GONE WITH THE DEATH?

 

Teil 19

 

Sie klopfte an die Tür des Zimmers, keiner machte auf, sie klopfte noch einmal, lauter diesmal, aber es machte immer noch keiner auf.

Die Tür war nicht verschlossen. Sie ging hinein.

Es war dunkel im Zimmer, weil die Vorhänge zugezogen waren, und es roch nach Alkohol, nach Whiskey wie sie meinte. Er lag wie ein dunkler Schatten auf dem Bett und bewegte sich nicht.

"Hallo Spike", sagte sie vorsichtig und trat näher an das Bett heran.

Es dauerte eine Weile, bevor er reagierte. Er reagierte, indem er eine Hand über seine Augen legte, als wäre er geblendet.

"Spike?"

"Geh weg!" sagte er mit tonloser Stimme.

Allmählich gewöhnten sich Buffys Augen an das Dunkel im Zimmer, und sie konnte sein Gesicht deutlicher sehen.

Er hatte einen Dreitagebart! Sie hatte ihn noch nie mit Bart gesehen, vielleicht wuchsen bei Vampiren die Barthaare nicht, jedenfalls nicht so schnell, überlegte sie.

Er sah wild und gefährlich aus, wie ein Seeräuber. Aber vor allem sah er fremd aus.

Sie setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und berührte die Hand, die er über seine Augen gelegt hatte. Er zuckte zusammen und schlug sie weg.

Dann richtete er sich langsam auf.

Trotz der Dunkelheit im Zimmer konnte sie erkennen, wie blutunterlaufen seine Augen waren. Er stierte sie wortlos an.

"Spike?" sagt sie noch einmal fragend.

"Was willst du hier?"

"Ich wollte sehen wie es dir geht. Du hast einen Bart", sagte sie zusammenhanglos.

Dann berührte sie vorsichtig seine Stirn und war im ersten Augenblick verwundert, dass er nicht mehr so kühl war wie früher. Natürlich war er jetzt ein Mensch, aber er fühlte sich nicht besonders warm an. Das schien vertraut zu sein.

"Was willst du hier?"

"Ich dachte, ich könnte dir irgendwie helfen", stammelte Buffy nun, sie war verlegen wegen seiner mangelnden Teilnahme, es schien ihm alles egal zu sein.

"Kannst du nicht", er drehte sich zur anderen Seite.

Buffy war der Verzweiflung nahe, sie hatte erwartet, dass er zutiefst unglücklich war, aber mit dieser teilnahmslosen Apathie hatte sie nicht gerechnet.

Sie konnte ihn nicht einfach hier liegen lassen, bis er sich zu Tode soff. Sie musste ihn irgendwie wieder... zum Leben zurückbringen. Er hatte einen Sohn. Das war doch schon ein Grund weiter zu leben.

Buffy hatte Gwydion im Hotel Hyperion gesehen, er war so hübsch und lieb, er sah aus wie Spike, nur mit dunklem Flaum auf dem Kopf wie ein Entlein – sie hatte sich sofort in ihn verliebt.

"Ich trinke nicht, um betrunken zu werden", murmelte Spike vor sich hin", ich trinke, damit es mir hinterher schlecht geht. Ich bin schuld, dass sie tot ist."

"Du konntest nichts dafür", sagte Buffy entsetzt.

"Ich war glücklich. Ich habe mich von den Wichsern einlullen lassen", Spike stöhnte und atmetet tief ein. "Ich habe nicht auf sie aufgepasst."

"Spike, Liebster, du hast bestimmt auf sie aufgepasst. Aber es war eben nicht ... zu ändern."

Spike sagte nichts, sondern griff nach der Whiskeyflasche, die neben dem Bett stand und nahm einen kräftigen Schluck daraus.

"Hör auf zu trinken", sagte Buffy und fühlte, wie sie die Kontrolle über alles verlor. Er schien so abwesend zu sein, er schien so tot zu sein, so unglücklich, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte.

Bis sie schließlich einem Instinkt folgend ihre Jacke auszog, dann die Bluse, ihre Jeans und schließlich Schuhe und Strümpfe und den Rest auch noch – es war egal – bis sie nackt war.

"Spike, bitte Liebster", sagte sie flehend zu ihm, nahm ihm die Flasche aus der Hand – er leistete keinen Widerstand – stellte die Flasche auf den Boden, aber weit weg vom Bett und drückte dann seine Hände an ihre Brüste.

Er stöhnte auf, als er die Berührung spürte, er öffnete die Augen, sah ihre Nacktheit und in seinen Augen erwachte ein Funke von Leben. Ein winziger Funke, aber immerhin ein Funke. Von einem bisschen Leben. Un petit peu von einem Leben sozusagen.

"Was willst du hier?" fragte er zum drittenmal.

"Dich wieder lebendig machen", sagte Buffy und presste sich eng an ihn.

 

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Mehrere Stunden später kam Spike zu sich.

Er betrachtete die schlafende Buffy neben sich, sie sah total erschöpft aber auch entspannt aus. Er befreite sich vorsichtig von ihren Armen, die sie um ihn geschlungen hatte und hob vorsichtig ihr Bein hoch, das sie über seine Hüfte gelegt hatte. Sie sollte nicht aufwachen.

Dann erhob er sich und ging leise ins Badezimmer, wo er sich rasierte, was nicht einfach war mit dieser Menge von Bart, die er hatte.

