GONE WITH THE DEATH?
Teil 3
In the forest, in the
snow
All those many years ago
Pale stones and epitaphs
Morning bells an half mast
flags
In the cemetery where they
fell
Many years ago
And now it's just a memory
Eroded by the years
In the forest, in the snow
All those many years ago
Bombed-out victims blown
sky high
Buried where they lie
A Generation underground
Wrinkled faces gather round
Songs will never bring them
back
Verfluchte Träume. die würden ihn wohl immer
heimsuchen. Auch seine Opfer lagen auf Friedhöfen unter blassen Grabsteinen,
auch seine Opfer waren nur noch eine Erinnerung, zerfressen von der Zeit. Aber
er, Spike musste sich immer wieder an sie erinnern – es würde nie ein Ende
nehmen. Er hatte so viele Leben ausgelöscht, die Linien der Generationen
unterbrochen wie ein kleiner Krieg es getan hätte.
A Generation
underground – Songs will never bring them back. Oh Gott….
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Los Angeles gefiel ihm irgendwie. War zwar ein
bisschen warm hier, aber in Sunnydale war es auch nicht kühler gewesen, und er
hatte immerhin mehrere Jahre dort verbracht.
Er hatte sich mittlerweile ein Auto zugelegt, einen
großen Van, der schon dafür ausgelegt war, die Band irgendwohin zu
transportieren, und er unternahm Ausflüge mit dem Van, um sich die Gegend um
L.A. anzuschauen. Nur mit dem Proberaum, das würde Probleme geben, denn er
hatte bisher nichts passendes gefunden.
Zum Termin bei W&H kam Spike nur um eine halbe
Stunde zu spät, die sollten auf keinen Fall denken, sie hätten ihn schon fest
im Sack, das wär’ ja noch schöner...
Wieder ließ ihn der dämonische Reinlasser
anstandslos passieren, wieder geleitete man ihn recht flott in die Gemächer der
Chefetage, wo sich ihm alsbald der leitende Typ zuwandte und ihm wieder die
Hand reichen wollte, was Spike generös wie beim erstenmal übersah. Verlegen zog
der Typ seine Hand zurück. Wieder....
Spike nahm Platz und schaute Watson schweigend an.
"Mr. Castaway, wie geht es Ihnen? "
"Solala", brummte
Spike.
"Gut, das freut mich. Wir haben in der
Zwischenzeit alles geregelt, was von Wichtigkeit für Sie wäre." Watson
kramte in einer Mappe und holte einige Papiere heraus.
"Dies ist Ihr Führerschein. Und dies ihr Pass.
Er lautet auf den Namen Bill Castaway", Watson räusperte sich. "Nun
zu Ihrer Identität. Sie sind Professor der englischen Geschichte, bevorzugt des
19. beziehungsweise des 20. Jahrhunderts. Sie haben in Portsmouth studiert. Wir
haben ihre Daten einer äääh.. anderen Person entnommen, die verstorben ist, und
die ääääh.. auch keine Verwandten mehr in England hat."
"Hhmmm, warum nicht Oxford oder
Cambridge?" Spike setzte ein unverschämtes Grinsen auf. "Wo ich schon
Professor bin..."
"Übertreiben Sie es nicht, Mr. Castaway. Ich
meine, wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, um Ihre Identität, ja
wie soll ich sagen... sicherzustellen. Die letzten sechs Jahre haben Sie in
Sunnydale verbracht und dort am College Englische Geschichte gelehrt. Da Sunnydale
jetzt nur noch ein Riesenkrater ist, sind natürlich alle Unterlagen und
Computerdaten vernichtet worden."
"Mit Geschichte kenne ich mich aus",
meinte Spike sarkastisch, "und vielleicht werde ich irgendwann wieder
Geschichte lehren... "
"Warum nicht, Mr. Castaway... Allerdings haben
Sie nicht viel Praxis, denn die meiste Zeit in Sunnydale waren Sie kränklich
und haben keinen Unterricht erteilt. Wir mussten nämlich sicherstellen, dass
NICHT irgendwelche Studenten aus Sunnydale sich NICHT an Sie erinnern können.
Oh war das jetzt richtig? Sie wissen schon, was ich meine, nicht wahr?"
"Klar... Kränklich? Oh ja, das stimmt,
irgendwie war ich kränklich. Nun gut. Ich habe jetzt allerdings noch ein
Problem mit meiner Unterkunft. Ich brauche unbedingt ein Haus mit einem
Proberaum. Zum Üben, wissen Sie." Spike lümmelte sich provozierend auf
seinem Stuhl herum.
"Oh, ich glaube, Mr. Castaway, da haben wir
etwas für Sie. Sie sollten wissen, dass eine große Firma wie W&H auch
eigene Wohnungen und Häuser besitzt. Ich habe mir nun erlaubt, etwas passendes
für sie auszusuchen. Hier ist die Adresse des Objekts, und hier sind auch die
Schlüssel."
"Kaum gesagt, schon erfüllt. Sie erstaunen
mich wirklich, Mr. Watson." brummelte Spike.
Watson fuhr fort: "Und hier sind die Unterlagen
von ihrem Bankkonto, ferner Kreditkarten und so weiter.... "
"Ich muss im Himmel sein", sagte Spike,
alias Bill Castaway, seines Zeichens Professor der englischen Geschichte mit
Schwerpunkt neunzehntes beziehungsweise zwanzigstes Jahrhundert, mit Studium an
der Universität von Portsmouth in Großbritannien. Und im Besitz von diversen
Kreditkarten.
"Außerdem", unterbrach Watson Spikes
Gedanken, "gebe ich Ihnen hier die Adresse eines Tonstudios. Sie müssen
dann nur noch einen Termin ausmachen, wenn Sie zum Beispiel eine CD produzieren
lassen wollen... Wir von W&H haben übrigens ausgezeichnete Beziehungen zu
allen Radiosendern in den Vereinigten Staaten..."
