GONE WITH THE DEATH?

 

Teil 21

 

Noch zwei Tage später verabschiedeten sich Angel und Snikkers.

Angel nach einer langen Unterhaltung mit Buffy, nach deren Verlauf sie zwar bedrückt aber auch irgendwie erleichtert auftauchte, ihr Verhältnis war nicht länger ein Liebesverhältnis, sie wollten nur noch gute Freunde sein, falls das irgendwie möglich war.

 

Angel hatte sie endgültig freigegeben. Er wusste, dass sie beide keine Zukunft hatten, denn auch wenn er irgendwann ein Mensch sein würde durch die Prophezeiung des Shanshu vielleicht, wäre Buffy wahrscheinlich viel zu alt, um... was auch immer mit ihm zu tun. Sie sollte ihr Leben nicht vergeuden, indem sie auf ihn wartete. Buffy hatte ein Kind von Spike, und sie fühlte sich offenkundig von Spike, der im Gegensatz zu Angel ziemlich lebendig war, angezogen. Angel musste das tolerieren. Es hätte schlimmer kommen können: Dieser Arsch Riley, den Angel nicht ausstehen konnte ...oder noch schlimmer: Parkinson, der dem Himmel sei Dank mittlerweile Verblichene.

Angel hatte Buffy endgültig freigegeben, was nicht hieß, dass er sie nicht mehr liebte.

Spike hatte nach der Abfahrt von Angel und Snikkers nun blöderweise kein Auto mehr, aber er mietete sich sofort eins und zwar eins mit zwei doppelt gesicherten Kinderwagenhalterungen, eine Spezialanfertigung...

Spike wollte noch über Weihnachten in Woodcape bleiben und danach nach L.A. zurückfliegen. Er musste dort einiges erledigen.

Spike hatte die Absicht, Buffy ein wenig zu entlasten, denn sie hatte es bestimmt nicht leicht gehabt im letzten Jahr.

Und Buffy war sichtlich davon angetan.

Spike erledigte die Einkäufe.

Spike passte auf beide Kinder auf, damit Buffy, was sie lange nicht mehr getan hatte, einen Einkaufsbummel machen konnte, bei dem Kleinkinder eher hinderlich sind.

Spike fuhr mit Dawn und den Kindern zu den Niagarafällen, es war ein richtiger Tagestrip, sie aßen unterwegs bei Mac Donalds, die Kinder waren vorbildlich friedlich und lieb, und Buffy hatte endlich einmal viel Zeit zu Hause, um sich zu pflegen – allerdings wäre sie gerne mitgefahren, denn die beiden kamen so begeistert nach Hause, dass sie neidisch wurde.

Außerdem hatte es an den Fällen geschneit!

"Ich wusste gar nicht, dass Spike so stark ist. Genauso wie früher", erzählte Dawn lachend. "Der hat die liegengebliebenen Autos angeschoben wie nix."

"Die können alle nicht Auto fahren", brummte Spike. "Wenn ein paar Schneeflocken fallen, sind die gleich aufgeschmissen." Eine wahrhaft typisch männliche Aussage.

"Bei Macs musste Spike Autogramme geben", erzählte Dawn weiter. Dawn war sichtlich aufgekratzt, und ihr kam der Gedanke, dass sie wahrhaftig einen Prominenten kannte. Was würden wohl ihre Mitschülerinnen dazu sagen? Sie konnte es kaum noch erwarten, ihnen genaueres darüber zu berichten.

Und die Fälle erst: Soviel Wasser, soviel wildes fallendes Wasser. Strömendes Wasser. Weißes Wasser. Tiefes Wasser. Tosendes Wasser. Funkelndes Wasser! Vor allem nicht endendes Wasser! Und Schnee von oben.

Einmalig, schwärmten sie. Sie brachten Fotos mit, die Spike mit einer Digitalkamera gemacht hatte. Dawn wollte sofort eine CD mit den Fotos brennen, um sie ihren Mitschülerinnen unter die Nase zu halten.

"Wieso habe ich die Fälle noch nicht gesehen?" Buffy war ein bisschen sauer.

Spike schenkte ihr zum Trost eine Brosche aus kleinen Brillantsplittern, auf denen die Fälle nachgebildet waren in einer Kaskade aus wilden, weißen, tosenden, funkelnden Brillanten. Spike mochte zwar keine Diamanten, aber um glitzerndes Wasser darzustellen, waren diese Steinchen wohl der optimale Stoff. Die Brosche war so kitschig, dass sie schon wieder interessant aussah.

Spike hatte schon eine Ewigkeit kein Geld mehr ausgegeben, deshalb war er in einen Kaufrausch geraten und hatte den Kindern Niagara-Falls-bestickte kuschelige Mützchen und Jäckchen gekauft. Und noch andere Sachen, die allerdings schon für Weihnachten bestimmt waren. Allerdings wollte er nur der Kinder wegen Weihnachten feiern, eigentlich nur wegen Morgan, denn Gwydion war noch zu klein dafür. Und außerdem hatte Spike vor, sich Heiligabend in irgendeiner Kneipe zu besaufen. In Erinnerung an das letzte Weihnachtsfest...