Er starrte sein Spiegelbild an und war entsetzt. Dann ging er unter die Dusche und zog sich angeekelt seine Sachen wieder an. Er hatte nicht anderes da. Er musste sich unbedingt von Snikkers was Frisches bringen lassen.

Wieder im Zimmer nahm er leise, um Buffy nicht aufzuwecken, seine Fliegerjacke und verließ womöglich noch leiser das Zimmer.

Er ließ sich an der Rezeption einfach ein anderes Zimmer geben. Ferner gab er die mit einem Geldschein untermalte Anweisung, der Dame, die sich noch in seinem alten Zimmer befand, nicht mitzuteilen, dass er noch im Hotel war. Falls sie nach ihm fragen sollte.

 

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Eine Stunde später kam Buffy zu sich. Sie fühlte sich erschöpft aber auch entspannt, entspannt und befriedigt wie lange nicht mehr. Sie wollte nach Spike greifen, aber da war kein Spike mehr.

Vielleicht war er im Badezimmer.

Allerdings wurde ihr nach einer Weile klar, dass es dafür zu leise im Badezimmer war.

Zögernd stand sie auf und ging, immer noch nackt, ins Badezimmer.

Er war weg. Buffy legte sich wieder auf das Bett und wartete auf ihn.

Sie dachte über die vergangene Nacht nach. Es war grandios gewesen, es war befriedigend gewesen, überaus befriedigend, es war seltsam gewesen, überaus seltsam, Spike mit einem kratzenden Bart, der an ihren ganzen Körper zarte rote Streifen hinterlassen hatte. Sie würden schnell weggehen, aber jetzt waren sie noch zu sehen, überall an ihrem Körper.

Aber irgend etwas hatte gefehlt...

Buffy stöhnte auf. Er war auch brutal gewesen, er hatte zeitweilig nicht mehr gewusst, was er tat, aber sie hatte sich ihm bereitwillig unterworfen, vielleicht hatte sie doch eine masochistische Ader, die nur Spike in ihr wecken konnte.

Dann wurde sie rot, als sie genauer nachdachte. Er hatte ihren ganzen Körper in Besitz genommen, war in jede Öffnung ihres Körper eingedrungen. Buffy stöhnte wieder auf. Diesmal aus Verlegenheit.

Aber irgend etwas hatte gefehlt...

Bis ihr schließlich etwas bewusst wurde, was sie bis jetzt verdrängt hatte, und sie fing plötzlich an zu frösteln.

Er hatte ihren ganzen Körper mit seinem Mund berührt und bezwungen.

...Aber auf den Mund geküsst hatte er sie nicht.

Warum nicht? Buffy grübelte und kam endlich zu einem Ergebnis.

Er hatte ihr Liebesspiel als Betrug an seiner toten Frau angesehen und ihr deshalb diese Intimität verweigert. Wie furchtbar unglücklich musste er sein!

Buffy spürte, wie ihr Tränen die Wange herunterliefen.

Sie hatte nicht geweint, als Angel sie damals verließ.

Sie hatte nicht geweint, als Riley mit dem Hubschrauber abgeflogen war.

Nicht, als ihre Mutter gestorben war.

Nicht, als sie sich selber aus dem Grab wühlte.

Auch nicht, als Spike in der Höhle verglühte.

Aber jetzt weinte sie, als ob sich ein gordischer Knoten in ihr lösen würde. Sie weinte um alles, was sie im Leben je verloren hatte. Aber das war nicht mehr wichtig.

Denn vor allem weinte sie, weil Spike so unglücklich war.

Als er drei Stunden später immer noch nicht da war, verließ sie das Hotel und ging kurz bei Angel vorbei, der aber auch nichts über Spike wusste. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als nach Woodcape zurückzukehren. Schließlich hatte sie eine Tochter, die auf sie wartete.

Er würde vielleicht irgendwann zu ihr kommen. Das hoffte sie jedenfalls.

 

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Er steht am Strand und betrachtet den Sonnenuntergang. Ein kalter Wind weht, und dicke Regenwolken ballen sich zusammen, nichts ungewöhnliches im Dezember an der Küste vor Santa Catalina. Die blasse Sonne verschwindet hinter den Wolken. Der Sonnenuntergang findet nicht statt, zumindest nicht im sichtbaren Bereich...

Seine Gedanken kreisen um ihre letzten gemeinsamen Tage. Hatte er sie irgendwie verletzt, beleidigt, ihr nicht genug Beachtung geschenkt? Nein, er kann noch so viel grübeln, er hat nichts dergleichen getan. Ihre letzten gemeinsamen Tage waren harmonisch und glücklich.

Als es anfangt zu regnen, betritt er das Strandrestaurant, setzt sich an einen Tisch und bestellt einen Kaffee. Das Lokal ist fast leer, und von den wenigen Besuchern erkennt ihn niemand.

Er packt das Baby aus, das er in einem Babygurt und durch eine warme Decke vor der Kälte geschützt mit sich herumgetragen hat und setzt es behutsam auf seinen Schoß.

Er sollte ins Hotel gehen und ihn füttern, denn der Kleine hat aufgehört zu schlafen und fängt an zu krähen, was ein Zeichen für seinen Hunger ist.