"Oh Gott, das ist einfach...", Spike riss
sich mit großer Anstrengung zusammen, um seine Aufregung nicht allzu
offenkundig zu zeigen, denn er wollte sich vor diesem arroganten Schnösel keine
gefühlsmäßige Blöße geben, "nett, ja das ist wirklich... nett von
Ihnen."
"Keine
Ursache, Mr. Castaway. Wir sind immer
für Sie da, falls Sie mal ein Problem haben sollten."
Spike unterdrückte die Eile, mit der er alle
Unterlagen an sich raffen wollte, packte stattdessen alles mit gebührender
Gründlichkeit ein, erhob sich langsam und verließ gemessenen Schrittes das
Büro, nicht ohne Mister Watson noch einen ‚Schönen Tag’ gewünscht zu haben.
Sobald er allerdings aus der Tür heraus war, rannte
er fast in Richtung Ausgang, als hätte er Angst, man könnte ihm alles wieder
wegnehmen.
Tatsache war, er HATTE Angst, man könnte ihm alles
wieder wegnehmen!
Wie eine Woche zuvor ertönte aus dem Nebenraum die
träge Stimme: "Wird er jetzt ins Hotel gehen?"
"Vielleicht sofort, vielleicht später. Es ist
bedeutungslos. Wir werden dafür sorgen, dass alles so passiert wie
vorgesehen."
"Er fühlt sich doch mit Sicherheit sehr
einsam", spottete die unangenehme Stimme im Hintergrund.
"Oh ja, die Konditionierung hat gut
angeschlagen... Übrigens haben wir die Prophezeiung übersetzen können. Es war
recht schwierig, denn es handelt sich um eine ausgestorbene Sprache, und die spricht
bekanntlich keiner..."
"Schön, lassen sie mal sehen!" wurde
Watson von der unangenehmen Stimme unterbrochen.
Papier raschelte und kurze Zeit später ertönte ein
Ächzen. Eine Stimme las stockend vor:
Namen sind nicht
Schall und Rauch
Der Sohn des Jägers stark
Auch die Tochter des Jägers
Der König und die Fee
Nie zusammenliegen sollten sie
Niemals wiederholen sollte sich:
listiger Rat, die Macht des Bösen
Wäre des Bösen lang
"Was zum Teufel soll das bedeuten? Was ist
denn das für ein Mist! Die Experten sollen sich, verdammt noch mal, schlau
machen! Haben Sie das verstanden!?" keifte die unangenehme Stimme laut vor
sich hin.
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Spike erreichte schnell seinen Wagen, den er direkt
vor dem Gebäude von W&H geparkthatte, inspizierte kurz die Adresse, die auf
den Zettel stand, den er erhalten hatte und fuhr sofort los in Richtung Berge.
Das Haus lag natürlich nicht in Beverly Hills,
geschweige denn Bel Air, aber dennoch in einer ansprechenden Wohngegend und war
nicht schwer zu finden. Die Hausnummern waren auf den Briefkästen an der
Hauptstraße zu sehen. Alle Häuser hatten lange Zufahrtswege, und man konnte sie
von der Hauptstraße aus nicht sehen.
Spike hatte nicht übel Lust, sesshaft zu werden.
Nach über einhundertzwanzig Jahren ohne festen Wohnsitz, ausgenommen natürlich
die vier bis fünf Jahre in Sunnydale, wo er unfreiwillig geübt hatte, war es
vielleicht an der Zeit, sesshaft zu werden. Was natürlich abhängig war von der
Höhe des Bankkontos, welches W&H ihm zur Verfügung stellen würden. Mit der
Band konnten sie nichts verdienen, das war ein reiner Spaß. Die Chancen waren
so niedrig, mit 'ner Band irgendeine Art von Erfolg zu haben, dass ein
Lotteriegewinn sehr viel wahrscheinlicher war.
Das Haus lag genau zwischen L.A. und den Bergen.
Richtung Berge wurde die Bebauung allmählich spärlicher und hörte dann fast
ganz auf. Es hatte keine direkten Nachbarn und wenn, dann über hundertfünfzig
Meter entfernt, was Spike als zukünftigen Hausbewohner schwer erfreute, denn er
wollte kein überflüssiges Aufsehen erregen, wenn die Band anfing zu üben.
Das Haus hatte dicke Natursteinmauern, eine
Seltenheit in und um L.A., zumindest in der mittleren Preisklasse, und es würde
drinnen wunderschön kühl sein. Es erinnerte ihn von außen an ein Häuschen auf
dem Lande in der Grafschaft Sussex in seiner ursprünglichen Heimat England.
Spike nahm den Schlüssel und steckte ihn in das
Schloss.
Es war drinnen wunderschön kühl.
Es war nicht allzu schwülstig eingerichtet. Man kam
sofort wie in amerikanischen Häusern üblich in den großen Wohnraum. Weiter
hinten gab es eine Küchenzeile mit einem großen Gasherd (Butan/Propangas?) als
Mittelpunkt, und eine gewundene Treppe führte nach oben, wo sich zwei
Schlafräume mit großen breiten Betten und Fernsehern, noch ein Klo und das
Badezimmer befanden.
Verdammt – es erinnerte ihn von innen irgendwie an
das Haus der Familie Bundy. Sogar der Fernseher stand dort, wo er im Bundy-Haus
gestanden hatte. Und das Sofa natürlich auch. Sein Haus, Spike musste lachen –
jetzt war es schon sein Haus – war nur etwas größer, besser und außerdem
geschmackvoller eingerichtet und vor allem ohne diese ätzende Nachbarin Marcy
Darcy.
Neben der Küchenzeile führte eine Tür hinaus auf
eine verglaste Veranda, die am Hause angebaut war, es gab bequeme große
Rattansofas und niedrige Tische – ein idealer Platz, um bei Regen rumzuhängen.
Schade, dass es in Kalifornien so selten regnete, außer im Winter vielleicht.