Buffy freute sich riesig, denn die Brosche war das erste persönliche Geschenk, das sie von Spike bekommen hatte – bis sie feststellte, dass Dawn die gleiche Brosche trug. Die sie natürlich auch ihren Mitschülerinnen unter die Nase halten wollte. Ob Spike sie wohl mal von der Schule abholen würde? Sie würde ihren Freundinnen erzählen, dass Bill von TBBT mal was mit ihrer Schwester gehabt hatte. Ojaa! Das wäre es! Dawn ballte die Fäuste in freudiger Erwartung.

Mist aber auch! Spike war einfach nicht zu fassen, dachte Buffy.

Die Mistelzweige, die sie großzügig über alle Türrahmen des Hauses gehängt hatte, umging er mit traumwandlerischer Sicherheit, und sie bekam nie die Gelegenheit, ihn zu küssen. Wieder Mist!

 

Und die meiste Zeit, wenn sie alleine waren, stritten sie sich, und aus Buffys Sicht fing Spike immer mit dem Streiten an...

 

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"Wusstest du, dass es keine hundert Meilen von hier entfernt einen Ort namens London gibt. In Kanada auf der anderen Seite des Sees?"

"Nein, das wusste ich nicht", sagte Buffy vorsichtig.

"Vielleicht lasse ich mich irgendwann dort nieder. Kanada soll nicht übel sein. Und vielleicht hat dieses London eine gewisse Ähnlichkeit mit dem London meiner Jugend."

"Gute Idee", gab Buffy zu, denn wenn er schon nicht vor hatte hier zu bleiben, dann war das London in Kanada auf der anderen Seite des Sees immerhin etwas...

Buffy strahlte ihn instinktiv an und zog einen dekorativen Flunsch. Ohne Absicht – es rutschte einfach so aus ihr heraus.

"Was zum Teufel soll das?" grollte Spike, bei dem das wohl nicht gut ankam, nach einer relativ kurzen Schrecksekunde.

"Was meinst du?" fragte Buffy ahnungslos.

"Flirtest du etwa mit mir?!"

"Iiich weiß nicht", stammelte Buffy, und das Strahlen auf ihrem Gesicht erlosch.

"Du verschwendest deinen Charme an den Falschen. Ich bin ziemlich immun dagegen."

"Aber ich wollte doch nicht..."

"Du kannst deinen Charme bei Wood anwenden. Oder bei deinem Exlover Parkinson, meine Güte, der Name hört sich an wie ‘ne Krankheit", giftete Spike weiter herum. "Bei mir ziehen diese Mätzchen nicht."

Buffy schaute ihn respektvoll an. Es gab wirklich nicht viele Männer, die ihrem Charme widerstanden hatten.

"Was willst du eigentlich, Zuckerpuppe?"

Ich will dich, du Idiot! Das sagte sie natürlich nicht, sondern trat näher an ihn heran und hob die Fäuste, als ob sie ihn schlagen wollte.

"Du könntest ruhig ein bisschen netter sein, Liebes", meinte Spike spöttisch. "Kein Wunder, dass du alle Männer vergraulst."

Was zum Geier sollte sie denn tun? Wenn sie nett war, war es zu nett, und wenn sie nicht nett war, dann war es... Buffy ließ ihre Fäuste sinken und starrte ihn wortlos an. Ihr Herz machte einen Sprung, als sie realisierte, dass er sie Liebes genannt hatte. Wie früher.

"Ich dachte, du stehst auf Gewalt", meinte sie dann anzüglich und ließ sich ihre Gefühlsregung nicht anmerken. Um Gottes Willen keine Blöße geben...

"Kann sein. Früher." Spike hob seine zernarbte Augenbraue und blickte sie an, als ob er sie um Verzeihung bitten wollte.

"Ich kann mich an ein Hotelzimmer erinnern, das ist noch gar nicht so lange her..."

"Ich weiß, das ist keine Entschuldigung, aber ich war nicht ganz ich selber zu diesem Zeitpunkt..." Spike ist diese sogenannte Unterhaltung allmählich leid. Man dreht sich im Kreis. "Also Zuckerpuppe, was willst du? Willst du, dass wir heiraten?"

Buffys Herz schlug ein wenig schneller, als er diese Frage stellte. Dann kam ihr schlagartig zu Bewusstsein, dass dies kein romantischer Heiratsantrag war, sondern eine Konzession, die er wegen Morgan machen wollte.

"Nein danke, eigentlich wollte ich aus Liebe heiraten", sagte sie schnippisch. Sie wollte ihn verletzen, wie er sie verletzt hatte.

"Gut, und ich habe schon mal aus Liebe geheiratet. Dann hat sich dieses Thema also erledigt." Spike wirkte unbewegt und überhaupt nicht verletzt.

"Na denn", sagte Buffy schnippisch.

"Außerdem könnte ich dir nicht vertrauen." Spike wirkte immer noch unbewegt.

Das war nun wirklich ein Tiefschlag, oder? Buffy erinnerte sich an ihre eigenen Worte, die sie ihm damals in ihrem Badezimmer entgegengeschleudert hatte: Ich kann dich nicht lieben, weil ich dir nicht vertrauen kann!