Hilflos und liebevoll betrachtet Spike seinen Sohn. Auf Dauer muss er sich etwas einfallen lassen, er wird sich vielleicht irgendwo ein Haus kaufen und ein Kindermädchen einstellen. Jetzt wo die große Apathie verebbt ist und ihn stattdessen Schmerzattacken der Erinnerung überfallen, wenn er an seine Frau denkt, und er denkt immer an sie...

Der Kleine wird sie nie kennen lernen, wird mutterlos aufwachsen, und Spike weiß nicht, wie er damit fertig werden soll. Wenn er an die letzten vierzehn Monate denkt, muss er feststellen, dass es die glücklichsten seines Lebens waren, oder seines Unlebens – egal. Er hätte wissen müssen, dass es für ihn kein dauerhaftes Glück gibt, dafür hatte er zuviel Unheil angerichtet

Sie haben ihm die glücklichste Zeit seines Lebens geschenkt – und wieder genommen. Auch sie war kein unbeschriebenes Blatt , aber im Vergleich zu ihm war sie ein Nichts in Sachen Böses. Warum also hatte ausgerechnet SIE sterben müssen? Sie, die so liebevoll war und deren Glück ihn in den letzten Monaten so eingehüllt hatte, dass es zur gefühlsmäßigen Rückkoppelung kam und er sie wahrhaftig liebte, so liebte, dass er alle Anzeichen des Unheils übersehen hatte. Wie hatte er nur so blind sein können? Er war in die Falle getrapst wie ein Idiot, und sie hatte sterben müssen. Aber sie hatte es gewusst und sie hatte Vorkehrungen getroffen, um ihn und ihren gemeinsamen Sohn zu beschützen. Was für eine Frau!

Spike bereut immer noch, ihr damals erzählt zu haben, was er über den Himmel und über das Leben nach dem Tode denkt. Dass er an nichts glaubt, dass alles nur im Gehirn der Menschen existiert: Gott, der Himmel, die Engel und das Leben nach dem Tode.

Jetzt würde er sein Gefasel gern ungefaselt machen, jetzt hätte er es gern, wenn sie ihm aus dem Himmel zusehen würde, nein sie sollte vielleicht nicht immer zusehen, er erinnert sich an den – automatisch stöhnt er auf – total wahnsinnigen Abend, an dem Buffy gekommen war, um ihn zu trösten. Oh nein, was zum Teufel hatte er getan, aber er fühlte sich danach tatsächlich lebendiger, zum erstenmal seit Wochen. Aber er fühlte sich gleichzeitig auch beschissen, weil er seine Frau betrogen hatte, zwar nach ihrem Tode, aber Betrug ist Betrug.

Er greift, mit dem Kleinen im anderen Arm nach der Zeitung, die auf dem Tisch liegt.

Er stutzt, und seine Augen weiten sich. Die Schlagzeile und das Foto fesseln ihn sofort.

"Ach du heilige Scheiße", stöhnt er gequält. "Auch das noch!"

 

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Buffy saß in ihrer Zelle und grübelte darüber nach, was eigentlich passiert war. Aber sie konnte sich einfach nicht erinnern.

Diese wichtigen zehn Minuten, vielleicht wichtigen zwanzig Minuten waren aus ihrem Gedächtnis getilgt, als hätte man ein Videoband geschnitten und den Abfall weggeschmissen. Nein das war so nicht richtig, ihr Gedächtnisverlust war eher wie eine nicht aufgenommene Filmszene. Nur dass in ihrem Fall der Abfall oder die nicht aufgenommene Szene alles enthielt, was für ihr Weiterleben wichtig war. Möglicherweise sogar für ihr Überleben.

"Sie haben Besuch", sagte die Wärterin zu ihr und geleitete sie in den Besucherraum. Buffy wunderte sich, wer sie wohl besuchen kam. Alle, die sie liebten, waren doch schon da gewesen, Dawn, Willow, Xander, der extra aus Chicago gekommen war, Faith und Robin, sie alle waren sogar mehrmals da gewesen.

Einen winzigen Augenblick lang hegte sie die irrwitzige Hoffnung, dass es Spike wäre. Quatsch! Natürlich Quatsch! Ausgerechnet Spike, der sie unbedingt loswerden wollte nach dieser Nacht im Hotel.

Es war Angel! Angel war nicht schlecht. Zwar nicht so gut wie Spike, dachte sie, aber wer hätte jemals gedacht, dass Angel eines Tages nur die zweite Wahl für sie wäre. Trotzdem war sie dankbar, dass er gekommen war. Er war so vertraut. Nein nicht jetzt vertraut, er war der Vertraute ihrer Vergangenheit, als sie noch fast ein Kind gewesen war. Er war ihre erste große Liebe. Eine überwältigende erste große Liebe.

Blöderweise braucht auch eine überwältigend große Liebe einen Nährboden, vielleicht braucht sie einfach die Nähe der Liebenden, sonst wird so eine Liebe leicht abstrakt oder sie wird verklärt werden von den Beteiligten. Von den Liebenden. Eine Liebe, die sie sich nicht jahrelang in der Nähe bewährt hat ...blaablaaah. Buffys Gedanken verschwimmen, sie war noch nie ein großer Theoretiker gewesen. Das hatte sie mit Spike gemeinsam.

"Wie geht es dir?" fragte Angel sie leise, als sie hinter dem Gitter Platz genommen hatte.

