meinem Unterbewusstsein, dass ich ihr nichts antun wollte, denn er entfernte nicht den Chip, sondern gab mir meine Seele zurück."

"Hmmm..."

"Es war meine eigene Seele", Spike lächelte, "im Gegensatz zu der Seele einer anderen Person, die ihre eigene Seele mit Sicherheit nicht zurückbekommen hat, sondern eine idealisierte, die überhaupt nichts mit ihm zu tun hat. Ist ja auch egal! Weiter: Was bedeutet das, eine Seele zu haben? Es bedeutet Pein und Schmerzen, denn ich wurde heimgesucht von Erinnerungen und Alpträumen, die alle mit meinen Opfern zu tun hatten. Und das waren nicht wenige. Ich kehrte nach Sunnydale zurück, tatsächlich weiß ich nicht, wie ich die Reise überlebt habe in diesem Zustand. Aber ich war zurück."

"Was sagte Buffy?"

"Sie war schockiert. Sie war nicht begeistert. Ich bedeutete Komplikationen für sie. Sie musste sich jetzt um mich kümmern, denn ich war kein seelenloses Wesen mehr."

"Wie hat sie sich um dich gekümmert?"

"Sie brachte mich bei Xander unter, nachdem ich vorher im Schulkeller gehaust hatte. Dort hatte mich das Urböse fest im Griff, es erschien mir in verschiedenen Gestalten und machte mich ziemlich fertig. Zu meinen Alpträumen und Erinnerungen kamen noch, wie ich dachte, Halluzinationen dazu, und ich glaubte wirklich, ich wäre verrückt geworden.

"Warst du verrückt?"

"Vielleicht. Dazu kam noch eine Melodie, die mich zum Ausrasten brachte. Ich tötete mehrere Leute..."

"Oh!" Und nach kurzer Pause: "Was tat Buffy?"

"Sie versuchte Beweise zu finden, dass ich es nicht mit Absicht getan hätte."

"Das ist ja wohl ein Hammer", wunderte Lilah sich.

"Es hatte nichts mit mir persönlich zu tun. Es handelte sich einzig und allein um meine Seele. Sie steht auf Seelen, weißt du."

"Du bist ein Idiot. Sie stand auf dich!"

"Nein", Spike lächelte milde, "das siehst du falsch. Sie hätte nie jemanden wie mich lieben können, jemanden, der so viele Leute getötet hat. Niemals! Das war mir endlich klargeworden. Und ich brauchte es auch nicht mehr."

"Was?"

"Dass sie mich liebte."

Diese wie es schien, endgültige Aussage von ihm machte Lilah innerlich so wütend, dass sie aus Verlegenheit den Computer einschaltete, Casios uraltes DOS-Spiel ‚Simcity2000’ startete und anfing, mit dem Bagger-Werkzeug ein paar Häuser zu einzureißen.

PROSCHRATTTATTA... PLÄDDELPLÄDDEL...

"Und dann hast du dich geopfert", sagte sie zornig.

"Ja, dann habe ich mich geopfert", sagte Spike.

PROSCHRATTTATTA... PLÄDDELPLÄDDEL...

"Hat es sich gelohnt?" fragte Lilah immer noch zornig.

PROSCHRATTTATTA... PLÄDDELPLÄDDEL...

"Sie hat mir gesagt, dass sie mich liebt."

PROSCHRATTTATTA... PLÄDDELPLÄDDEL...

"Was machst du da überhaupt?" fragte Spike und näherte sich angelockt durch die heftigen Prosch- und Pläddelgeräusche neugierig dem Computer.

"Hat es sich gelohnt?" fragte Lilah ein zweites Mal, immer noch zornig.

"Ich weiß nicht... Außerdem hab ich’s ihr nicht geglaubt... Hey, das ist gut. Das will ich auch mal spielen!"

PROSCHRATTTATTA... PLÄDDELPLÄDDEL...

 

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Die CD war fertig. Und Casio hatte auch genug Höllenschlund in das Stück ‚Last night I dreamt...’ hineingemischt.

Die CD sah wunderbar aus, mit einem Bild von den fünf Jungs drauf, in schwarzweiß natürlich. Sie hatten sich von Lilah fotografieren lassen. Es ist unglaublich, was man alles mit einer Digitalkamera machen kann. Lilah, die eigentlich auch mit draufkommen sollte, hatte abgewinkt, sie scheute das Licht der Öffentlichkeit, denn so als Ex-Tote wollte sie kein Aufsehen erregen.

Quer über die Frontseite erstreckte sich in einer runenartigen Schrift der Name der Band, nämlich:

THE BIG BAD THING

Als Spike bei einer seiner Einkaufsfahrten den ersten Song von der CD im Autoradio hörte, rastete er fast aus. Es hörte sich geradezu genial an. Es war das Stück ‚nowhere girl’, eigentlich sein Lieblingsstück, obwohl da nicht viel zu singen war, weil das Stück fast nur aus einem langen Vorspiel bestand.

Er machte eine kurze Pause im E-body, traf zwei von den Jungs und kam einen Tag später von einer ziemlich ausgedehnten Pokerpartie, die in einer Flüsterkneipe stattgefunden hatte, ziemlich angetrunken nach Hause.

Lilah hatte sich Sorgen gemacht und auf ihn gewartet. Als er endlich kam, war sie so erleichtert, dass sie auf ihn zuging, ihn umarmte und sich an ihn drückte. Sie konnte nicht anders, sie wollte endlich irgend etwas erzwingen.

Er erstarrte, schob sie weg und starrte an die Wand neben ihr.

"Ich will nicht noch einmal, dass eine Frau über mich bestimmt", sagte er leise. Obwohl ihm seine Hose eng geworden war, wollte er es nicht.

Lilah war das ganze unsagbar peinlich, sie hätte es wissen müssen: Immer wenn sie die Initiative ergriff, ging es in die Hose. Warum also tat sie immer wieder? Sie hatte es in der Vergangenheit schon getan, und es war auch immer schief gelaufen. Ach Mist – jetzt hatte sie alles verpatzt.

"Ich bin sowieso frigide!" verkündet sie trotzig einem erstaunten Spike.

"Ja, das kann vorkommen", Spike muss sich das Lächeln verkneifen, er ist klug genug, ihr keine abfällige männliche Antwort zu geben und nimmt sie leicht in den Arm. "Lilah, ich mag dich. Wirklich. Aber diesmal will ICH bestimmen, ob und wann es losgeht. Wenn es denn losgeht. Ich will nicht mehr ein Objekt sein!" Seine Stimme wird leiser, und er lässt sie los.