Spike vermisste den leisen samtigen englischen Regen immer noch, obwohl er
jetzt schon eine halbe Ewigkeit in Amerika war. Von der Veranda aus erreichte
man durch eine Glasschiebetür den Garten hinter dem Haus. Er war bewachsen mit
dichtem immergrünen Kirschlorbeer, und mit dickem bunten Kies belegte Wege
führten durch das grüne Labyrinth. Kein Rasen.
Gott sei Dank, kein Rasen, absolut pflegeleicht,
dachte Spike.
Das Haus war verdammt gut und fast schon zu gut.
Was können die von mir wollen, dachte er Ach was, was können die schon groß von
mir wollen, dachte er weiter.
Und das Haus hatte einen großen Keller, wiederum
eine Seltenheit in L.A. und Umgebung, und der Keller flehte Spike förmlich an,
ihn als Proberaum zu benutzen.
Punktum. Er fühlte sich sofort hier zuhause.
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Eigentlich hatte er über Nacht in seinem Haus
bleiben wollen, aber da waren noch einige Sachen im Hotel, die er abholen
wollte, und morgen war ja auch noch eine Nacht.
Nach einer Weile korrigierte er sich: Morgen war ja
auch noch ein TAG. So musste er es jetzt wohl nennen.
Er parkte den Van auf dem hoteleigenen Parkplatz,
der sich nicht direkt in der Nähe des Hotels befand, und schlenderte langsam in
Gedanken versunken durch die dunkle, menschenleere Gasse.
Plötzlich hörte er ein leises Wimmern.
Es hörte sich an wie eine Katze, und er konnte das
Geräusch nicht genau lokalisieren, bis er plötzlich mit seinen jetzt
sensibilisierten Augen ein fast hinter einem Müllcontainer verborgenes dunkles
Bündel erblickte.
Wieder ertönte das Wimmern.
Vorsichtig trat er näher, immer noch gefasst auf
einen Überfall, eine Falle, oder etwas ähnliches.
Es war eine Frau.
Sie musste ohnmächtig sein, denn sie reagierte
nicht auf seine vorsichtigen Worte: "Haben Sie keine Angst, ich will Ihnen
nur helfen."
Sie sah arg zerschunden aus, Blut lief ihr aus
einer Wunde auf der Stirn übers Gesicht, es war am Kinn schon geronnen, sie
hatte zahlreiche Schrammen im Gesicht, und ihr rechter Unterarm stand in einem
unnatürlichen Winkel vom Körper ab. War höchstwahrscheinlich gebrochen. Oder
ausgerenkt.
Was zum Teufel sollte er tun? Ein Telefon war nicht
in der Nähe, ein Handy hatte er nicht, und es war wie gesagt dunkel und
menschenleer in der Gasse.
Er entschloss sich, sie die paar Meter zum Hotel zu
tragen. Mit großer Behutsamkeit wegen des wahrscheinlich gebrochenen Arms hob
er sie hoch – sie war nicht sehr schwer – und trug sie bis in die Rezeption
seines Hotels.
"Rufen Sie sofort einen Arzt an", befahl
er dem Nachtportier gebieterisch. "Ich bringe sie in mein Zimmer."
Der eingeschüchterte Nachtportier stellte auch
keine Fragen, rief sofort den für das Hotel zuständigen Arzt an und wies ihn
an, sofort zu kommen..
Spike hatte die Frau auf sein Bett gelegt und
betrachtete sie nachdenklich. Sie war immer noch bewusstlos und stöhnte leise.
Er konnte nicht erkennen, ob sie hübsch oder hässlich war, das einzige was er
sah, war ihr wundervolles dunkelbraunes Haar, mit Goldreflexen, die entweder
das Produkt einer teuren Frisörsalonsitzung waren oder reine Natur. Jedenfalls
sahen die Haare sehr gepflegt aus.
Der Arzt kam, Spike zog sich zurück, setzte sich
auf den einzigen Sessel in seinem Zimmer und beobachtete, was der Arzt tat.
"Sie hat wahrscheinlich eine leichte
Gehirnerschütterung", stellte der Arzt fest und fuhr fort: "Das
heißt, sie braucht in den nächsten Tagen viel Ruhe. Eigentlich müsste sie in
ein Krankenhaus."
"Es ist eine Bekannte von mir." Die Worte
entschlüpften Spike, ohne dass er es wollte, und niemand war darüber
verwunderter als er selbst...
"Wenn Sie garantieren, dass sie viel Ruhe in
den nächsten Tagen hat, könnte sie natürlich hier bleiben", meinte der
Arzt. "Das mit dem Arm ist vermutlich nicht so schlimm. Ich werde ihr
sofort eine Schiene anlegen. Und sie sollten morgen in ein Krankenhaus gehen
und sie röntgen lassen."
"Sie werden doch öfter vorbeikommen und nach
ihr sehen?" frage Spike nach, denn er hatte jetzt doch Zweifel bekommen,
ob es das war, was er wollte.
"Ich werde natürlich jeden Tag nach ihr sehen,
wenn Sie Wert drauf legen. Hat sie eine Krankenversicherung?"
"Oh, das weiß ich nicht. Aber zur Not werde
ich die Behandlung in bar bezahlen. Wie viel bekommen Sie?" Spike wollte
ihn schnell loswerden aus was für Gründen auch immer.
Man einigte sich schnell, und nachdem der Arzt die
Schiene und den Verband angelegt hatte, war Spike froh, ihn endlich
verschwinden zu sehen.
Er wollte mit der Frau alleine sein. Was für ein
seltsames Bedürfnis...
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Als der Arzt endlich weg war, ging Spike ins
Badezimmer, feuchtete mehrere Kleenex-Tücher an und setzte sich auf das Bett,
auf dem die immer noch bewusstlose Frau lag.