Konnte er ihr vertrauen? Er meinte mit Sicherheit Angel und dass sie vielleicht sofort zu ihm rennen würde, wenn er ein Mensch wäre, aber das war absurd, die Sache mit Angel war aus. Aber wie sollte sie ihm das beibringen?

Spikes Handy klingelte, er hatte es nur zufällig dabei, eigentlich hasste er das Telefonieren.

Er lauschte aufmerksam und lächelte dann. Er ging in die Küche, um wohl ungestört sprechen zu können. Buffy folgte ihm unauffällig und hielt sich zufällig vor der Küchentür auf, sie bückte sich, um ein Staubflöckchen vom Boden entfernen.

Durch puren Zufall hörte sie das Gespräch mit.

 

"Woher wissen Sie, wo ich bin?" fragte er nicht unfreundlich.

"..........................."

"Ach so, von Snikkers"

"..........................."

"Es geht mir ganz gut, den Umständen entsprechend..."

"... ........ ... .... ... ......"

"Und ist das so wichtig?"

"..... ........... ... .... ..... ....... ..... ..... ...."

"Okay, dann hole ich Sie heute Abend vom Flughafen ab. Ich freue mich." Mit diesen Worten beendete Spike das Gespräch.

 

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Als er wieder ins Wohnzimmer kam, redete er nicht viel über das Gespräch, sondern sagte nur: "Ich muss nachher weg, meine Agentin ist in der Stadt. Sie war ‘ne Bekannte von Lilah. Kommst du alleine mit den Kindern klar?"

Buffy nickte und blieb mit recht gemischten Gefühlen zurück.

Sie hörte, wie Spike spät in der Nacht nach Hause kam. Er wohnte natürlich mittlerweile nicht mehr in Buffys Zimmer, sondern im Keller. Was Buffy sehr bedauerte.

Als sie am nächsten Morgen in die geräumige Küche kam, saß er schon am Küchentisch. Der Typ hat wohl eine unverwüstliche Kondition, dachte sie ärgerlich.

Er hatte schon Kaffee gemacht und aß einen Toast, und offensichtlich war er einigermaßen guter Laune, zumindest im Vergleich zu seiner sonst eher gedrückten Grundstimmung.

Er hatte nämlich mit Vivian einen wirklich netten Abend verbracht, bei dem sie sich fast ausschließlich über Lilah unterhalten hatten, das war es, was Spike im Augenblick brauchte, nämlich über Lilah sprechen zu können. Bei dieser Gelegenheit hatte er erfahren, dass Vivian mit Lilah in Frankreich gewesen war. Sie hatte also die Franzosen mit ihren Katzen miterlebt... Spike lächelte und war anscheinend wirklich guter Laune.

Im Gegensatz zu Buffy. Die war nicht guter Laune. Ganz im Gegenteil. Au contraire!

"War wohl nett gestern Abend", warf sie ihm säuerlich hin, mit Betonung auf ‚nett’.

"Das war es. Wirklich!" Spike schien ihre miese Laune nicht zu bemerken. " Du glaubst nicht, was sie mir angeboten hat!"

"Sex vielleicht?" schoss es unkontrolliert aus Buffy heraus, bevor sie sich erschrocken die Hand vor den Mund hielt.

"Liebes, glaubst du, ich gehe mit jeder ins Bett, die mir Trost spenden will?"

"Nnnein, eigentlich nicht", stammelte Buffy verlegen. Und machte sich so ihre Gedanken. ‚Liebes’, er hatte wieder ‚Liebes’ gesagt, das klang gut. Und ‚nicht mit jeder’, das klang auch gut. Hieß das, sie war etwas besonderes für ihn?

"Hörst du mir überhaupt zu?" Spikes Stimme riss sie aus ihren Gedanken. "Sie haben mir angeboten, in einem Film die Hauptrolle zu spielen."

"Hääää....", sagte Buffy verblüfft.

"Ich soll Rudolph Valentino spielen."

"Kenne ich nicht. Oder? Moment mal, war das nicht dieser Stummfilmknilch?"

"Genau. Man behauptet, ich hätte eine große Ähnlichkeit mit ihm. Aber das ist gelogen, Der sah scheiße aus."

"Mit Schminke kriegen die das schon hin", meinte Buffy.

"Die Dreharbeiten wären in der Nähe von New York."

"Das ist von hier aus nicht weit. Zumindest ist es nicht so weit wie von Los Angeles", sagte Buffy nachdenklich.

"Ich weiß nicht, ob ich es machen soll. Eigentlich will ich nicht bekannt werden. So wie es jetzt ist, reicht es schon, manchmal ist es schon zu viel."

"Hast du mal überlegt, dass Bekanntheit ein Schutz sein könnte? Falls die von W&H wieder was versuchen, würde sich die Presse sofort drauf stürzen. Bei einem Unbekannten, von dem die Mädels nicht jeden Augenblick ein Autogramm haben wollen", Buffy zog einen Flunsch, "wäre das wohl nicht der Fall."

"Ich hatte aber andere Pläne."