Wenn er jetzt gesagt hätte, es gibt keine frigiden Frauen sondern nur unfähige Männer, denkt Lilah, dann hätte ich ihm in die Eier getreten.

Sie gehen zu Bett, getrennt natürlich, und am nächsten Morgen wird über die Geschichte nicht mehr geredet.

 

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Ein paar Tage später entschloss Spike sich, eine Party zu feiern. Nämlich zu Ehren der Veröffentlichung der CD, und weil tatsächlich schon jede Menge verkauft worden waren. Andauernd wurden die Songs im Radio gespielt. Verschiedene Songs, weil sie eben alle verdammt gut waren. Oder weil W&H die Radiosender fest im Griff oder gar bestochen hatten? Egal – sie wurden gespielt. Und die Plattenfirma, bei der sie im Vertrag waren, übrigens eine der netteren Plattenfirmen, die sich von den armen Künstlern nicht alles Geld einsackte, fing an, diverse Geldbeträge auf Spikes Konto zu überweisen. Er war nicht mehr von W&H abhängig. Bis auf das Haus natürlich. Aber das wollte er noch nicht aufgeben, weil es ihm gefiel. Spike richtete sich ein eigenes Konto ein und benutzte nicht mehr die Kreditkarten, die er von W&H erhalten hatte.

Spike besorgte die Getränke, und Lilah besorgte den Partyservice, der das kalte Büffet aufbaute.

Diesmal war der Abend warm, wahrscheinlich war es der letzte richtig warme Abend in diesem Jahr, und Lilah trug ein Jeanshemd, Shorts und Stoffturnschuhe.

Es waren nicht viele Leute eingeladen, die Jungs natürlich, der Wirt Karel und seine schwedische Frau Maja, mit der sich Lilah angefreundet hatte und von der sie gelernt hatte, Zöpfe zu flechten, zwei Typen aus dem E-body und die 10-Minuten-Perle von Porterhouse. Eine Na ja körperlich recht anziehende Person nach der Meinung der meisten Männer, dunkelhaarig, knabenhaft und recht hübsch, aber nach einer Stunde schon reichlich besoffen und Porterhouse hinterher hechelnd, der sich wie immer einen Dreck um sie kümmerte.

Die Jungs verschwinden nach und nach im Keller, um sich ihre CD, als ob sie sie noch nicht genug gehört hätten, noch einmal anzuhören. Die Perle geht nach kurzen Zögern auch in den Keller.

Der Wirt Karel und seine Frau Maja gehen ebenfalls in den Keller.

Lilah bleibt allein zurück im Wohnzimmer, nein allein wäre untertrieben, es bleiben auch die beiden Typen aus dem E-body zurück, die sie flüchtig kennt. Und von denen der eine begehrlich auf ihre nackten perfekten Beine starrt und sie jetzt heftig anmachen will. Lilah natürlich und nicht ihre Beine. Oder vielleicht ihre Beine auch.

Lilah ist nicht gut drauf. Irgendwie hat sie das Gefühl, sie verpasst etwas, denn alle anderen sind bereits weg. Im Keller. Dennoch entwickelt sich ein recht interessantes Gespräch mit dem einen von den beiden Typen. Es geht um Astralerscheinungen, weiß der Teufel, wie sie drauf gekommen sind, allerdings ist Lilah aus Langeweile schon ein bisschen betrunken, sie hat sich da ein paar heftige Drinks gemixt, zum Beispiel viel Brandy mit wenig Orangensaft. Orangensaft wegen der Vitamine natürlich.

"Du glaubst also wirklich, dass die Leute aus dem Jenseits sich die Mühe machen, dich zu treffen?" fragt Lilah provozierend den Typen.

"Ja ich glaube fest daran. Seit mir letztes Jahr meine Großmutter bei einer Science erschienen ist..."

"Science?!" unterbricht ihn Lilah wütend. "Großmutter? Grundgütiger, WIE zum Teufel ist sie dir denn erschienen?"

"Sie sah genauso aus, wie ich sie in Erinnerung hatte", sagt der Typ versonnen.

"Häääh!!?" Lilahs Stimme trieft vor Hohn. "Wieso sollte dein Großmütterchen als alte Frau vor dir erscheinen. Warum nicht als junge Frau, warum nicht in ihrem Idealzustand? Nein diese blöde Nuss muss als Tattergreisin vor dir erscheinen! Und soll ich dir sagen warum? Weil du sie beschworen hast, du kanntest sie nicht anders. Es ist alles nur in deinem Kopf passiert!"

"Das ist nicht wahr. Sie ist es gewesen!" plärrt der Typ.

Der andere Typ sieht Lilah entschuldigend an, rückt näher an sie heran. Und macht doch tatsächlich Anstalten, seinen Arm um ihre Schulter zu legen.

Lilah schüttelt ihn mit einer einzigen Bewegung ab und hackt weiter auf seinem Kumpel herum: "Wenn du sie als junge Frau gesehen hättest, sozusagen im Optimalzustand, dann hättest du sie gar nicht erkannt, was? Gib es doch zu, deine Erscheinung war rein subjektiv!"

Der Typ ist so dämlich, dass er gar nicht versteht, was Lilah meint, und Lilah versteht wiederum nicht, warum sie so heftig reagiert.

Lilah hat die Schnauze voll von den beiden und sitzt eine Weile noch wie gelähmt auf dem Sofa – diese beiden Idioten sind einfach ätzend – dann steht sie langsam auf, um die anderen zu suchen.

Also geht sie in den Keller.

Was sie dort sieht, gefällt ihr allerdings auch nicht, und sie bereut es heftig, in den Keller gegangen zu sein.

Sie bereut es, überhaupt in diesem Hause zu sein. Sie ist hier ja nur ein Fremdkörper, der geduldet wird. Sie ist von Spike abgewiesen worden. Das sagt alles.

Sie sieht Spike, der gerade die Perle von Porterhouse tröstet, die sich bei ihm ausheult. Er lehnt an der Bar und hat seine Hände um ihre Oberarme gelegt und streichelt dieselbigen...

Die Perle hat keine schönen Oberarme, sie sehen etwas dicklich aus. Außerdem heult sie, und mit ihren verheulten Augen sieht sie auch nicht besonders hübsch aus.

Lilah wird es urplötzlich kalt, sie dreht sich langsam und unauffällig um und geht wieder die Kellertreppe hinauf.

Sie entscheidet mit Tränen in den Augen, dass das nicht ihre Welt ist Aber was zum Teufel ist ihre Welt?