Langsam, fast zärtlich begann er, ihr das Gesicht
mit den feuchten Tüchern abzuwischen. Ein Tuch nach dem anderen wurde
verbraucht. Geronnenes Blut, frisches Blut wurde abgewischt, und Spike
erkannte, dass er eine wahre Schönheit vor sich hatte. Einen wahrhaftigen
Botticelli-Engel, allerdings nicht mit diesen ekelhaft goldblonden Löckchen –
Spike fand nichts unvorteilhafter als karottengelbes Haar, das passte zu keinem
Taint – sondern mit diesem sonnendurchfluteten dunkelbraunen Haar.
Der Mund allerdings war Botticelli-like. Nicht zu
klein, aber auch nicht zu groß, Spike hasste diese mit Silicon aufgespritzten
Lippen. Die Mädels sahen damit aus, als wären sie von Hornissen gestochen
worden und hätten danach allergische Schwellungen bekommen.
Die Augen? Soweit er sehen konnte, waren sie schräg
angelegt, und sie waren mit Sicherheit keine riesig großen Mausmaki-Augen
(Mausmaki, der kleinste der Primaten). Welche Farbe hatten sie wohl?
Hoffentlich keine braunen... Spike hatte natürlich nichts gegen braune Augen.
Die Jägerin hatte wohl die schönsten braunen Augen auf der Welt gehabt,
gesprenkelt mit grün und blau, aber Spikes Bedarf an braunen, grün und blau
gesprenkelten Augen war nachhaltig gedeckt.
Die Beine? Spektakulär! Die Proportionen stimmten,
die Knie waren nicht knubbelig. Wer hatte mal gesagt, die Knie wären das
Hässlichste an einer Frau? Mit Sicherheit irgendein schwuler Modeschöpfer.
Sie trug einen kniebedeckten engen dunklen Rock und
ein ärmelloses brombeerfarbenes Top aus Spitzen.
Die Arme? Bitte Spike, alter Junge, werd’ jetzt
nicht unerbittlich, ermahnte er sich. Diese Frau ist doch schon vollkommen!
Aber die Arme waren schon wichtig... Spike hatte
ein Faible für perfekte Arme, sei es bei Männern, sei es bei Frauen. Er mochte
es zum Beispiel nicht, wenn Männer dicke Arme ohne erkennbare Muskeln hatten.
Sie mochten zwar stark sein wie ein Preisboxer auf der Kirmes, aber sie sahen
scheiße aus. Und er mochte auch bei Frauen Muskeln, sie sollten allerdings nur
angedeutet sein, es sollten keine Muckibuden-Muskeln sein, die meistens
dahergingen mit einem Brustmuskel, der mit einer Frauenbrust nichts mehr zu tun
hatte – sie sollten einfach nur schön sein.
Sie hatte die perfekten Arme!
Sie war bestimmt total blöde und arrogant.
Spike hatte die über hundert Jahre alte Erfahrung
gemacht, dass wirklich schöne Frauen es nicht nötig hatten, irgendwas für ihren
Intellekt zu tun, geschweige denn etwas für die Nettigkeit gegenüber ihren
Mitmenschen. Sie hatten es ja auch nicht nötig. Sie waren schön...
Spike hatte außerdem die über hundert Jahre alte
Erfahrung gemacht, dass hässliche oder besser gesagt, nicht dem aktuellen
Schönheitstrend entsprechende Frauen, viel netter und interessanter waren als
die wirklich schönen Frauen. Was würde also passieren, wenn eine hässliche oder
besser gesagt eine nicht dem aktuellen Schönheitstrend entsprechende Frau durch
einen Zauber oder durch die neuesten medizinischen Errungenschaften plötzlich
schön würde? Würde aus ihr sofort eine wirklich schöne Frau werden, die es
nicht nötig hatte, irgend etwas für ihren Verstand zu tun, geschweige denn
irgend etwas für die Nettigkeit gegenüber ihren Mitmenschen? Vielleicht nicht
sofort. Aber irgendwann würde sie merken, dass sie es nicht mehr nötig hatte,
sich bei anderen einzuschmeicheln...
Andererseits liebte er arrogante Frauen.
Außerdem hatte sie eine wunderschöne Haut,
cremefarben und makellos. Sie sah aus, als wäre so um die 30, na ja höchstens
Anfang 30, also kein junges Mädchen mehr. Gut, von denen hatte er sowieso die
Nase voll.
Er merkte nicht, dass sie aufgewacht war und ihn
kurz ansah. Ein Funke von Wissen trat in ihre Augen, bevor sie sie wieder
schloss.
"Ich kenne Dich", flüsterte sie heiser.
"Du bist Spike. Sie haben dich auch
zurückgeholt..."
"Ich kenne DICH aber nicht", murmelte er
müde, er ließ sich auf die andere Seite des Bettes fallen, legte sich hinter
sie und hielt sie für den Rest der Nacht ganz leicht im Arm. Sie passten
ineinander wie zwei Esslöffel, und er hatte immer noch nicht die Farbe ihrer
Augen gesehen. War auch egal.
Keine Lieder diesmal – auch keine Träume.
Ende
Teil 3
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Teil
4
Er erwachte aus seinem traumlosen Schlaf, und er
hatte das Gefühl, als fehlte ihm etwas. Er lag ganz allein auf dem Bett. War
sie weg?
Nein, sie kam aus dem Badezimmer, sah ihn etwas
verlegen an und zupfte an ihrem Armverband herum.
"Sie wundern sich bestimmt darüber, dass ich
Sie kenne", sagte sie mit einer nicht zu tiefen angenehmen Stimme.
Stimme! Das hatte er vergessen. Stimmen sind auch
gut. Die Jägerin hatte eine etwas quäkige, piepsige Stimme gehabt, eine
amerikanisch quäkige, piepsige Stimme. Und da er die Jägerin heiß und innig
geliebt hatte, war die Stimme egal gewesen, nein im Gegenteil, sie hatte noch
den Reiz ihrer beider Gegensätzlichkeit erhöht. Aber diese Frau hatte eine
dunkle spröde Stimme mit klarer Aussprache.
"Also mich wundert gar nichts mehr
mittlerweile..." Spike hatte sich aufgestützt und betrachtete sie
nachdenklich.