"Du meinst das Studium? Das läuft dir nicht weg. Du könntest in Cleveland studieren, die sind bekannt für ihre gute Jura-Abteilung." Buffy hatte natürlich nicht die geringste Ahnung, ob die Uni von Cleveland eine gute Jura-Abteilung hatte, aber es schien ihr angebracht, das vor Spike zu behaupten.

"Das sagt Vivian auch", gab Spike zu.

Buffy war nun wirklich überrascht, zum einen, weil sie mit der Jura-Abteilung recht gehabt hatte ohne sie zu kennen, zum anderen, weil Spike eventuell in Betracht zog, hier zu bleiben. Ooh, zog er das wirklich in Betracht?

"Wieso rauchst du eigentlich nicht mehr?" fragte sie zerstreut.

"Ich hab’ damit aufgehört. Vor zehn Monaten und zehn Tagen", sagte Spike gereizt.

"Das finde ich echt gut. Also, vielleicht wirst du ein richtiger Schauspieler", fing Buffy mit gerunzelter Stirn an nachzudenken. "Lass mich mal überlegen . Was könntest du denn sonst noch spielen?"

"Du willst mich wohl verarschen", brummte Spike.

"Nein, nein! Lass mich überlegen. Also, wie wäre es mit Captain Ahab in Moby Dick?" Buffy lachte auf. "Ich finde, du siehst Gregory Peck ähnlich."

"Duuu verfluuuchter Waaal! Haah, das kommt gut", Spike musste nun auch lachen.

"Als die vier Musketiere, alle außer Portos, bevorzugt Aramis"; kicherte Buffy weiter.

"Aramis ist geil! Ich wollte schon immer ein Gottesmann sein."

"Oder als Kardinal Frikassee – oder wie hieß der in den Dornenvögeln...."

"Noch ein Pfaffe! Aber weites weißes Hemd, Reiterhosen und Stiefel – das kommt echt gut rüber", stöhnte Spike hingerissen.

"Als Captain Picard, aber der Jüngere."

"Hmmm, Jean-Luc? Aber wenn, dann ohne Glatze..."

"Jetzt hab ich es: als Winnetou, der edle Apache. Du müsstest allerdings eine Perücke tragen und was mit deinen Augen machen."

"Gut. Gefällt mir. Wie wär’s mit Angel als Old Shatterhand? Wir als Blutsbrüder sozusagen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik."

"Und ich könnte dann die Nscho-tschi spielen."

"Moment mal, ist das nicht Winnetous Schwester?"

"Ooh! Das ist mir jetzt aber peinlich!"

Spikes Handy klingelte gerade in diesem Augenblick, als sie im Lachen vereint waren wie noch nie zuvor. Nicht nur im Lachen, auch in einem lockeren Gespräch, denn so etwas hatte bei ihnen noch nie stattgefunden. Entweder hatte sie ihn beschimpft, oder er hatte ihr etwas über seine Seele erzählt – oder sie hatten über die Sache gesprochen. All das war nicht sehr lustig gewesen. Und es war wohl ein Symptom dafür, dass ihre sogenannte Beziehung zu keinem Zeitpunkt normal gewesen war.

Spike sprach wieder mit seiner Agentin Vivian. Und sie wollte wohl noch einmal mit ihm zusammentreffen.

Spike ging willig, viel zu willig, wie Buffy meinte, darauf ein. Was ist das für ein hartnäckiges Weibsbild, dachte sie empört.

Spikes Laune war wieder schlechter geworden, er drehte zerstreut den Ring an seinem kleinen Finger.

Das war Lilahs Ehering, dachte Buffy. Sie zog ein ärgerliches Gesicht, er schaute ihr ins Gesicht, sofort schlug die Stimmung um, und sie setzten das Gespräch, das sie vor der Ankunft seiner Agentin geführt hatten, scheinbar übergangslos fort.

"Was ist denn nun schon wieder?" fragte Spike sie grob, als er ihren beleidigten Gesichtsausdruck und ihre feucht gewordenen Augen sah.

Buffy wusste nicht, warum ihre die Augen auf einmal feucht waren und starrte ihn nur an.

"Summers", sagte Spike beißend, "du warst wirklich immer schon ein Jammerlappen. Hast immer geflennt, wenn ich dich gesehen habe. Huuu, ich bin die Jägerin, huuu, ich bin allein, huuu, alle Männer verlassen mich, huuu, ich habe überhaupt keine Schuld, huuu, nein die bösen Männer sind es. Summers, du bist eine Heulsuse!"

"Das bin ich nicht!" sagte Buffy verzweifelt,, während sich ihre Augen vollends mit Tränen füllten, und sie sich abwendete, damit Spike das nicht sehen konnte.

"Sieh dich doch an! Schon wieder Tränen", sagte Spike grimmig. "Hast du jemals daran gedacht, wie Angel sich gefühlt haben muss, als er dich verließ, um dir ein neues Leben zu ermöglichen? Nein das hast du nicht. Du hast nur an dein eigenes Elend gedacht. Ich bin verlassen worden, nur das hast du gedacht!"

"Das ist nicht wahr!" Buffy konnte die Tränen nicht mehr unterdrücken. Und eigentlich stimmte es ja, was er sagte.