Sie geht nach oben. Sie ist unsichtbar. Keiner beachtet sie. Sie ist gar nicht mehr da – eine Unperson ist sie. Und so will sie auch bleiben, eine Unperson. Sie beachtet die beiden Idioten nicht, die immer noch auf dem Sofa sitzen und geht nach oben in ihr Schlafzimmer. Sie hat ihren Drink immer noch in der Hand und trinkt ihn aus, obwohl sie weiß, dass der Alkohol keine Wirkung mehr auf sie haben wird.

Was ist los mit ihr? Sie weiß es nicht, sie weiß nur, dass sie unendlich enttäuscht ist. Von wem und von was? Ach Scheiße!

Vielleicht handelt es sich ja nur um eine postmortale Depression? Im Gegensatz zu einer pränatalen? Hahah – Gute Idee. Sie verzieht den Mund. Normalerweise würde sie über diesen Gedankenblitz lachen, aber das schwarze Loch, in dem sie sich momentan befindet, verhindert das sehr effektiv.

Sie rafft ihre wenigen Kleidungsstücke zusammen, wirft sie in ihre Reisetasche, öffnet das Fenster und sieht hinaus. Was bin ich, was mache ich hier, wo soll ich hingehen? Sie fühlt sich gefangen in diesem schwarzen Loch, wo die Zeit absolut stillsteht, sie fühlt sich gelähmt und gefangen. Und verarscht fühlt sie sich auch.

Schließlich reißt sie sich zusammen, durchbricht die stillstehende Zeit, öffnet das Fenster – es geht auf die Haustürseite hinaus – und wirft die Reisetasche mit einer heftigen Bewegung weit aus dem Fenster. Dann nimmt sie den Aktenkoffer und wirft ihn der Reisetasche hinterher. Beide Male hört man nur einen leichten Bums. Ohja das macht Spaß. Hat sie alles? Ja.

Sie geht mit starrem gefasstem Gesicht die Treppe herunter, wird wieder von dem einen Typ blöde angequatscht, sie reagiert nicht auf das, was er sagt, sondern geht zur Haustür raus. Sie blickt zurück und sagt: "Ich muss mal frische Luft schnappen." Sie will unauffällig gehen, will kein Aufsehen erregen. Es wird sie sowieso keiner vermissen.

Sie sammelt draußen ihre Reisetasche und ihren Aktenkoffer ein, schließt die Garage auf und fährt mit ihrem Porsche davon. Nach Hause in ihr Apartment.

Sie hat Glück, keine Polizeistreife erwischt sie.

Sie schminkt sich im Badezimmer ab und fängt schon vor dem Spiegel an zu heulen. Sie beschimpft sich als blöde Kuh, was hast du denn gedacht. Das sind alles Drecksäcke. Sie schaut sich die andere Kuh, die mit den roten tränenverschmierten Augen im Spiegel an, und beschimpft sie als blöde Kuh, dämliche Ziege und total bescheuert.

Bis sie endlich ins Bett geht und dort weiterheult.

 

Und kurz darauf einschläft... und im Traum ihr Telefon läuten hört.

Es ist allerdings kein Traum, sondern das Telefon läutet wirklich. Und es wird draußen schon hell.

"Warum könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen!" Ziemlich sauer steht sie auf und kommuniziert mit dem Nachtportier, der das Apartmenthaus bewacht wie ein gewisser Zerberus den Hades.

"Was ist?" Lilah ist wirklich sauer.

"Hier ist ein Mr. Castaway – er möchte sie sehen, Miss Morgan."

"Dann lassen sie ihn in Gottes Namen herein", stöhnt Lilah und weiß nicht genau, ob sie verärgert oder erleichtert darüber sein soll, dass ER gekommen ist.

Zwei Minuten später betritt Spike das Appartement.

"Was zu Teufel ist eigentlich los?" fragt er Lilah. Seine Stimme klingt aufgeregt und noch heiserer als sonst.

"Ach leck mich doch!" spuckt Lilah ihn an. "Hau bloß ab! Was willst du überhaupt hier?"

Spike lässt sich nicht von ihren giftigen Worten beirren. Er fasst sie um die Taille und sagt leise: "Ich habe mich zuviel um die, wie heißt sie noch – egal – gekümmert. Das war es?"

"Um wen du dich kümmerst oder nicht, das interessiert hier doch wohl einen Toten. Von mir aus kannst du rummachen, mit wem du willst."

"Ich habe nicht mit ihr rumgemacht", behauptet Spike entschlossen und zieht sie noch näher zu sich. "Außerdem interessiert es mich. Ich bin zwar kein Toter mehr, aber..."

"Hast du nicht!!??" Lilah unterbricht ihn abrupt und ihre Stimme klingt, als würde sie gleich anfangen zu weinen. "Du beschissener Typ willst nur keiner wehtun? Was?"

"Will ich nicht, Lilah, aber wenn ich sehe, wie du darüber denkst, tut es mir jetzt leid."

"Ich will keinem wehtun", Lilahs Stimme wird ätzend, "das ist ein guter Spruch! Damit kann man sich immer rausreden. Ihr Scheißkerle wollt keinem wehtun, und in Wirklichkeit tut ihr jedem weh."

"Ich werde es nicht mehr tun, Lilah. Von jetzt an werde ich mich nur noch um dich kümmern." Spike meint dies ernst, es ist ihm klargeworden, als er Lilah schon mehrere Stunden vermisste, dann endlich ihr Schlafzimmer betrat und es leer vorfand. Ihre Sachen waren weg, und das ganze Haus wirkte plötzlich verlassen. Ohne sie.

Er hatte ihr Signale gegeben und hatte dann, als sie darauf ansprang, einen Rückzieher gemacht. Er war wirklich bescheuert gewesen Nach kurzem Zögern hatte er ein Taxi genommen und war ihr hinterher gefahren.

Und jetzt war er hier und zog sie fest in seine Arme. Sie wollte ihn wegstoßen, aber er hielt sie trotzdem fest.

"Bitte, Lilah", murmelte er.

"Geh weg!" Lilah weinte.

Er küsste sie sanft auf die Lippen, und als sie sich nicht wehrte, küsste er sie ein bisschen fester. Sie wehrte sich immer noch nicht, sondern hing widerstandslos in seinen Armen.

Er hob sie hoch, trug sie ins Schlafzimmer und legte sie sanft ins Bett.

Sie trug immer noch ihr Jeanshemd und ihre Shorts. Er zog ihr beides langsam aus.

Als sie nackt war, legte sie beide Arme nach hinten, die Handflächen nach oben wehrlos auf das Kissen neben ihren Kopf, als wollte sie sich ergeben und sah ihn hilflos an. Sie hatte sich ergeben

"Bitte", sagte sie stockend. Sie zog ihre Beine leicht an und ließ sie dann auseinander fallen. Wenn er dieser Einladung nicht folgen würde, dann wäre alles aus...