Sie hatte dunkle blaue Augen, nein, eigentlich
waren es grüne Augen, mal so mal so, und manchmal waren sie türkis und manchmal
nilgrün und manchmal dunkelblau.
Ihre Haltung war seltsam, als ob sie sich kleiner
machen wollte, dachte Spike aufmerksam.
"Sie sind Spike, auch genannt William the
bloody. Sie sind ungefähr 123 Jahre alt, natürlich gemessen in Vampirzeit.
Vielleicht sind Sie einhundertfünfzig Jahre alt – in Echtzeit, was immer das
heißen mag", fügte sie spöttisch hinzu. "Und anscheinend hat man Sie
zurückgeholt von den Toten."
"Sie sind nah dran, Mädel."
"Sie haben jede Menge Leute umgebracht."
"Warm, Mädel..."
"Sie haben sich nicht durch besondere
Perversitäten hervorgetan. Sie hatten einfach nur einen Heidenspaß am Morden.
Und Sie sind ein sogenannter Verwandter von Angel!""
"Wärmer, Mädel, das ist richtig", sagte
Spike grimmig, dessen Augen sich bei der Erwähnung von Angel verengt hatten,.
"Gehören der Aurelius-Familie an, und ihr
berühmter Vorfahr ist ein gewisser Johann Nest, den man auch den Meister
nannte", fuhr sie fort.
"Der wiederum Angels Großvater war", gab
Spike zu.
"Sie töteten die letzte Hoffnung ihres Urahnen
auf seine neue Macht, nämlich den sogenannten Gesalbten."
"Ich mochte den kleinen Klugscheißer
nicht..."
"Sie waren über hundert Jahre mit einer, ich
sage das ausdrücklich: einer einzigen Frau zusammen." Dieses sagte sie
eher skeptisch und ungläubig.
"Heiß, Mädel. Soll ich mich etwa deswegen
schämen?"
"Sie hat Sie dann verlassen. So um 1998."
"Auch deshalb schäme ich mich nicht. Sie hat
mich aus Gründen verlassen, die ich lange Zeit nicht kapiert habe", Spikes
Stimme hatte einen resignierenden Tonfall angenommen.
"Sie, Drusilla, war ziemlich
besitzergreifend?"
"Oh ja, das war sie. Und es war, verdammt noch
mal, ihr gutes Recht!" Spike wurde allmählich sauer.
"Drusilla hat Sie damals verlassen, weil Sie,
Spike, sich in die Jägerin verguckt hatten. Ist das richtig?"
"Stehen wir hier vor Gericht oder was?"
"Nein", sie lächelte entschuldigend und
irgendwie verlegen, "ich liebe eben die Kreuzfeuertaktik. Treibe den
Angeklagten in die Enge, Konfrontiere ihn mit seiner Vergangenheit.
Konfrontiere ihn mit der Wahrheit. Mach’ ihn einfach fertig!"
"Hören Sie mal, Schätzchen", das
‚Schätzchen’ kam ziemlich sarkastisch heraus. "Wir sind hier nicht bei
’ner Gerichtsshow.... Und ebenso gut könnte ich IHNEN ein paar Fragen
stellen."
"Sie haben sich wirklich die Jägerin
verguckt..."
"Auch das interessiert hier niemanden,
ausgenommen übergeschnappte Anwältinnen bei ihrer Anklageschrift. Wieso lagen
Sie bewusstlos hinter einem Müllcontainer?
"Hhhmm, ich weiß es nicht."
"Sie sind schon verurteilt,
...Schätzchen!" entgegnete Spike fröhlich.
Mittlerweile waren ihr die Worte ausgegangen.
Stattdessen weilte ihr Blick wie angesaugt auf ihm, glitt über sein Gesicht –
tatsächlich hatte sie im Buch der Wächter einen Schnappschuss von ihm gesehen –
und blieb dann an seinem Mund hängen.
Dieser Mund war wohl das Schönste, was sie jemals
an Mund bei einem Mann gesehen hatte. Keine zu breiten schmalen Lippen wie bei
Wes – sie verspürte einen leichten Stich in der Gegend ihres Herzens – und auch
keine zu strengen Lippen wie bei Angel, nein, diese Lippen waren gerade richtig
in Größe und Form, und sie sahen so weich aus, dass es einen verlangte, mit den
Fingern darüber zu fahren, sie zu streicheln und eventuell mit dem Mund darüber
zu... Himmel, was sollte das? Sie kannte den Mann absolut nicht. Und das, was
sie aus den Wächter-Tagebüchern über ihn wusste, war absolut nicht anziehend
und erst recht nicht vertrauenswürdig.
Aber diese Narbe zum Beispiel, die seine Augenbraue
spaltete, die erinnerte sie schmerzlich an den alten Kater, den sie als Kind
gehabt hatte, mit seinem zerfetzten Ohr, ein ruhmreiches Andenken an seine
Kämpfe. Sie hatte ihn zärtlich geliebt.
Was also fand sie an ihm so faszinierend?
Seine arrogante Haltung?
Seine Lippen?
Seine tiefe rauhe Stimme?
Sie wusste es nicht, zum Verrecken wusste sie es
nicht, sie hatte niemals auf Anhieb solche Verwirrung in der Gegenwart von
jemanden empfunden, den sie quasi zum erstenmal sah, und sie strich sich wieder
verlegen über den Verband an ihrem rechten Arm.
"Ich werde Sie ins Krankenhaus bringen. Der
Arzt meinte, man sollte Ihren Arm röntgen lassen, vorsichtshalber." Spike
wirkte besorgt.
Sie ließ ihre Blicke unauffällig, wie sie meinte –
in Wahrheit registrierte er jeden Blick – über seinen Körper gleiten. Sie stellte
fest, was er anhatte, er trug ein schwarzes T-Shirt, das seine Muskeln eher
betonte als verbarg und eine sandfarbene Cargohose, die perfekt auf seinen
schmalen Hüften saß... Verdammt, diese Hüften brachten einen auf seltsame
Gedanken... Und er war auch nicht so muskulös, nicht so breit wie diese nur auf
Muskelaufbau bedachten ‚Hulks’.