"Sag’ mal, hast du jemals wegen einem anderen geflennt und nicht nur wegen dir?"

"Das habe ich, Spike", sagte Buffy mühsam und dachte an das Hotelzimmer, als er weg war und sie allein gelassen hatte. Das war wirklich das erste Mal gewesen, dass sie nicht um ihr eigenes sogenanntes Elend geheult hatte.

"Nein, hast du nicht! Du warst die Jägerin. Du hast alles für dich verlangt. Schau dir Riley an, den hast du so weggegrault, dass sogar ich mit ihm Mitleid hatte. ICH!!!" Spike lachte höhnisch auf. "Du hast ihn nicht in dein Leben gelassen. Du hast ihn zerstört. Er hatte Glück, dass er den Absprung noch geschafft hat. Mit einer anderen Frau."

"Ach, und jetzt kommt wohl, wie ich DICH behandelt habe", ging Buffy auf ihn los, ihre Tränen hatte sie mittlerweile unterdrückt, und sie spürte, dass sie zornig wurde.

"Mich behandelt?" ereiferte sich Spike. "Wie kommst du darauf, dass ich irgendwie in diesen illustren Kreis hineinpasse?" Er war jetzt wirklich wütend. "In diesen illustren Kreis mit Angel und Riley? Das waren die Männer, die du geliebt hast. Nicht wahr? Obwohl mittlerweile glaube ich, du musst das erst lernen, das mit der Liebe..."

"Bitte Spike, hör’ auf", flüsterte Buffy, deren Zorn schlagartig verflogen war.

Spike starrte sie an.

"Ich glaube, ich habe Gwydion gehört", sagte Buffy und verschwand nach oben, um den Kleinen zu holen. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Spike in Gwydions Gegenwart viel netter und zugänglicher war. Gwydion war wirklich ein Wunderkind. Buffy hatte den Eindruck, als wäre Spike von Mal zu Mal zugänglicher, wenn Gwydion bei ihnen war. Mit Gwydion im Arm kam sie die Treppe herunter.

Und Spike hörte auf, tatsächlich wusste er selber nicht, warum er sich so aufgeregt hatte. Das war doch alles Schnee von gestern, und er fühlte fast Mitleid mit ihr.

 

Ende Teil 21

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Letzter Teil

 

"Du kannst mich... ääääh Morgan, ich meine Morgan, nicht allein hier lassen. Es ist zu gefährlich." meinte Buffy zu Spike, nachdem er sie darüber informiert hatte, dass er spätestens Anfang Januar nach L.A. zurückmüsste.

Spike sagte ihr nicht, dass er die Eigentumswohnung verkaufen wollte – Vivian hatte einen Käufer dafür – weil ihn nichts in L.A hielt und eventuell den Porsche auch.

Spike versank in Gedanken. War das jetzt schon drei oder mehr Jahre her, als er in diesem Lastwagen mit den anderen in die Wüste gefahren war, um Glory zu entkommen? Damals hatte er zu Dawn gesagt: Hätte ich doch bloß diesen schicken Porsche geklaut. Der hatte gerade mal Platz für mich, dich und Schwesterlein...

Und jetzt besaß er einen Porsche und hatte nicht das geringste Interesse daran, mit Dawn und Buffy damit in der Gegend herumzufahren.

Wie sich alles geändert hatte! Er war doch tatsächlich erwachsen geworden in diesen drei oder vier Jahren, etwas, das er vorher nicht in einhundertzwanzig Jahren geschafft hatte.

Und natürlich auch nicht gewollt hatte. Aber jetzt war er erwachsen. War das gut?

Was war mit der Band? Spike wollte die Band verlassen. Es machte ihm keinen Spaß mehr, eine weitere Tournee zum Beispiel könnte er nicht verkraften,, weil ihn alles an Lilah erinnern würde. Also musste er sich etwas anderes einfallen lassen. Dieser Film...

Er würde Lilahs Geld für Gwydion aufbewahren und nur im Notfall darauf zurückgreifen, wenn er mit dem Studium... Spike verlor sich noch mehr in seinen Gedanken.

Und er wollte auf keinen Fall einen Truthahn als Weihnachtsessen haben, das musste er Buffy noch eintrichtern.

"Dawn macht Ferien auf einer Skihütte, und Willow und Kennedy nehmen sich eine Wohnung in Cleveland. Willow wird dort bei einer Computerfirma arbeiten. Bei Minitender oder wie die Firma heißt..." erzählte Buffy weiter. "Bald wird das Haus ziemlich leer sein." Eine zarte Anspielung, die Buffy da machte.

"Wie gefährlich? Seit wann hast du Angst? Was soll das?"

"Ich habe nicht Angst um mich, sondern um Morgan." sagte Buffy, die an diesem Tag einen Brief erhalten hatte, der sie schwer beunruhigte. Aber sie wollte Spike den Brief nicht zeigen, denn er würde sich bestimmt maßlos aufregen. Also besser nicht zeigen.