Spike zog sich aus und beugte sich dann über sie. Er war voll erregt.

"Bitte", sagte sie wieder und hielt ihre Arme immer noch in dieser Hands-Up-Stellung, in dieser Stellung, die ihre Wehrlosigkeit verkörperte und ihm alleine die Initiative überließ.

Er hebt ihre Hüften an und dringt langsam in sie ein. Sie muss ihm nicht helfen wie irgendeinem anderen unerfahrenen oder angeblich erfahrenen Trottel, der sich nicht auskennt mit dem weiblichen Körper.

Er legt seine Handflächen auf die ihren, drückt sie in das Kissen, und sie genießt es, verdammt noch mal, einmal im Leben sich zu unterwerfen und sei es auch nur im Bett.

Er bewegt sich langsam in ihr, und es ist ein so verdammtes... ohgott Gefühl. Dann hört er auf, sich in ihr zu bewegen und sieht sie nur an.

Sie hört sich stöhnen und plötzlich spürt sie, wie sich alles Gefühl in einem einzigen Punkt ihres Körpers zusammenballt, ein sie vollkommen hilflos machendes Gefühl, das ihre Beine zum Zittern bringt. Das Gefühl verlangt eine Explosion wie der Urknall.

Und plötzlich bewegt sie sich heftig an ihm, drückt ihre Hüften an ihn, reibt sich heftig an ihm, und driftet dann, immer noch die Arme von seinen Händen festgehalten und auf dem Kissen liegend, in eine Dimension, in der sie buchstäblich Sterne sieht, ihr Körper zuckt unkontrolliert, es kommt ihr wie eine Ewigkeit vor, aus der sie Minuten oder sind es Stunden später keuchend wieder zurückkommt.

Sie sieht, dass Spike sie anschaut und sein Gesicht sich verzerrt.

Er hebt eilig wieder ihre Hüften an und hält sie fest, während auch er unaufhaltsam die Kontrolle über sich verliert, er heftig in sie hineinstößt und sich nach drei Stößen in ihr ergießt.

Sie war nicht frigide. Das war auch ein bisschen gelogen gewesen. Aber tatsächlich hatte sie beim ersten Mal mit einem Mann immer Probleme gehabt, aber nicht dieses Mal. Dieses Mal war ein Wunder.

Spike hatte immer noch ihre Hüften umklammert, er drehte sich mit ihr auf die Seite, eng aneinandergepresst lagen sie sich gegenüber, er war immer noch in ihr, und sie wollte auch nicht, dass er sie verließ, und so umschlungen und verbunden schliefen sie ein.

 

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Lilah wachte als erste auf. Sie schaute versonnen auf den schlafenden Spike, befreite sich sanft von seinen Armen und stand auf.

Sie hatte einen Geschmack im Mund, der wirklich zum Kotzen war und wollte sich unbedingt die Zähne putzen. Diese Sauferei! Sie zog sich ihr Jeanshemd über, ging leise ins Badezimmer, putzte sich die Zähne und schüttete sich massenhaft kaltes erfrischendes Wasser übers Gesicht, bis sie sich wieder einigermaßen fühlte.

Dann machte sie Kaffee.

Nachdem sie selber total durstig zwei Tassen getrunken hatte, ihr Körper saugte den Kaffee auf wie ein Schwamm, machte sie eine Tasse für Spike fertig und ging damit ins Schafzimmer, um ihn zu wecken.

Er war schon wach, hatte die Arme hinter seinem Kopf verschränkt und sah sie lächelnd an.

Sie lächelte auch und reichte ihm die Tasse, die er dankbar annahm.

"Was meinst du? Wie wird das Haus aussehen?" fragte Spike sie grinsend.

"Oh, ich hoffe, es steht noch", sagte Lilah und fügte dann nachdenklich hinzu: "Vielleicht sollte ich schon mal meine Putzfrau anrufen."

"Jetzt noch nicht. Komm erst mal her..." Spike stellte seine Tasse auf den Boden, griff nach Lilah, bemerkte sofort, dass sie unter ihrem Jeanshemd absolut nackt war, und zog sie gnadenlos ins Bett.

Diesmal war Lilah nicht so unterwürfig.

 

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Das Haus stand übrigens noch, als Spike und Lilah um die Mittagszeit eintrafen.

Sie mussten nur Porterhouse und seine Perle verscheuchen. Lilah warf der Perle einen giftigen Blick hinterher. Bronson war auch noch da, allerdings war er so betrunken, dass sie ihn auf dem Feldbett im Keller liegen ließen.

Es war ihnen egal – er würde nicht weiter stören.

Dann räumten sie gemeinsam auf. Diesmal musste es ohne Putzfrau gehen.

Als alles schmutzige Geschirr in die Spülmaschine geräumt und der ganze Müll in die Mülltonne transportiert war, Lilah kurz den Fußboden gewischt und Spike sich um die Küche gekümmert hatte, luden sie sich zwei große Teller mit Resten des kalten Büffets voll. Es war noch alles mögliche da, diverse Appetitmacher, Schrimps, Spareribs, Hühnerbeine, Obstsalat und andere süße Sachen. Mit einem riesigen Tablett, auf dem sich auch noch Orangensaft, Milch und Kakao befanden, gut gegen Kater, gingen die beiden einträchtig die Treppe hoch.

"Zu mir oder zu dir?" fragte Spike.

"Heute zu dir", sagte Lilah.

Es wurde noch ein richtig guter Nachmittag. So eine Mischung aus essen, vögeln, fernsehen und schlafen, manchmal auch in einer anderen Reihenfolge....

 

Ende Teil 9

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Teil 10

 

Die CD war ein Erfolg. Daran war nicht zu zweifeln. Die Plattenfirma machte sich deshalb Gedanken über ein Tournee der Band. Man wollte die Gunst der Stunde nutzen in dieser schnelllebigen Zeit und die Jungs im Gespräch halten.

Spike lud Lilah zum Essen ein. Es sollte etwas Besonderes werden, nicht Mac Donalds oder ähnliches. Er dachte an den Ocean’s Club, den Treffpunkt der Reichen und der Schönen.

Da man dort drei Monate vorher einen Tisch reservieren musste, Normalsterbliche mussten das jedenfalls, bat er Lilah, sich drum zu kümmern. Lilah hatte damals, als sie noch Teilhaberin der Kanzlei von W&H war, des öfteren mit Klienten der Firma dort gespeist und war deswegen dem Empfangschef gut bekannt. Die Reservierung lief problemlos.