Er war ein drahtiger Typ, und Lilah musste
unwillkürlich lächeln, als ihr die Worte einer längst vergangenen Freundin in
den Sinn kamen: "Die drahtigen Männer sind die besten im Bett. Nicht die
großen Kräftigen, die sind Scheiße. Nein, such’ dir einen Drahtigen aus!"
Guter Rat vielleicht, aber leider gab es für sie nicht viel Auswahl an Männern
trotz ihrer Schönheit. Sie hatte nämlich ein großes Handicap...
"Was ist denn daran so lustig?" fragte
Spike amüsiert, denn er hatte sehr wohl ihre abschätzenden Blicke und ihr
Lächeln wahrgenommen.
Sie antworte ihm nicht, stattdessen sagte sie
entschlossen: "Ich werde ins Saint Memorial gehen", und griff nach
ihrer kleinen Tasche, die auf einem Stuhl neben dem Bett lag. Sie hatte diese
Tasche an einem Gurt um die Hüften geschlungen gehabt, und bei dem Überfall
hatte man sie wohl übersehen. Ein Glück, denn darin waren ihre Kreditkarten und
die Schlüssel für ihr Apartment.
Sie hatte sich wohl etwas überschätzt, denn gerade
als sie sich nach der Tasche bückte, überkam sie ein mittlerer Schwindelanfall,
und sie ließ sich unauffällig, wie sie meinte, auf das Bett sinken und stürzte
sich mit dem gesunden Arm ab. Die Aktion war aber wohl doch nicht so
unauffällig, wie sie meinte.
"Der Arzt hat gesagt, Sie sollten sich
ausruhen." Spike wirkte nun gebieterisch. Er nahm vorsichtig ihre Füße in
seine Hände und hob auch diese aufs Bett. Dann streifte er ihr die Schuhe ab
und sah auf sie herunter.
Sie fühlte sich plötzlich entspannt und sicher.
"Also, was ist denn nun passiert? Woher kennen
Sie mich? Und wer sind Sie eigentlich? Müsste ich Sie kennen? Bitte nur
antworten, wenn Sie nicht gleich in Ohmacht fallen." Spike lächelte sie
an.
Sie entschloss sich spontan, ihm alles zu sagen.
"Gut. Man hat mich entlassen, und ich wurde überfallen. Ich kenne Sie aus
unseren Varianten der Wächtertagebücher. Mein Name ist Lilah Morgan, und bis
jetzt war ich eine der leitenden... ja Bosse von Wolfram & Hart. Und nein,
Sie müssten mich nicht kennen." Lilahs Stimme stockte plötzlich, als ihr
bewusst wurde, was eigentlich passiert war.
"Und ich glaube, ich war tot." Diese
schockierenden Feststellung schob Lilah erst einmal beiseite. Aber man hatte
sie gefeuert. Also konnte sie gar kein Boss gewesen sein. Eher eine leitende
Angestellte, die in Ungnade gefallen war, weil sie plötzlich ihr Gewissen
entdeckt hatte. Das konnten W&H natürlich nicht dulden. Also hatte man sie
hinausgeworfen.
Und danach war sie gestorben. Irgendein
gefährlicher Dämon war aus der Sicherheitsabteilung von W&H ausgebrochen
und hatte sie getötet.
"Meinen Sie, der Überfall stand irgendwie in
Zusammenhang mit Ihrer Kündigung", forschte Spike nach. Es interessierte
ihn anscheinend wenig, dass sie aus dem Reich der Toten zurück gekommen war.
"Ich weiß es nicht", Lilahs Stimme nahm
einen trotzigen Ton an, "und es ist mir auch scheißegal. Ich kann ohne die
leben!" Aber seltsam war es schon, erst wurde sie entlassen, dann getötet
und dann wieder ins Leben zurückgerufen. Konnte sie ohne die leben? Leben
vielleicht schon, aber mit ihrer Karriere war es wohl vorbei, und sie hatte das
bestimmte Gefühl, dass jede namhafte Anwaltskanzlei in den Vereinigten Staaten
sie bei einer Bewerbung abweisen würde. W&H besaßen so weitreichende
Beziehungen, dass sie, Lilah, jetzt beruflich erledigt war.
"Wie die Leela aus Futurama?" Spikes
angenehme Stimme riss sie recht unvermittelt aus ihren Überlegungen.
"Was wie?“ fragte sie verblüfft. Dann kapierte
sie es. "Hhmm, nein. Mein Name kommt eigentlich von Delilah her",
Lilah musste unwillkürlich lachen, "und ich glaube, die aus Futurama
schreibt sich auch ganz anders."
"Ja, das stimmt. Aber ich find’s gut, dass Sie
die überhaupt kennen." Spike war erleichtert: Man traf so selten jemanden,
egal ob in Menschen- oder in Dämonenkreisen, der sich mit Comic-Serien
auskannte.
Delilah also. Hatte die nicht einen gewissen Samson
den Philistern oder sonstigen Mordbrüdern ausgeliefert?
"Eigentlich stehe ich mehr auf Bender, den
finde ich einfach sexy", behauptete Lilah verwegen und lachte Spike an.
"Ooohja, der ist geil, auf seine stählerne Art
natürlich..."
"Wir sollten jetzt zum Krankenhaus
gehen", ermahnte ihn Lilah.
Lilah machte sich, als sie mit Spike neben ihr
durch die Straßen ging, automatisch kleiner, wie sie es gewohnt war. Es war
eine jahrelange Gewohnheit. Es war die Gewohnheit vieler großer Frauen, sich
automatisch kleiner zu machen.
Bis sie auf einmal bemerkte, dass es gar nicht
nötig war, sich kleiner zu machen. Alle Leute, denen sie begegneten, schienen
größer, zumindest gleichgroß oder nicht viel kleiner als sie selbst zu sein.