Der Brief, den Lilah ihr geschickt hatte. war leider ein wenig später eingetroffen als Lilah beabsichtigt hatte, denn Casio war zwar sehr verlässlich, wenn es um digitale Sachen ging, aber den nichtdigitalen Brief hatte er einfach vergessen. Bis er ihn durch Zufall beim Aufräumen gefunden hatte und ihn endlich mit verdammt schlechtem Gewissen abgeschickt hatte. Knapp sieben Wochen nach Lilahs Tod.

Buffy hatte den Brief mit der sie irritierenden Absenderin zögernd in die Hand genommen, als würde er eine Bombe enthalten, ihn vorsichtig entfaltet und dann endlich gelesen:

 

An Buffy Summers,

ich weiß nicht wie ich anfangen soll, denn an dem Tag, an dem Sie diesen Brief erhalten, werde ich schon tot sein.

Und ich hoffe auch, dass die Organisation von Wolfram & Hart zu diesem Zeitpunkt zerschlagen und tot sein wird, zumindest für eine gewisse Zeit. Denn solche Organisationen haben die Eigenschaft, wieder neu zu entstehen, solange auch nur ein winziges Bruchstück von ihnen noch existiert. Deshalb können wir nur hoffen, dass das nicht der Fall sein wird.

Ich kann Ihnen nur eines verraten: Sie wollen die Kinder. Sie haben Furchtbares mit ihnen vor. Ich habe keine Zeit, Ihnen die Einzelheiten zu schildern, weil ich mich nur kurz im Computersystem von W&H aufgehalten habe.

Die Kinder sollten zusammen aufwachsen, sie sollten sich kennen, denn das würde die Gefahr sofort verringern.

Ich weiß allerdings nicht, ob Spike es will.

Ich glaube, Spike hat im tiefsten Inneren noch Gefühle für Sie, er ist sich dessen aber nicht bewusst. Nach seinen Erzählungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass auch Sie irgendwelche wie auch immer gearteten Gefühle für ihn haben, was er allerdings strikt bestreitet.

Ich weiß nicht wie der Vampir Spike war, ich weiß nur, dass der Mensch Spike es nicht verdient hat, an der Nase herumgeführt zu werden. Falls Sie ihn also wiedergewinnen wollen, ich meine nicht nur wegen Ihres Kindes wiedergewinnen wollen, dann sollten Sie es wirklich ernst mit ihm meinen.

Lilah Pendrag

 

Pendrag. Das war Spikes wirklicher Name? Sie wusste so wenig von ihm.

Und jetzt musste sie Spike beibringen, dass die Kinder vielleicht immer noch in großer Gefahr waren. Vielleicht würde ihn das umstimmen.

"Ich glaube, ich weiß was sie wollen. Ich habe das Buch gelesen, diese Sage über König Artus. Die Namen stimmen: Gwydion und Morgan." sagte Buffy schließlich eindringlich zu Spike "Wenn es das ist, was ich meine, dann müssen wir sie beschützen. Unbedingt!"

"Ich hatte eigentlich nicht vor, zu bleiben", sagte Spike, der unsicher geworden war. Das war ein wenig gelogen, er wollte zwar nicht mit Buffy zusammensein, so wie ihr es anscheinend vorschwebte, aber in der Nähe seiner Tochter wollte er durchaus bleiben.

"Warum nicht, Spike?"

"Ich habe Angst davor. Ich könnte es nicht ertragen, wieder jemanden zu verlieren, den ich liebe. Nicht dass ich dich lieben würde... Lilah war..."

Lilah, Lilah, immer nur Lilah! Verdammt noch mal! Sie konnte es nicht mehr hören! Sie war so schön, so intelligent, so clever, so sanft, so zärtlich. "Diese Frau muss ein wahrhaftiger Engel gewesen sein." sagte Buffy ein wenig zynisch.

"Nein ein Engel war sie nicht, eher ein gefallener Teufel. So hat sie sich immer selber bezeichnet."

"Ironisch war sie also auch noch", stöhnt Buffy verzweifelt.

"Oh ja, fast so wie ich."

"Es reicht mir allmählich." Buffy ist wirklich verzweifelt. Sie ist eifersüchtig auf eine Tote. Dann überlegt sie, dass es wohl schlimmer ist, auf einen Lebendigen eifersüchtig zu sein als auf einen Toten. Was muss Spike empfunden haben, als sie ihm immer wieder ihre Liebe zu Angel unter die Nase rieb?

"Es gab mal ein Buch, ‚Vom Winde verweht’", Spikes Stimme klang brüchig und eintönig, "da ging es um einen Mann, der eine Frau, es war seine Ehefrau, so sehr liebte, dass es ihn fast zerstörte. Das Problem war, sie liebte einen anderen. Das war dumm, was? Sie liebte einen für sie Unerreichbaren. Ich will diese Liebe nicht mit deiner Liebe zu Angel vergleichen. Tatsache ist aber, dass die Liebe ihres Mannes irgendwann zu Bruch ging. ‚Gone with the wind’. Die Liebe war auf einmal weg, weg wie weggeblasen. Bei mir ist es eben ‚Gone with the death’."