Bevor sie aus dem Haus gingen, musterten sie sich gegenseitig kritisch.

Es gab nichts auszusetzen. Aber wirklich nicht!

Lilah trug ein vanillefarbenes schulterfreies Kleid aus leicht dehnbarem Stoff – nicht ganz mini aber sehr kniefrei wegen ihrer langen Beine – das ihren Körper bedeckte wie eine zweite Haut. Darüber trug sie eine taillenkurze vanillefarbene Samtjacke mit langen Ärmeln, es war abends schon recht kalt, aber im warmen Restaurant konnte man sie ausziehen. Sie trug richtige Seidenstrümpfe mit Strapsen, was man natürlich NICHT sehen konnte und ferner – ganz verwegen im Stil der 60er Jahre – cremefarbene fast kniehohe Wildlederstiefel mit flachen Absätzen, die seltsamerweise ihre Beine mehr verschönten, als dies zierliche hochhackige Schuhe jemals hätten tun können. Sie sah ein bisschen aus wie Nancy Sinatra, als sie damals 1966 ihren Hit sang: These boots are made for walking. Natürlich kannte kein Mensch mehr Nancy Sinatra. Auch Lilah war viel zu jung, um Nancy Sinatra zu kennen. Lilah hatte alles neu gekauft, weil sie sich in ihren alten dezenten Anwaltssachen nicht mehr wohl fühlte. Weiter: Ihre Haare waren leicht zusammengerafft von einem cremefarbenen Samtband, ein paar Locken hingen jedoch zwanglos herunter. Lilah war fast verrückt geworden, bis sie das hingekriegt hatte, ohne dass es künstlich konstruiert aussah. Sie musste lüstern lächeln, denn Spike hatte keine Ahnung, dass sie Strapse trug, sie wollte ihn später damit überraschen...

"Du siehst aus wie ein Cremeschnittchen", sagte Spike bewundernd zu ihr. "Wirklich zum Anbeißen!"

Nun zu Spike. Er hatte hosen- und schuhmäßig keinerlei Konzessionen gemacht, sondern trug Jeans wie immer, diesmal in schwarz und weiche dunkle Wildlederboots, natürlich nicht so zierliche wie Lilah. Aber seine obere Hälfte sah etwas anders aus als sonst. Er trug zu Lilahs Verwunderung ein strahlend weißes Hemd – und dazu eine sehr schmale schwarze Krawatte, die Lilah seltsamerweise ungemein sexy fand. Darüber trug er eine locker fallende schwarze Jacke aus einem leicht glänzenden Stoff. Das mit dem weißen Hemd und dem schwarzen schmalen Schlips (was für ein Zungenbrecher!) stammte übrigens auch aus den 60er Jahren (Beatles) oder vielleicht von Brian Ferry (Roxy Music-70er Jahre), und auch daran würde sich niemand erinnern. Sie würden also eine neue Mode erschaffen. Allerdings trug Spike das Hemd ÜBER der Jeans und hielt sich somit nicht an die Vorbilder.

Sie fuhren mit dem Porsche, das heißt, Lilah fuhr, weil Spike es noch nicht wagte, diesen Boliden zu steuern, und als sie den Club betraten, erregten sie kein geringes Aufsehen. Das Aufsehen äußerte sich allerdings verhalten, weil die Gäste so verdammt vornehm waren, zu vornehm, um ihre Bewunderung auffällig zu äußern, aber die Bewunderung war da, es war nicht zu übersehen.

Es war die Bewunderung der Schönheit, denn sogar hier unter den Schönen und Reichen von Los Angeles fielen Lilah und Spike auf.

Außerdem hatten mehrere Leute Spike erkannt. Wahrscheinlich vom Foto der CD. Man blickte verstohlen zu dem Tisch hinüber, an dem Spike und Lilah sich niedergelassen hatten und tuschelte hinter vorgehaltener Hand.

"Du bist berühmt", sagte Lilah erfreut zu Spike.

"Ja und?" meinte Spike leichthin.

Er bestellte einen leichten Weißwein, einen Chardonnay aus Kalifornien, der, wie er spöttisch bemerkte, wahrscheinlich vom Weingut Falcon Crest stammte. Lilah wollte keinen Alkohol trinken, sie meinte, sie wäre so glücklich, dass sie keinen bräuchte und ließ Spike für sie einen Eistee ordern.

Spike nahm ihre Aussage mit dem Glück unwidersprochen hin. Er war nun mal ein sehr von sich eingenommener Mann.

"Warum gibt es eigentlich keinen passenden Wein zum Hamburger", witzelte er, "sondern nur zu Chateaubriand und sonstigen Sachen, die kein normaler Bürger kennt?"

"Weil die Weinwirtschaft wahrscheinlich nicht auf Scheibe ist." meinte Lilah. "Stell dir das mal vor: Der Wein zum hot dog... Worauf hast du Hunger?"

"Nicht auf hot dog. Ich glaube, ich nehme ein Steak, manchmal habe ich immer noch das Bedürfnis nach blutigen Sachen. Ist noch so drin in mir. Allerdings passt der Wein nicht dazu, ich hätte einen roten nehmen müssen, aber den mag ich nicht besonders", sagte Spike lächelnd. "Und was nimmst du?"

"Huhn à la Provence." Lilah betrachtete ihn verstohlen. Er machte einen so selbstsicheren Eindruck, als würde er jeden Abend in solchen Restaurants dinieren. Dann fiel ihr ein, wie alt er war und dass er nicht immer der blondgebleichte Punk der letzten Jahre in Sunnydale gewesen war.

"Du hast mir immer noch nichts von deiner bösen Zeit erzählt", sagte Spike zu ihr, nachdem sie ihre Bestellungen aufgegeben hatten. "Von mir weißt du jetzt fast alles. Also rück mal raus damit, Schätzchen!"

"Wenn du unbedingt willst..." Lilah fiel der Anfang schwer. "W&H, das ist so eine Firma, die jedes vorhandene Potential nutzt, sei es von Dämonen, sei es von Menschen. Und sie gehen mit ihnen nicht zimperlich um. Die Seniorpartner zum Beispiel sind eine unheimliche Bande von... ich weiß es nicht, und ich will es auch nicht wissen. Ich glaube, sie machen Geschäfte mit dem Teufel. Oder sie sind der Teufel."

"Passt zu meiner Theorie, dass ein Mensch sowohl das Göttliche als auch das Teuflische in sich vereint", sagte Spike gelassen.

"Ich habe mich aus Karrieregründen zu ihrem Handlanger und hinterher zu ihrem Vollstrecker machen lassen", Lilahs Stimme stockte, bevor sie fortfuhr: "Ich habe, und zwar in dieser Reihenfolge, Menschen belogen, manipuliert, bespitzelt. Und... auch welche in den Tod geschickt."