"Den Umständen entsprechend", sagte sie und guckte an ihm vorbei, weil hinter ihm noch jemand den Raum betreten hatte.

Er war es. Er stand hinten an der Tür und schaute sie verlegen an. Seine jetzt dunkleren Haare waren zerzaust , und er trug eine Fliegerjacke aus dem ersten Weltkrieg – woher wusste sie das – und einen schwarzen Rollkragenpullover.

"Spike", murmelte sie.

Angel guckte ein wenig betreten. Er hatte sich einen netteren Empfang für sich vorgestellt, nun denn, er war wohl abgemeldet. Aber das war zweitrangig, denn sie waren schließlich hier, um sie hier rauszuholen.

 

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Sie konnten vorher schwer einschätzen, wie lange sie benötigen würden, um von Los Angeles nach Cleveland zu fahren. Spike hatte Angel gebeten mitzukommen und bei dem natürlich offene Türen eingerannt. Angel konnte schlecht mit dem Flugzeug reisen, also mussten sie mit dem Van fahren.

Spike entschloss sich, Gwydion mitzunehmen, denn er wagte es nicht, ihn zurückzulassen, obwohl er im Hotel Hyperion relativ sicher war bei Gunn, Cordelia und Wesley. Spike musste das wissen, denn er hatte die letzten drei Wochen dort gewohnt. Aber es war nur eine relative Sicherheit. Falls irgend etwas von W&H überlebt hatte, wäre es zu gefährlich, Gwydion in Los Angeles zurückzulassen.

Gwydion war jetzt fünf Monate alt, und er war zäh, Er würde die zweitagelange Fahrt im Van durch die Vereinigten Staaten aushalten. Es waren circa zweitausend Meilen. Spike entschloss sich, Snikkers zu bitten, mitzufahren. Drei Männern waren besser als zwei, und Snikkers hatte gerade nichts besseres zu tun.

Ab und zu mussten sie Pausen machen – nicht um auszuruhen, nein schlafen konnte man, während einer von den anderen fuhr, Angel fuhr natürlich in der Nacht, aber im Dezember sind die Nächte lang – nein, um irgendwo anzuhalten. Gwydion musste versorgt werden mit warmer Nahrung und anderen Sachen. So gesehen waren drei Leute optimal. Einer konnte sich immer mit dem Baby beschäftigen, wenn das Baby Langeweile hatte, und der Van, dessen Scheiben hinten verdunkelt waren, bot Platz genug für alle, sei es für Babysitter, sei es für Schlafende, oder sei es für schlafende Vampire.

Sie brauchten vierundvierzig Stunden, also keine zwei Tage, bis sie Woodcape erreichten.

Willow, die allein im Haus war, war nicht wenig verwundert, Angel und Spike zu sehen. Vor allem zusammen zu sehen. Snikkers, den sie nicht kannte, wurde freundlich aufgenommen.

Willow bot sich an, Gwydion zu füttern, zu baden und danach mit einer neuen Windel zu versehen. Gwydion war wie immer unwiderstehlich.

Spike schaute sie zwar skeptisch an, denn woher sollte Willow sich mit Babys auskennen, nahm aber dann ihr Angebot dankend an.

Willow zeigte ihnen die Gästebetten, die im Keller standen. Das Zimmer von Buffy war natürlich frei, und sie fragte Angel, ob er dort wohnen wollte.

Nach kurzem Zögern verneinte Angel, er wollte lieber in den Keller ziehen, das Sonnenlicht wäre manchmal zu grell für ihn. Also brachte Spike seine Tasche in Buffys Zimmer – mit einem seltsamen Gefühl, denn das war das erste Mal, dass er in Buffys Zimmer schlief, wenn auch aus anderen Gründen, als er sich jemals gewünscht hatte.

Das Zimmer sah irgendwie steril aus, es war kein Kleinmädchenzimmer mehr, aber es hatte noch keinen eigenen Stil.

Sie muss noch viel lernen, dachte Spike.

Das Bett duftete nach ihr, aber er konnte nicht mehr so gut riechen wie früher, deswegen war der Duft stark abgeschwächt. Vielleicht erinnert er sich auch nicht mehr so gut an ihn.

An der Wand hingen Bilder von Dawn und einem Kleinkind.

Auf einem Sessel lag, das wunderte ihn am meisten, die DVD von

THE BIG BAD THING

Nachdem sich alle geduscht und frische Sachen angezogen hatten, äußerten Spike und Angel den Wunsch, Buffy zu besuchen.

 

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"Du bist gekommen" sagte Buffy leise, als Spike, immer noch verlegen, näher kam.

"Kein Problem", sagte Spike.

Sie trug eine graublaue Jacke, wahrscheinlich Gefängniskleidung, die ihr absolut nicht stand. Ihre Kindlichkeit war ganz verschwunden. diese Süße, mit der sie den Männern – und Vampiren, wie Spike mit leichter Verbitterung dachte – den Kopf verdreht hatte, war einem neuen Aussehen gewichen. Sie sah, automatisch kam es ihm in den Sinn, ... mütterlich aus? Quatsch, das war wohl blödes Zeug, sie sah weicher aus als vor einem Jahr und zehn Monaten.

"Buffy, du musst uns genau erzählen, was passiert ist", unterbrach Angel diese ‚innige’ Begrüßung zwischen den beiden. Angel fühlte sich ziemlich an den Rand des Geschehens gedrängt, ein bisher unbekanntes Gefühl für ihn.