Auch Spike war ein gutes Stück größer als Lilah. Lilahs Rücken streckte sich,
und sie gewann eine freiere Haltung.
Sie glaubte es zuerst nicht, aber sie war kleiner
geworden. Das musste ein Traum sein. Aber dafür war er zu realistisch, und die
leichten Schmerzen, die sie im Arm und an den anderen Kratzern verspürte,
konnten in einem Traum nicht vorkommen. Also war es doch kein Traum! Und dafür
war sie IHNEN dankbar – ohne große Frage danach, wie sie es bewerkstelligt
hatten. Wie viele große Frauen träumte Lilah davon, einen größeren Mann zu
bekommen, aber die wirklich großen Männer waren dünn gesät und hatten meistens
eine Vorliebe für zierliche kleine Frauen. Oder waren verheiratet. Oder schwul.
Auch ein gleichgroßer Mann barg so seine Tücken,
denn Schuhe mit nur minimal erhöhten Absätzen, die seine gleichgroße Frau trug,
konnten ihn sofort in einen kleineren Mann verwandeln. Und was das bedeutete war
klar: instinktives Buckeln, eine damit verbundene schlechte Haltung und auf
Dauer wahrscheinlich Rückenprobleme.
Große Frauen haben es wirklich nicht leicht, dachte
Lilah so vor sich hin. Es gab so viele Männer, die charakterlich und
interessensmäßig zu einem passen würden, aber durch ihre Größe, oder besser
gesagt durch ihre nicht vorhandene Größe schieden sie von vorneherein als
Partner aus.
Damit fiel eine Bevölkerungsgruppe von vielleicht
85% aller Männer in den Vereinigten Staaten flach. Einfach so. Lilah dankte
W&H inniglich für dieses neue Leben. Man hatte sie nicht nur wieder
lebendig gemacht, sondern auch ihren größten unausgesprochenen Wunsch erfüllt,
nämlich keine große Frau mehr zu sein. Sie war jetzt so um die 1,65 Meter,
schätzte sie.
Woher wussten sie es?
Warum hatten sie das wohl getan?
Egal, es war gut. Es war sogar verdammt gut. Was bezweckten sie wohl damit? Ach was, was konnten die schon groß von ihr wollen...
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Während sie gemeinsam zum Saint Memorial
schlenderten, waren sie automatisch zum vertrauteren Du übergegangen, und Spike
erfuhr endlich, was er schon seit gut einer Woche wissen wollte, und was ihm
einfach nicht eingefallen war, nämlich wie der Obergute bei den Transformers
hieß. Na, ihr wisst schon, diese Typen von einem anderen Planeten, die sich in
Autos verwandeln konnten. Das waren die Guten. Die hießen Autobots. Und
verwandelten sich mit den Schlachtruf ‚Autobots transform’ in passende
Automodelle, vom Käfer (das war Bumblebee) bis zum Riesen-Truck (ja zum
Donnerwetter wie hieß er denn noch?). Die Schlechten mit dem Oberfiesling
MEGATRON konnten sich in Flugzeuge verwandeln, was natürlich den Autos
überlegen war. MEGATRON konnte sich zum Beispiel in so ’ne Art Starfighter
verwandeln.
"Optimus Prime!" verkündete Lilah
triumphierend, nachdem sie ungefähr drei Minuten konzentriert mit ihrem
geschulten Anwaltsgedächtnis nachgedacht hatte.
"Das ist Wahnsinn!" jubelte Spike.
"Das ist einfach genial! Oh Shit, und wie nannten sich äääh ...die
Schlechten?"
"Lass mein Gehirn das für dich tun. Meine
kleinen grauen Zellen beschäftigen sich jetzt damit, ob sie wollen oder nicht,
und dann komm ich irgendwann drauf."
"Wäre klasse!" meinte Spike begeistert.
"Vielleicht hast du ja BSE oder das
Jakob-Creutzfeldt-Syndrom. Du weißt ja, Löcher im Gehirn...", sagte Lilah
anzüglich.
"Du meinst wegen Rinderblut oder so. Nein ich
bin clean. Die haben mich bei W&H gründlich untersucht. Ich habe weder Maul
und Klauenseuche, du weißt ja, Schweineblut... noch BSE. Sonst hätten die mich
noch als Sondermüll entsorgen müssen..."
"Das ist gut."
"Außerdem bin ich nicht HIV positiv",
legte Spike noch einen drauf.
"Das ist auch gut."
"Und was bedeutet das?" fragte Spike mit
einem boshaften Grinsen und zog seine zernarbte Augenbraue hoch.
"Oh, ich wweiß nicht", Lilah stotterte
leicht, "Ich meine nur, es ist einfach nur besser...., es nnnicht zu
haben..." Und hatte dabei eine Vorstellung von Sex, sehr viel Sex , ohne
Kondome...
"Da hast du wohl recht." Dieses
unverschämte Grinsen stand immer noch in seinem Gesicht, in seinem perfekten
Gesicht.
"Oh, da ist das Krankenhaus." Lilah riss
sich mühsam vom Anblick seiner perfekten Lippen und seinen perfekten
Wangenknochen los. Sie war ziemlich erleichtert darüber, aus dieser
verfänglichen Unterhaltung herausgekommen zu sein.
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Nach gut einer Stunde stand fest, dass Lilahs Arm,
genauer gesagt ihre Elle gebrochen war, allerdings handelte es sich um einen
glatten unkomplizierten Bruch. Man gipste sie endgültig ein, sagte ihr, es
würde wohl ein paar Wochen dauern, bis sie den Gipsverband ablegen konnte und
entließ sie, nicht ohne sie zu ermahnen, entweder einmal in der Woche zur
Untersuchung vorbeizukommen, oder das ganze einem Arzt ihres Vertrauens zu
übertragen.
"Was machen wir nun?" fragte Spike, als
sie beide ziemlich unschlüssig vor dem Krankenhaus standen.
"Ich sollte in meine Wohnung gehen."
"Gut, ich bringe dich hin."