"Lilah, du brauchst meine Vergebung nicht. Der einzige, der dir verzeihen kann, das bist du selber."

"Ich weiß nicht, ob ich das jemals kann."

"Doch, irgendwann wird es soweit sein. Vergleiche deine Verbrechen mit meinen, denn das ist eine einfache Rechenaufgabe. Einhundertzwanzig Jahre lang habe ich mindestens einmal in der Woche jemanden getötet, und das ist stark untertrieben. Aber wenn wir von einem Toten in der Woche ausgehen, dann sind das in einhundertzwanzig Jahren, lass mich mal rechnen, einhundertzwanzig mal fünfzig, also ungefähr sechstausend Menschen. Nicht schlecht was? Ich vermute allerdings, dass es mindestens drei mal so viele waren. Das wäre dann schon eine mittlere Kleinstadt. Oder noch mehr."

"Aber du warst von einem Dämon besessen."

"Auch Menschen können von Dämonen besessen sein. Einer dieser Dämonen ist Geld, ein anderer vielleicht Macht, noch ein anderer Anerkennung. Und so weiter..."

"Ich habe mir überlegt, ganz was neues zu machen", sagte Lilah nachdenklich.

"Wie wäre es, wenn du dich irgendwann selbstständig machst, mit einer eigenen Kanzlei vielleicht, so wie diese ach-so-guten Anwälte im Fernsehen."

"Pro Bono-Sachen? Ich glaube, das würde ich gerne machen. Leuten helfen, die sich außer dem gelangweilten Pflichtanwalt nichts leisten können. Ich habe bei W&H soviel Geld zur Seite geschafft, dass ich mir das sogar finanziell leisten könnte. Na ja, vielleicht eine zeitlang leisten könnte."

"Gute Idee. Ich sollte auch was machen, ich weiß nur noch nicht, was", sagte Spike; "aber wir sollten trotzdem jetzt das Leben genießen, denn irgendwie hab ich das Gefühl, im Zentrum eines Hurrikans zu stehen."

"Du meinst das total sonnige, windstille Zentrum eines Hurrikans. Das Auge?"

"Genau, im Auge des Hurrikans!" stimmte Spike ihr zu. "Komm, lass uns tanzen. Nach dem Essen habe ich möglicherweise nicht mehr die Kraft dazu. Außerdem möchte ich deine Beine sehen, zumindest das, was zu sehen ist, das sieht so geil aus..."

Er führte sie zur Tanzfläche und zog sie an sich. Die Band, ja das war wirklich ein vornehmer Schuppen mit Band, fing gerade an zu spielen, und die Sängerin sang leise und einschmeichelnd: ‚Nobody does it better –nobody does it half as good as you...’

Wirklich passende Musik, dachte Lilah, schmiegte sich enger an Spike... und fragte ihn nach seiner Meinung über Strapse.

Das andere Pärchen, das an einem anderen Tisch des Ocean’s Club saß, wurde allmählich aufmerksam auf die Tanzenden.

"Ich traue meinen Augen nicht. Das kann doch nicht wahr sein!" sagte der Mann fassungslos.

"Sie ist es! Wirklich! Ist sie kleiner als früher?" sagte die Frau.

"Jaja, aber eigentlich meinte ich ihn."

"Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Kennst du ihn?"

"Und ob ich den kenne! Was haben die beiden zusammen zu schaffen?"

"Sie sehen jedenfalls aus, als ob sie sich gerade was schweinisch Biologisches erzählen. Schau, wie er mit den Händen ihre Oberschenkel streichelt. Oh, jetzt weiß ich, wer..."

"Sie wird ja rot. Das habe ich noch nie gesehen. Bei ihr!"

Spike und Lilah kamen nach einer langsamen Drehung genau vor diesem Pärchen zum Stehen, und zwar so, dass Spike genau in die Augen des Mannes blickte.

"Hallo Angel", sagte er nach kurzem Zögern.

"Hallo Spike", sagte Angel grimmig, der immer noch nicht wusste, wie er die Situation einschätzen sollte. Also, anscheinend war Spike kein Vampir mehr, Angel hätte die Präsenz eines anderen Vampirs sofort gespürt, und diese Nichtpräsenz fand er beunruhigend, denn eigentlich hätte doch er, Angel, zum Menschen werden sollen. Oder? Außerdem fühlte er noch etwas anderes. Und dieses hatte er bis jetzt erst bei zwei Menschen gefühlt, nämlich bei Buffy und bei Faith. Das Jägerinnen-Gefühl?! Wie konnte das gehen?

"Du brauchst keine Angst um dein Shampoo haben oder wie das heißt", meinte Spike, der mit Lilah vor Angels Tisch stehen geblieben war und der natürlich genau wusste ,dass es Shanshu hieß, weil Lilah es ihm erzählt hatte, anzüglich zu Angel. "Bei mir war es ein Versehen und nicht die Erfüllung einer Prophezeiung."

"Ach ja?"

"Du weißt doch, Buffy kommt zu dir zurück", Spike konnte es sich nicht verkneifen, "und du hast doch so viel Zeit zum Warten..."

Treffer!!!

Angels Begleiterin, Spike hatte so in Erinnerung, dass es Cordelia war, zuckte zusammen, zog ein saures Gesicht und wandte sich verletzt von Angel ab.

"Ich nehme es dir auch nicht mehr übel", Spike musste auch dies sagen, obwohl Cordelia offenkundig Seelenqualen litt, "dass sie DICH liebt. Du hast gewonnen. Viel Spaß!"

Angel litt offenkundig auch Qualen und wünschte, dass Spike ihm seine Verzeihung unter etwas anderen Umständen mitgeteilt hätte, vielleicht unter anderen Umständen, bei denen Cordelia nicht dabei war.

Spike überreichte Angel seine Visitenkarte – Lilah hatte ihm freundlicherweise welche entworfen und ausgedruckt – mit der Bemerkung: "Wenn du mich mal brauchst..."

"Hast du sein Gesicht gesehen?" flüsterte Spike Lilah unauffällig zu, während sie an ihren Tisch zurückkehrten.

"Das war göttlich!" sagte Lilah befriedigt. "Begegnung der dritten Art!"

Sie verspeisten ein wunderbares Mahl, guckten sich verliebt an und waren äußerst zufrieden mit sich. Spike weil er seinem früheren Nebenbuhler so richtig Unannehmlichkeiten bereitet hatte, und Lilah, weil er ihrem früheren Todfeind so richtig Unannehmlichkeiten bereitet hatte.