"Ich kann euch wirklich nichts sagen. Der Polizeibericht ist aufschlussreicher als alles, was ich weiß. Ich kann mich an nichts erinnern. Es ist alles weg, als wäre es nie passiert. Nein es war ja nie da..."

"Das ist schlecht." meinte Spike.

"Ich weiß nicht, ob ich ihn getötet habe."

"Buffy, du kannst doch keinen Menschen töten", versuchte Angel sie zu überzeugen.

"Ich weiß nicht", Buffy starrte vor sich hin. "Ich weiß nicht, Angel."

"Wenn du es nicht warst, werden wir es herausbekommen"; sagte Spike mit fester Stimme. "Ach was, du warst es nicht!"

 

Ende Teil 19

 

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Teil 20

 

Spike sah ein kleines Mädchen mit dunkelblonden lockigen Haaren, irgendwie wusste er, dass es ein Mädchen war, circa ein Jahr alt, das in einem Laufstall saß und als es ihn sah, auf das Gitter zukrabbelte, sich daran hochzog und ihm ein Ärmchen entgegenstreckte und sich mit dem anderen am Gitter festhielt.

Bei ihrem Eintreffen hatte er den Laufstall gar nicht wahrgenommen.

"Haben sie dich auch in den Knast gesteckt?" fragte Spike, dem das kleine Mädchen irgendwie vertraut vorkam, bis ihm einfiel, dass er ein Bild von der Kleinen in Buffys Zimmer gesehen hatte. Außerdem erinnerte sie ihn an die kleine Maggie von den Simpsons.

Einem Impuls folgend legte er Gwydion vorsichtig in den Laufstall und bettete ihn auf ein flaches Kissen.

"Du bist ja so klein und zierlich wie eine Fee", wandte er sich wieder dem kleinen Mädchen zu und nahm es auf den Arm. "Kennen wir uns irgendwoher?"

Ein undeutliches Bild erschien in seinem Kopf, und er sah sich selber, wie er vor einiger Zeit in Sunnydale ausgesehen hatte. Blond und bleich und mit seinem schwarzen Ledermantel... Das Bild gewann an Schärfe.

Unwillkürlich zuckte er zusammen.

Ein weiteres Bild tauchte auf. Er, Spike, nackt mit einem lüsternem Gesichtsausdruck...

So etwas sollte ein kleines Mädchen eigentlich nicht kennen. Aber würde sie es verstehen? Spike hoffte, nicht...

"Wir kennen uns also wirklich", murmelte er und drehte sich ratlos zu Dawn hin, die gerade den Raum betreten hatte und ihn begrüßen wollte. Sie wirkte sehr zurückhaltend, und Spike fragte sich, wo das gute Verhältnis geblieben war, das sie einmal miteinander hatten. Damals war er fast wie ein älterer Bruder für sie gewesen. Damals als Buffy tot war und er für Dawn sorgte.

"Hallo Spike", sagte sie, und es hörte sich irgendwie tadelnd an

"Hallo Dawn", sagte Spike ein wenig ratlos.

"Der ist aber süß!" rief sie aus und beugte sich über den Laufstall, um Gwydion näher in Augenschein zu nehmen.

Dawn schien nichts von dem zu bemerken, was zwischen ihm und der Kleinen vorging. Konnte es sein, dass nur er es empfinden konnte? Seltsam.

"Hast du dich schon mit Morgan angefreundet?" fragte Dawn ihn, "Das ist seltsam, mit Parkinson kam sie gar nicht zurecht. Das ist der Drecksack, der jetzt tot ist! Darf ich ihn mal nehmen?"

"Klar. Wieso Drecksack?"

"Ich weiß nicht, vielleicht Intuition... Sie sehen sich wirklich ähnlich!" behauptete Dawn, nachdem sie Gwydion eine Weile im Arm gehalten hatte. Gwydion verhielt sich wirklich vorbildlich. Er lächelte Dawn an, und sie war sichtlich bezaubert von seinen strahlend blauen Augen.

"Äääh, wie bitte?" Was konnte sie meinen?

"Ach bitte Spike", Dawns Stimme klang verärgert, "es ist unter Geschwistern ab und zu der Fall, dass sie sich ähnlich sehen.

Unter Geschwistern? Spike fühlte sich allmählich, als würde das Zimmer um ihn verschwimmen, dazu sah er ein weiteres Bild aus der Vergangenheit, den Kellerraum im Summers-Haus am letzten Abend vor der großen Schlacht, als er und Buffy sich gegenüber standen und dann ... Er sah sich selbst und wie verlegen er gewesen war. Genauso wie sie. Sie hatten sich gegenseitig so viele Dinge angetan und so viele Gemeinheiten an den Kopf geworfen, dass keiner sich traute, seiner Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Sie hatten wirklich Angst. Und diese Begegnung war ein reiner Eiertanz, Spike musste unwillkürlich lächeln, Eiertanz im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte daraus geschlossen, dass sie ihn nicht liebte. Da war nichts mehr von der Leidenschaft, die sie einmal miteinander geteilt hatten. Sie hatten sich beide stark zurückgehalten.

Das Bild verblasste, und er kam zurück aus der Vergangenheit.

"Dieses Kind...", Spike wandte sich fragend an Dawn.

"Ist deine Tochter, du Blödmann. Hat Buffy es dir nicht gesagt? Als sie in L.A. war?"