Buffy glotzte ihn an und musste eine Weile überlegen, bevor sie antwortete. Dieser Idiot hielt sie wohl für kulturell total unterbelichtet. Na ja, zugegebenermaßen hatte sie sich früher nie für Literatur interessiert, außer vielleicht für Vampirgeschichten, aber während der letzten Monate ihrer Schwangerschaft hatte sie angefangen zu lesen.

Und sie hatte Gefallen daran gefunden. Sie las ohne Anleitung wie ein achtjähriges Kind alles, was es zu kaufen gab. Und sie hatte auch durch Zufall ein Buch gelesen über die Sage von König Artus und kam so auf den Namen Morgan the fairy, weil ihre Tochter auch so zierlich und klein war wie eine Fee.

"Da hast du aber was übersehen, mein Lieber", entgegnetet sie Spike.

"Was meinst du?" Nun war es Spike, der sie skeptisch anglotzte.

"Es gibt zu diesem Roman eine Fortsetzung", sagte Buffy triumphierend, "und die geht so: Er verlässt sie, aber sie schlafen noch einmal zusammen. Sie geht weg und bekommt das Kind. Er heiratet wieder, so einen richtigen Engel, oh entschuldige – einen richtigen gefallenen Teufel, wie DU anscheinend einen geheiratet hast – aber seine Frau stirbt. Am Schluss sind sie aber wieder zusammen. So ist es!"

Spike schweigt eine Weile. "Sie hat mich geliebt." sagt er dann leise.

Lilah, Lilah, schon wieder Lilah, Buffy regt sich wieder auf und schnaubt wütend: "Ich muss mit einer Toten konkurrieren!"

"Und ich soll mit einem Lebenden konkurrieren – obwohl Lebender ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck..."

"Ich habe mich verändert", sagt Buffy eindringlich, "das habe ich auch Angel gesagt. Ich habe es ihm schon in L.A gesagt, vor ein paar Monaten."

"Die Menschen verändern sich nicht. Das passiert nur in Reich und Schön."

"In was?"

"In Reich und Schön. Habe ich immer mit Lilah geguckt", Spikes Augen schauen von Buffy weg auf die Wand hinter ihr.

"Schon wieder Lilah. Allmählich glaube ich, du machst das mit Absicht. Weißt du was, Spike? Du bist nicht mehr der von früher", geht Buffy auf ihn los. "Früher da warst du mutig, du bist Risiken eingegangen. Du hast dich sogar an MICH rangetraut!"

"Oh, ich habe mich an eine Göttin rangetraut? Ach nein!" Spike wird allmählich sauer. "Und du weißt ja, was daraus geworden ist."

"Ich finde, es ist etwas sehr Schönes daraus geworden", sagt Buffy leise und deutet auf Morgan, die sich gerade in ihrem Gitterstall aufrichtet und von Spike zu Buffy und wieder zu Spike schaut.

Spike bekommt von Morgan ein Bild geschickt, auf dem er mit Buffy zu sehen ist, und zwar in enger inniger Umarmung, und er wird etwas nervös. Er weiß, dass dieses Bild aus Buffys Kopf stammt, und es wirkt so verdammt real.

"Lass das, Morgan!" sagt er.

"Was soll sie lassen?" fragt Buffy neugierig.

"Sie schickt mir ...Bilder."

Buffy lächelt, geht zum Gitterstall hin und nimmt Morgan auf den Arm. Sie schäkert mit ihrer Tochter und küsst sie auf die kleine Nase.

"Was macht denn klein Morgan mit ihrem Daddy?" fragt sie schelmisch. Morgan versteht natürlich kein Wort, aber sie fängt an zu lachen, streckt ihre Ärmchen aus und deutet somit an, dass sie zu Spike will.

"Ihr verdammten Weiber!" beschwert sich Spike, aber er nimmt Morgan auf den Arm, und sie umklammert seinen Hals und drückt ihren Mund an seine Wange.

"Das ist einfach unfair", beschwert Spike sich wieder.

"Bleibst du?" fragt Buffy eindringlich

"Das weiß ich noch nicht. Aber wenn du so viel Angst hast, alleine hier zu bleiben, dann kommst du eben mit nach L.A. Danach sehen wir weiter."

"Ooh", sagt Buffy erfreut.

Sie würde jede Menge Zeit haben, ihm ihre Befürchtungen mitzuteilen, und wenn er dann nicht bei ihr bleiben würde, dann... Ach was, er musste einfach bleiben.

"Sag mal Buffy, als du in L.A. mit mir geschlafen hast, das hättest du doch bestimmt für jeden guten Freund getan. Oder?"

"Ich glaube, allmählich wirst du wieder DERVONFRÜHER. Idiot!"

"Wenn ich bleiben soll, dann musst du aber ein bisschen netter zu mir sein. Also diese Beschimpfungen..."

"Ich werde netter sein. Entschuldige." Buffy reißt sich zusammen.

"Dann werde ich bleiben. Natürlich nicht für immer. Vielleicht für ein paar Wochen."

"Klar", meint Buffy und denkt insgeheim: Dich werde ich schon kriegen...

Seltsamerweise denkt Spike für einen kurzen Augenblick das gleiche – bevor ihn die Erinnerung an Lilah wieder überkommt.

 

E N D E?