 

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Die Tournee rückte näher. Mitte Januar sollte sie beginnen.

Lilah war verzweifelt.

Sie wollte mit auf die Tournee. Nur wusste sie nicht, wie sie das anstellen sollte. Keiner von den Jungs erwähnte, dass sie mitkommen sollte. Aber sie konnte Spike auf keinen Fall weggehen lassen, nein es lief gerade so gut, es war der Anfang von... , egal von was, und sie wollte nicht riskieren, dass er sie auf der Tournee vergaß. Es konnte so viel passieren, Groupies vielleicht oder wieder so ein vollbusiges Tittenmonster, sechs Wochen waren eine lange Zeit. Und die konnte sie nicht tatenlos hier verbringen und darauf warten, WIE er zurückkommen würde.

Lilah begann vorsichtig, die anderen Mitglieder der Band zu umgarnen, sie nach ihren Neigungen auszufragen und nach ihren Absichten. Sie wollte sie auf ihre Seite bringen. Sie sollten für sie sprechen.

Bronson war leicht zufrieden zustellen. Lilah ging mit ihm einkaufen, um ihm ein paar standesgemäße Klamotten zu besorgen. Bronson hatte noch nie soviel Geld wie jetzt gehabt – nämlich durch den Verkauf der CD und durch den Job im E-body, wo er nebenbei noch frei-saufen hatte, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Nach ihrem Stadtbummel war Bronson nicht wiederzuerkennen. Er hatte jetzt eine lässige Eleganz, die ihm vorher niemand zugetraut hätte.

Und er war Lilah sehr dankbar für ihre Beratung und war auch geneigt, ein Wort für sie einzulegen in Bezug auf die Tournee. Außerdem half Lilah ihm manchmal, seine Verse wieder auf Hochglanz zu bringen. Zum Beispiel sein im Versmaß etwas holpriges Gedicht, das nur den Vokal ‚a’ beinhaltete – Alliteration wurde diese Kunstform genannt:

 

Harald, das war Annas Mann

trank am Samstag mal acht Alt

alsdann gab Harald ganz stark an

das gab Krawall am Samstag bald

danach macht Harald Anna kalt...

 

Tja, und das war’s dann schon.

Lilah machte folgenden Vorschlag zur Weiterführung:

 

Nach Staatsanwalt kam Haftantrag...

 

"Das ist guuuut", meinte Bronson begeistert und schöpfte wieder Hoffnung auf eine Karriere als neuer Francois Villon.

Bei Snikkers rannte sie sowieso offene Türen ein. Er war ein wenig verliebt in Lilah, und Lilah hielt ihn für ihren besten Freund, nach Spike natürlich.

Casio. Was konnte sie Casio bieten? Sie erinnerte sich an sein Gejammer über nicht oder nur teilweise funktionierende DOS-Spiele, insbesondere erinnerte sie sich an sein Gejammer über die fehlende Musik bei Simcity2000. Lilah hatte nun die zündende Idee, sich die Musik, wenn sie schon im Spiel nicht lief, im Internet separat zu beschaffen. Auf ihr Anraten also ging Casio auf die Seite von Simcity2000, und oh Wunder: es gab verschiedene Midi-Dateien, die man sich herunterladen konnte, und alsbald erklang Casios Lieblingsstück, nämlich das schwermütige Gequäke einer sich in der Depression befindenden Stadt. Casio weinte fast vor Glück und war dementsprechend geneigt, ein Wort für sie einzulegen in Bezug auf die Tournee.

Porterhouse war ein verdammt harter Brocken. Er war immer noch so unzugänglich wie am Anfang ihrer Bekanntschaft. Lilah betrachtete seine mittlerweile schon recht zerschlissene Fliegerjacke aus dem ersten Weltkrieg – und ersteigerte bei ebay eine nicht ganz so zerschlissene deutsche Fliegerjacke, Modell Roter Baron, die sie Porterhouse schenkte, allerdings ohne ihm zu sagen, dass sie frisch ersteigert war. Nein, Lilah gab vor, sie hätte sie vor Jahren von einer Freundin gekauft und nie die Gelegenheit gehabt, sie zu tragen. Wäre auch nicht ganz ihr Stil. Porterhouse taute merklich auf, und Lilah gewann auch ihn als Fürsprecher. Wunderbare Jacke übrigens, hinten in der Taille leicht gekräuselt. Passte wie für Porterhouse gemacht, und er sah wirklich hinreißend darin aus.

Spike beobachtete Lilahs Bemühungen amüsiert, denn er hatte sie sofort durchschaut. Eigentlich hatten alle von Anfang an vorgehabt, sie mitzunehmen, denn sie sang (sprach) ja schließlich ‚Homecoming’, aber wenn sie sich durchaus anstrengen wollte – das war wirklich kein Problem!

Außerdem fand er die Jacke von Porterhouse total geil und orderte sich auch eine, nachdem Lilah ihm angedeutet hatte, wo man so etwas kaufen könnte.

 

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Weihnachten war nicht gerade Sache der Jungs. Spikes und Lilahs Sache übrigens auch nicht. Was also tat man? Das E-body war der Heimathafen der Weihnachtslosen, die das Pech (oder das Glück) hatten, nicht über eine Familie zu verfügen.

Also traf man sich im E-body, das festlich geschmückt war. Tannengirlanden mit winzigen elektrischen Kerzen wanden sich um die Deckenbalken des E-Body, das war das Werk der schwedischen Maja, und auf jedem Tisch stand ein Teller mit Keksen und diesen eigentlich ungenießbaren getrockneten Feigen.

Kurz gesagt, es war saumäßig gemütlich.

Spike und Lilah trugen fast die gleiche Kleidung wie vor zwei Wochen, als sie im Ocean’s Club auf Angel und Cordelia stießen, und sie wurden freudig von den Jungs begrüßt.

Der Unterschied zum Ocean’s Club war, dass Lilah aus, wie wir weiter sehen werden, praktischen Gründen ein Röckchen trug, ein sehr bequemes niedliches schwarzes Tennisröckchen und dazu ein kurzes weißes Oberteil, aber das ist unwesentlich oder?

Es war mittlerweile klar, dass sie ein Paar waren, und auch das wurde freudig von den Jungs begrüßt, außer von Snikkers vielleicht.

Gottseidank machte man im E-body nicht viel Aufsehens von den Jungs, obwohl sie jetzt ja ziemlich berühmt waren, und das lag wahrscheinlich am doch etwas älteren Publikum, nein nicht die Berühmtheit der Jungs, sondern ein gewisses Desinteresse an den Jungs.