"Nneeiin. Sie war nicht bei mir..." Spike überlegte, ob Lilah es gewusst haben könnte, verwarf den Gedanken aber sofort wieder, weil Lilah und er immer ehrlich zueinander gewesen waren. "Warum hat sie es mir nicht gesagt?"

"Du wolltest ja nichts mit ihr zu tun haben", sagte Dawn anklagend, "sonst hättest du dich ja vielleicht hier gemeldet? Oder bist du jetzt zu berühmt, um dich an sie zu erinnern?"

"Bin ich nicht!"

Er hatte eine Tochter! Noch dazu eine, die eine telepathische Verbindung mit ihm herstellen konnte. Ob es auch umgekehrt funktionieren würde?

Dem Himmel sei Dank, dass es in dem Hotelzimmer vor ein paar Wochen relativ dunkel gewesen war, dachte er erleichtert.

 

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Die Fakten waren:

Die Polizei erhielt am Abend des 10. Dezember einen Anruf. Jemand beschwerte sich über den Lärm im Nachbarhaus und behauptete, einen Schuss gehört zu haben.

Die Polizisten, die zur angegebenen Adresse fuhren, fanden daraufhin Miss B.A.Summers vor, die benommen auf der Couch saß, und neben ihr einen Revolver, der ihre Fingerabdrücke aufwies.

Im Flur vor dem Kinderzimmer lag ein Toter, Thomas Parkinson, der an einer Schusswunde gestorben war, wie sich bei der Obduktion herausstellte. Außerdem hatte er eine Stichwunde am Hinterkopf, die von einem hölzernen Pflock stammte, der neben dem Toten lag.

Zum Zeitpunkt seines Todes war außer Miss Summers niemand sonst im Haus. Und ihr Baby natürlich.

Miss Summers gab an, sich an nichts erinnern zu können.

Ja, sie habe in letzter Zeit öfter Streit mit dem Getöteten gehabt.

Ja, sie hatte Schluss mit ihm gemacht, als sie von einer Reise nach L.A. zurückkam, aber er ließ sich nicht so leicht abwimmeln.

Ja, er wollte vorbeikommen, um sie zu überreden, ihre Beziehung wieder aufzunehmen. Aber wie der Besuch verlaufen war, behauptete sie, daran habe sie absolut keine Erinnerung.

Die Tat erwies sich im nachhinein als besonders grausam und abscheulich. Thomas Parkinson war nämlich schon bewusstlos, wahrscheinlich durch Einwirkung des Pflocks auf seinem Hinterkopf, als er durch einen Schuss getötet wurde...

Miss Summers wurde in Untersuchungshaft genommen.

 

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Das waren die Fakten. Spike zweifelte an, dass Buffy fähig gewesen war, einen Menschen zu töten. Was war passiert? Und warum konnte sie sich nicht erinnern?

Hatte dieser Parkinson vielleicht Morgan etwas antun wollen. Aus Rache vielleicht, weil Buffy ihn verschmäht hatte.

Spike hielt sie für durchaus fähig, jemanden mit dem Baseballschläger oder mit dem Pflock einen überzubraten. Aber dass sie fähig war, jemanden zu erschießen, das glaubte er eigentlich nicht.

Aber wie zum Teufel war es dann gelaufen? Die Untersuchungen waren mittlerweile beendet, es gab keine neuen Erkenntnisse mehr.

Spike hörte ein Geräusch aus dem Kinderzimmer, wo Morgan gerade aufgewacht war und angefangen hatte zu krähen.

Spike liebte Morgan. Er sah in ihr die Tochter der Frau, die ihn nie geliebt hatte, aber er hatte das Gefühl, dieses kleine Mädchen würde ihn wirklich und wahrhaftig lieben können, wie seine Mutter es nie getan hatte und nie tun würde.

Gwydion und Morgan, was für Kinder – eigentlich konnte er sich glücklich schätzen. Wenn nur Lilah nicht... Er verdrängte den Gedanken.

Er nahm Morgan auf den Arm und sprach automatisch seine Sorge aus, dass Buffy, er nannte sie in Gedanken ‚deine Mommy’, wohl hinter Gittern bleiben würde, wenn nicht irgend etwas sie entlasten würde. Gab es in Ohio die Todesstrafe? Spike war schwer beunruhigt. Und Morgan sah ihn neugierig an.

Plötzlich erschien in seinem Kopf ein seltsames Bild.

Ein Mann beugte sich über ihn, man konnte wirklich sagen, ein gutaussehender Mann, Pierce Brosnan-Typ. Seine Arme kamen auf ihn zu. Sein Gesicht war verzerrt und er sah wütend aus. Eine ihm bekannte Stimme schrie: lassielodumikkel.

Er sah Buffy hinter dem Mann stehen, sie hatte den rechten Arm erhoben und hieb irgend etwas auf den Hinterkopf des Mannes, der daraufhin ächzend aus dem Bild verschwand und wahrscheinlich zu Boden ging. Buffy beugte sich mit besorgtem Gesicht zu ihm herunter und sagte Morgan, meinssats essissaus. Sie sagte das tröstend. So vom Tonfall her.