 

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Spike träumte nicht von Lilah, obwohl er sich das mehr als alles andere wünschte. Wahrscheinlich beschäftigte er sich in seinem unbewussten ICH soviel mit ihr, dass die Träume, die vom Unterbewusstsein gesteuert werden, keinen Grund sahen zu kommen. Spike versuchte, die Träume mit Gewalt herbeizuzwingen, aber es funktionierte nicht. Stattdessen träumte er einen anderen seltsamen Traum.

Er war in einem Haus,  und er sah sich selber auf einem Sofa mehr liegen als sitzen. Er schien älter zu sein, denn er hatte schon silbernes Haar, was ihm aber gut stand. Im Gesicht sah er allerdings nicht sehr verändert aus.

Jetzt drehte sich der Blickwinkel, und ein aus Marmorsteinen gemauerter Kamin war zu sehen. Über dem Kamin hing ein gerahmtes Filmplakat, das einen gut aussehenden Mann in einem weißen Burnus darstellte. Der Mann war Spike, und er sah ungefähr so jung aus wie jetzt oder nicht viel älter.

Lässig angelehnt an den Kamin stand ein junger Mann, ein sehr großer, gut aussehender Mann mit dunklem lockigen, kurz geschnittenen Haar und mit sehr blauen Augen. Er hatte große Ähnlichkeit mit Spike. Und er unterhielt sich mit einer zierlichen jungen Frau.

Gwydion und Morgan, tatsächlich, sie waren es oder würden es sein werden, das war aber auch verzwackt... Jedenfalls hatten sie überlebt oder würden überleben. Seine beiden Kinder hatten es geschafft, und sie sahen nicht so aus, als hätte man ihnen etwas Fürchterliches angetan. Spike erkannte instinktiv, dass die Kinder sich selber schützen konnten gegen alles, was ihnen übel wollte. Sie brauchten nur einen guten Start.

Spike befielen natürlich sofort Zweifel, ob er, der ehemalige blutrünstige Vampir ihnen auch nur irgend etwas an Werten vermitteln konnte. Und Buffy? Die schon eher. Aber sie hatte so ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken...

Plötzlich hört er aus dem oberen Stockwerk ein Gepolter, gefolgt von dem Aufschrei: Ich ertrinke in meinen Schuhen!

Das kam Spike vage bekannt vor, dann erinnerte er sich: Zwei Nächte vor dem großen Kampf hatte er von vielen Schuhen geträumt und war davon aufgewacht.

Wieder änderte sich der Blickwinkel, und eine gewundene Treppe war zu sehen, die in den oberen Stock führte.

Das Regal ist wieder zusammengekracht, kreischte eine junge Stimme, und kurz darauf rutschte der Besitzer dieser jungen Stimme auf dem Handlauf des Geländers ins Zimmer herunter. Es war ein circa zwölfjähriger Knabe, der dies gekonnt bewerkstelligte, auf beiden Beinen sicher landete und ausrief: Yeahh!! Sie hat es wieder geschafft!

Hinter ihm kam jemand die lange gewundene Treppe herunter. Es war Buffy, auch sie war älter, vielleicht zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre älter, aber sie sah gut aus, sie trug eine Lesebrille und hatte ein Buch in der Hand. Sie setzte sich neben den zukünftigen Spike und wollte ihm wahrscheinlich etwas vorlesen, aber er ließ es nicht zu, sondern ergriff sie, setzte sie auf seinen Schoß und küsste sie auf den Mund.

Sie erwiderte seinen Kuss leidenschaftlich...

Auch das kam ihm vage bekannt vor, bis er realisierte wieso. Der Liebeszauber damals, Jahre her, als sie sich beide auf dem Sofa küssten...

Jetzt knutschen die schon wieder, hörte man eine junge Stimme.

 

Und der Traum oder die Vision wurde ausgeblendet wie eine Szene in einem Hollywoodfilm. Trotzdem war er noch nicht zu Ende.

 

Eine bekannte Stimme hinter Spike sagte: Es wird alles gut.

Spike drehte sich freudig um, um Lilah endlich zu sehen, aber hinter ihm war niemand, und Tränen stiegen ihm in die Augen, als er erkannte, dass sie nun in ihm war, genauso wie sie in Gwydion war. Für immer.

 

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Am Morgen danach erwachte ein doch recht bestürzter Spike. Einerseits war er getröstet worden, andererseits machten ihn die Visionen seiner kleinen Tochter ziemlich unruhig.

Es hatte alles so real ausgesehen, oder wird real aussehen, dachte er verwirrt. War dies vielleicht doch nur ein Traum oder war es eine mögliche Zukunft? Also, wenn es denn sein sollte – denn vielleicht stand die Zukunft fest wie die Vergangenheit feststand – dann würde er mitspielen müssen. Aber er würde es Buffy nicht leicht machen, er würde sie auf die Probe stellen. Er würde sie öfter auf die Probe stellen.

Am besten demnächst schon in Los Angeles.

 

ENDE

 

 

GONE WITH THE DEATH?  © Ingrid Grote 2003

 

 

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PS: Die Fortsetzung DlaEdF (Das Licht am Ende der Fahnenstange) ist noch irgendwo auf dem Server...