"Das brauchst du nicht."
"Ach hör doch auf", Spike ergriff sanft
ihren Arm, den gesunden natürlich und fragte: "Na wo geht’s denn
lang?"
Widerstand ist wohl zwecklos, dachte Lilah und
musste dabei an einen Roman von Douglas Adams denken, den sie damals als
Zwanzigjährige gelesen hatte. "Widerstand ist zwecklos!" wiederholte
sie laut.
"Das ist mein absoluter Lieblingsspruch. Woher
kennst du den?" Spike war überrascht.
"Per Anhalter durch die Galaxis", war
Lilahs schnelle Antwort.
"Dann ist es der richtige Spruch!" Spikes
Überraschung war jetzt permanent. Diese Frau war einfach, ja wie sollte er
sagen, überraschend, sie war total überraschend. Eigentlich hatte er erwartet,
nein er hatte gar nichts erwartet – aber wenn er etwas erwartet hätte, dann
wäre es das ‚Widerstand ist zwecklos’ von einem Borg aus der
Raumschiff-Enterprise-Serie gewesen. Genauer gesagt den : WIDERSTAND IST
ZWECKLOS. SIE WERDEN ASSIMILIERT!-Spruch. Das hätte er erwartet.
Was also war früher da gewesen? Das
"Widerstand ist zwecklos" eines beknackten vogonischen Wachtpostens
auf einem vogonischen Raumschiff in dem Buch ’Per Anhalter durch die Galaxis’,
oder das "Widerstand ist zwecklos" eines zweifellos genauso
beknackten Borg aus der Raumschiff-Enterprise-Serie? Wer hatte geklaut? Oder
war der Spruch so gut, dass ihn mehrere Leute nacheinander erfinden mussten?
Beide waren gut, aber Spike stand nun mal als Brite
auf die britische Variante, und die stammte zweifellos von Douglas Adams. Und
‚Per Anhalter durch die Galaxis’ war, überlegte Spike circa 1979 oder etwas
später erschienen. Und der vierte Teil der Trilogie, hahaha das war lustig,
stammte von 1984. Wann erschienen zum erstenmal die Borg? Das musste Raumschiff
Voyager gewesen sein, und das konnte noch nicht soooo lange her sein.
"Der Vogonen-Raumschiff-Kommandant rühmte sich
wegen seiner Prosa. Er fing an zu lesen – eine mistige kurze Passage seines
Machwerks." Spike kannte diese Stelle auswendig. zitierte sie nun und
fügte bedauernd hinzu: "Aber dieser Vogone kann niemals so schlecht
gewesen sein wie ich im meiner Prosazeit. Nein, eigentlich war es ja meine
Poesiezeit."
"Du könntest mir ja mal deine Poesie
vorlesen", schlug Lilah vor.
"Damit du innere Blutungen kriegst? Nein
danke. Ich mach mich doch nicht lächerlich." Spike ließ es nicht zu, dass
seine Poesie in irgendeiner Form zur Debatte stand und machte nun seinerseits
einen Frontalangriff: "Warum kommst du nicht einfach mit zu mir?"
"Ins Hotel?"
"Nicht ins Hotel. Nein, in meine, sagen wir
mal Bude. Ist ein bisschen außerhalb. Aber wirklich nur ein bisschen Und
vielleicht könnte eine weibliche Hand," bei diesen Worten nahm er zärtlich
ihren gipsgeschienten Arm und drückte einen leichten Kuss darauf, "meiner
äääh... Bude den letzten Schliff geben. Nicht, dass sie schon den ersten
Schliff hätte..."
"Okay" meinte Lilah kurzentschlossen und
ärgerlich darüber, dass seine Lippen nur ihren gipsgeschienten Arm berührt
hatten, "Ich muss aber vorher noch ein paar Sachen aus meiner äääh... Bude
holen."
"Lilah, andere Frage", Spikes Stimme
klang nicht anders als vorher, nur ein wirklich gut geschultes Ohr hätte den
kleinen Unterschied in der Tonlage wahrgenommen. "Warst du jemals in Angel
verliebt?"
"Jetzt weiß ich... Deceptacons "
"Was
bitte?"
"Die Bösen. Bei den Transformers, ich wusste
doch, dass ich drauf komme", Lilahs Stimme klang etwas aufgewühlt, bevor
sie ruhig weitersprach: "Wir waren richtige Feinde. Ich fand ihn sexy,
aber der Typ war mir einfach zu gut, wenn du weißt, was ich meine."
"Ich glaube, ich weiß, was du meinst",
Spikes Stimme klang unbewegt. "Soso, genau, Deceptacons also..."
Sie schlenderten zu Lilahs Apartment. Sie ging
hinein, und in der Zwischenzeit holte Spike den Van, behauptete sich auf einem
Parkplatz, der nur fünfzig Meter von ihrem Haus entfernt war und wartete auf
sie.
Nach einer Viertelstunde erschien sie, bepackt mit einer mittelgroßen Reisetasche und einem Aktenkoffer. Aktenkoffer???
"Hoffentlich hast du nicht so viele Hosen
mitgenommen?" fragte Spike sie, als er die Tasche in den Van packte.
"Wie meinst du das?"
Na ich denke, Röcke kann man viel leichter
ausziehen."
"Wiieee, was?" Lilahs Stimme klang etwas
wackelig.
"Nein, ich meine natürlich anziehen",
sagte Spike spöttisch, aber nicht bösartig. "Mit deinem kaputten Arm
kannst du bestimmt keine engen Hosen gut anziehen. Es sei denn, du lässt mich
dir helfen..."
"Oooh, ich habe noch was vergessen!"
Lilah ging zurück Richtung Haus.
Spike sah ihr lächelnd nach. Der Aktenkoffer, den
er gerade ins Auto legte, lenkte ihn allerdings von Lilah ab und machte ihn
etwas neugierig. Aber nicht sehr.
Ende Teil 4 GONE
WITH THE DEATH? © Ingrid Grote 2003