Spike war verblüfft. Er wusste jetzt, dass er mit Morgans Augen sah, was sich an diesem Abend abgespielt hatte. Und mit ihren Ohren hörte. Es war leider nicht sehr aufschlussreich. Ihr visuelles Gedächtnis war natürlich bei weitem besser als ihr akustisches. Man kann sich wohl schlecht Worte einprägen und hinterher exakt wiedergeben, die man als Einjährige nicht versteht.

Du bist wirklich ein Wunder, kleine Morgan. Mach weiter, dachte Spike aufmunternd.

Dunnutte veddammenutte. Diese Stimme war neu. Sie hatte einen ätzenden Unterton und klang wie ein Fass voller Giftmüll.

Morgan sah ihn wie es schien triumphierend an, und weitere Bilder erschienen. Diese erschienen sozusagen in Zeitlupe:

Buffy hatte sich zu der Stimme umgedreht, man hörte ein Zischen und sah dann, wie sie sich hilflos über die Augen strich, dann die Augen verdrehte und nach unten aus dem Bild fiel.

Ein neuer Kerl erschien vor Morgans Bett, ein unangenehmer Typ, der aussah wie ein Frettchen, ein kleiner Kerl mit spitzen Zähnen, einer spitzen Nase und mit kleinen boshaften Augen.

Das Frettchen beugte sich über Morgans Bettchen und zischelte: wimachenessgansannes.

Danach hörte man Geräusche, als ob jemand irgend etwas aus dem Zimmer schleifte. Kurz danach ertönte ein Schuss. Dann gab es keine Bilder mehr, denn Morgan hatte wohl Angst bekommen und die Augen zugemacht.

Hatte dieser Parkinson etwa einen Komplizen gehabt, fragte sich Spike. War es möglich, dass sie auf das Kind aus waren, genauso wie sie auf Gwydion aus waren.

Was hatten Gwydion und Morgan gemeinsam? Blöde Frage. Er war der Vater von beiden. Konnte es wirklich möglich sein, dass ... W&H dahinter steckten? Und was wollten sie da-

mit erreichen?

Möglicherweise wollten sie die Mutter des Kindes ins Gefängnis stecken, es gab keinerlei erziehungsberechtigte Verwandten, wenn Buffy aus dem Weg geschafft war, Dawn war zu jung, es gab keinen Vater – Spike fühlte einen Stich von Schuldbewusstsein – und W&H hätten sich mit Leichtigkeit das Kind aus der staatlichen Fürsorgestelle aneignen können. Auf ganz legale Art und Weise.

Dann fiel Spike Buffys Vater ein, der in Los Angeles lebte. Vermutlich wusste der noch nicht mal, dass seine Tochter ein Kind hatte.

Aber auch den hätten sie mit Leichtigkeit ausgeschaltet. Wirklich ein perfider Plan. Das Frettchen musste ein großer spontaner Stratege sein.

"Daaddiii!" brabbelte Morgan ihn an. Spike war gerührt. Soviel er wusste, war das eines der ersten Worte, die Morgan sprach. Buffy hatte wohl viel an ihn gedacht. An den Daddy ihres Kindes gedacht, verbesserte er sich.

"Ja, ich bin dein Daddy", er strich mit dem Finger über Morgans winzige Nase, die so klein und vollkommen war wie die einer Fee, "und ich schwöre dir, wir werden Mommy da rausholen."

 

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Spike besprach sich mit Angel. Angel war ein Detektiv, genauer gesagt ein Vampir-Detektiv und somit vielleicht besser als Spike geeignet, in dieser Sache zu ermitteln. Spike teilte Angel genau das mit, was er von Morgan an Bildern erhalten hatte.

"Womit hat dieses Frettchen sie wohl angesprüht?" fragte er Angel.

"Das ist bestimmt etwas aus der Suppenküche von W&H", sagte Angel ärgerlich, "und es ist bestimmt ein Stoff, der ein Amnesie hervorruft. Dann ist es kein Wunder, dass sie sich an nichts mehr erinnert."

"Aber wie sollen wir es beweisen?"

"Dieser Typ, dieses Frettchen muss ein Komplize von diesem Parkinson gewesen sein. Wo hat der Typ gewohnt. Wir werden es schon rauskriegen. Buffy müsste es wissen. Oder Dawn. Vermutlich wohnt das Frettchen im gleichen Hotel wie der Verblichene."

"Du meinst, wir sollen ihn beschatten?" fragte Spike.

"Das wird nicht viel bringen", sagte Angel nachdenklich, "nein wir müssen sein Zimmer untersuchen. Vielleicht finden wir dann Rückstände von diesem Spray. Oder besser noch das Spray selber."

"Vorher müssten wir allerdings nachweisen, dass dieses Spray an Buffys Kleidung und vielleicht auch auf dem Teppich im Kinderzimmer vorhanden ist." sagte Spike, der somit bewies, dass er mitdachte.

"Und wir müssten eine chemische Untersuchung anstrengen, die beweist, dass dieser Stoff eine Amnesie zur Folge hat." Angel wirkte nachdenklich.

"Wir müssten irgend etwas finden, das eine Verbindung mit W&H feststellt. Egal ob es sich um Parkinson oder um das Frettchen handelt."

"Vielleicht ein Scheck" sagte Angel, "oder irgend ein anderes Dokument."

"Na, dann lass uns mal loslegen."