Es wurde geknobelt. Bronson hatte das Glück, im E-body arbeiten zu dürfen, denn der Wirt wollte sich mal wieder seiner Frau Maja widmen. Das bedeutete, Bronson konnte beim Knobeln soviel verlieren, wie er wollte, es kostete ihn keinen Cent.

Lilah saß in der hinteren Ecke der Bank leicht an Spike gelehnt. Sie war wohl als einzige total nüchtern, denn sie trank nur den alkoholfreien Weihnachtspunsch, den das E-body im Angebot hatte. Sie war nämlich immer noch glücklich und brauchte deswegen keinen Alkohol. Sie trug fast die gleichen Sachen wie im Ocean’s Club, also auch die Strapse. Und den Slip, der im Schritt frei war... Sie rutschte tiefer in die Bank und lehnte ihre Knie an die Theke, so wie man es manchmal im Kino macht, wenn man auf normale Art und Weise nicht mehr sitzen kann und sich am Sitz vor einem mit den Knien abstützt.

Das gab ihr ein wahnsinnig erotisches Gefühl, und sie spreizte ihre Beine ein wenig. Gott sei Dank war die Bank an ihrer Seite mit einer Holzwand verrammelt und verriegelt, so dass keiner ihre Beine, zumindest von dieser Seite aus sehen konnte. Und an der anderen Seite war ja Spike...

Spike war auch verdammt glücklich, der Alkohol erhöhte sein Glück noch etwas und die Tatsache, dass er wieder beim Schocken gewann, sowieso. Ferner die Tatsache, dass Lilah ihre Beine so lasziv gespreizt hatte. Was für ein Glück er hatte! Nach dem nächsten Schock-aus, der das laufende Spiel entschied, wandte er sich nach links und Lilah zu, verdeckte mit seinem Körper unauffällig die Sicht auf sie beide und fuhr mit einer rechten Hand unter ihrem in der Luft hängenden Bein durch – unter ihren Rock und bedeckte ihren Venushügel mit seiner Hand. Dann küsste er Lilah. Küssen? Er drang mit seiner Zunge in ihren Mund ein, tief ein und ließ seine Zunge einfach dort stehen als Zeichen seiner Erregung und seines Begehrens – tief in ihrem Mund, bis sie nach Luft schnappte.

Dann spürte sie einen Finger von ihm in ihr. Sie guckte ihn an fasziniert an wie ein hypnotisiertes Kaninchen.

"Sollen wir’s nach Porterhouse-Art treiben?" Spikes Stimme alleine war schon einen Orgasmus wert.

"Wie Mister Minuteman?"

Gutes Wortspiel. Es charakterisierte Porterhouse so als Mittelding zwischen einer Interkontinentalrakete und einer Minute. Irgendwie.

"Hey, das ist gut", Spike war begeistert, er löste sich aus Lilah und aus der Bank, sagte kurz zu seinen Mitspielern: "Bin gleich wieder da", und Lilah folgte ihm immer noch wie hypnotisiert nach draußen. Unter dem Grinsen der Mitspieler.

Draußen fasste Spike sie an der Hand und führte sie zu einer steinernen Bank, die ein wenig versteckt auf dem großen Parkplatz des E-body lag. Lilah hatte das Gefühl, kaum laufen zu können, ihre Weiblichkeit war so schwer geworden, dass sie meinte, aus nichts anderem zu bestehen als aus Verlangen nach Spike...

Er setzte sich auf die Bank "Wie Mister Minuteman?" ...und öffnete den Reißverschluss seiner Jeans.

Lilah nickte wie betäubt.

Sie zog ihren Rock hoch, da war nicht viel hochzuziehen bei diesem kurzen Rock, spreizte ihre Beine und setzte sich auf Spikes Schoß, das Gesicht ihm zugewandt. Gesegnet seien die im Schritt freien Slips....

Er drang so leicht in sie ein, dass sie es fast schon als Wunder empfand. War aber keins, weil sie so feucht geworden war.

Er schob beide Hände unter ihr Spitzentop, sie trug keinen BH, und fing an ihre Brüste zu massieren, ja ihre Brüste, nicht ihre Brustwarzen. Immer um das Zentrum ihrer Brustwarzen herum. Sie wand sich wie eine Schlange, um seine Hände auf ihren Brustwarzen zu spüren, aber es gelang ihr nicht.

"Wie Mister Minuteman?" fragte er keuchend.

"Oh ja!" Lilah keuchte mittlerweile auch, er hielt ihre Hüften fest und stieß in sie hinein. Dann endlich berührte er ihre Brustwarzen, streifte eigentlich nur zart darüber.

"Spike...", hörte sich Lilah sagen, aber es war schon zu spät. Er explodierte in ihr... und sie explodierte mit ihm in ihr. Keuchend. Fast schon schreiend.

"Lilah...", flüsterte er, unfähig mehr zu sagen.

"Hmmm", stöhnte Lilah und atmete schwer.

"Meine Fresse!" sagte Spike verwundert. Er machte keinerlei Anstalten, sich aus ihr zu entfernen.

"Wir sollten wieder reingehen", sagte Lilah nach einer Weile, als sie wieder normal atmen konnte. "Die machen sich bestimmt schon Sorgen um uns."

"Klar", sagte Spike, löste sich aus ihrer engen Umarmung, schob sie von sich herunter und... reichte ihr ein Papiertaschentuch.

Er ist wirklich auf alles vorbereitet, dachte Lilah. Sie hoffte nur, dass sie die erste und einzige war, mit der er es hier getrieben hatte.

Er nahm sie bei der Hand und küsste sie zärtlich auf die Stirn, und so geläutert betraten sie das E-body, wo Spike schon ungeduldig erwartetet wurde zur neuen Knobelrunde – die anderen hatten schon gewürfelt. Spike knallte seinen Becher auf die Theke und hob ihn hoch. Er hatte drei Einsen. Schock-aus im ersten Wurf!

Weihnachten ist schon was Schönes. Vor allem, wenn man keine Verwandten erwartet, für die man großartig kochen muss, und die, wenn man sie selber besucht, möglicherweise etwas Ungenießbares kochen, was schon an Körperverletzung grenzt.

Nein, Weihnachten ist schon etwas Schönes, wenn man den ganzen Tag im Bett liegen kann, eng aneinander gekuschelt, wenn man nur Menschen erwartet, die vielleicht keine Verwandten sind, die man aber dennoch oder vielleicht gerade deswegen mag – und die für einen etwas kochen, was sogar schmeckt. Bronson kochte halt ausgezeichnet.

 

 

Ende Teil 10  GONE WITH THE DEATH?  © Ingrid Grote 2003

 

 

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