 

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Seltsamerweise waren Spike und Angel ein perfektes Team – das mochte wohl an ihrer Blutsverwandtschaft liegen oder an der Aufteilung zwischen Mensch (mittlerweile) und Vampir – obwohl sie sich sonst nicht mochten, aber mittlerweile waren sie einen Waffenstillstand eingegangen. Ehrlich gesagt war die Abneigung zwischen ihnen schon mal größer gewesen. Eigentlich verstanden sie sich ganz gut, denn schließlich war Spike der einzige, der Angel in der Vergangenheit gekannt hatte und wusste, was es bedeutete, ein Vampir zu sein. Umgekehrt war es natürlich genauso. Und vielleicht würden sie irgendwann einmal Freunde sein können.

Angel mietete sich in dem Hotel ein, in dem Parkinson gewohnt hatte. Spike postierte sich in der gegenüberliegenden Snack-Bar und beobachtete, ob das Frettchen vielleicht das Hotel verließ, denn er wohnte tatsächlich dort, das hatten sie durch den Portier erfahren.

Nach zwei Stunden kam das Frettchen endlich aus dem Hotel heraus und stieg in ein Taxi.

"Er ist weg. Du kannst loslegen." Mit diesen Worten übers Handy informierte Spike seinen Großvater Angel, und der fing an, unauffällig, in das Zimmer des Frettchens einzubrechen, was für einen Detektiv keine großen Schwierigkeiten bedeutete.

Nach einer halben Stunde winkte Angel Spike von seinem Hotelzimmer aus zu und bedeutete ihm hiermit, rüber ins Hotel zu kommen. Dieser Aufforderung kam Spike natürlich gerne nach.

"Ich habe etwas gefunden", sagte Angel bedeutungsschwer, "und zwar nicht nur das Spray – ich habe es natürlich nicht angerührt – sondern auch eine Visitenkarte von W&H, Sektion Chicago. Diese Mistkerle haben noch eine Filiale in Chicago."

"Das ist verdammt nahe von hier", sagte Spike besorgt.

"Bedrohlich nahe. Ich schätze mal, sie suchen die Nähe zum Höllenschlund. Gut, was fangen wir damit an? Wir müssen ihren Anwalt informieren. Dieses könnte eine ganz neue Beweislage sein."

"Manchmal wünschte ich, ich hätte Jura studiert", gab Spike zu. Und hatte im gleichen Augenblick einen Gedanken, der sein Leben verändern würde.

Um irgend jemanden in Not helfen zu können, war es in diesem Lande notwendig, des Rechtswesens kundig zu sein, dachte er sarkastisch. Warum also sollte er nicht Jura studieren? Diesen furztrockenen Stoff, diesen rein amerikanischen Stoff mit seinen verstaubten Präzedenzfällen, die zu auweia... wie viel Prozent die Grundlage des amerikanischen Justizsystems bildeten?

Nebenbei wäre das auch eine schöne Buße für einen Exvampir, dachte Spike weiter, aber nun belustigt. Es wäre so absolut nicht sein Geschmack, diesen Mist zu lernen!

Aber Lilah wäre begeistert. Spike spürte es. Er würde in ihre Fußstapfen treten und ihr nahe sein, auch nach ihrem Tode.

"Du und Jura?" Angel war wirklich verblüfft.

"In diesem großen weiten Land kann man sich manchmal recht verlassen fühlen ohne Rechtsbeistand", sagte Spike nachdenklich zu Angel. "Ich mach es!"

"WAS machst du?" fragte Angel ungläubig.

"Ich werde Anwalt."

"Uuii...", sagte Angel.

"Aber erst mal werden wir DIESEN Fall erledigen. Wir sprechen mit Buffys Anwalt, und wenn der nichts machen kann, dann nehmen wir uns eben den besten Anwalt, den es in den Staaten gibt."

Angel stimmte ihm zu. Er war sichtlich beeindruckt von diesem neuen Spike.

 

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Spike wollte eine Kaution stellen, um Buffy erst mal raus aus der Untersuchungshaft zu bekommen, aber das zog sich hin.

Dann auf einmal kam Schwung in die Sache. Es hatten sich neue Anhaltspunkte ergeben, die den Verdacht erhärteten, dass ein gewisser Freddy Wissel, dessen Fingerabdrücke am Abzug der Tatwaffe waren, während Miss Summers Fingerabdrücke nur am Lauf der Tatwaffe zu finden waren, die Tat begangen hatte.

Ferner wurde in F. Wissels Hotelzimmer ein Spray gefunden, dessen Wirkung nachweislich einen zeitlich begrenzten, dafür aber unauslöschlichen Gedächtnisschwund verursachte. Dieser Stoff wurde auch in Miss Summers Kleidung und auf dem Teppichboden im Kinderzimmer des Tathauses (amtsamerikanisch) nachgewiesen.

Ferner wurde festgestellt, dass F. Wissel ein freier Mitarbeiter der W&H-Filiale in Chicago war, wie zwei Schecks, die man in seiner Brieftasche fand, einwandfrei feststellten.

Freddy Wissel war sich seiner Sache zu sicher gewesen. Niemand hatte ihn gekannt, und er hatte (zu Buffys Glück) sträflich dämlich gehandelt.

Der tote Thomas Parkinson war ein fester Angestellter der Mutterfirma W&H in Los Angeles gewesen. Er diente ihnen als Spion. Natürlich war er nie ein Wächter gewesen, er besaß nur die Varianten der Wächtertagebücher von W&H.

Beide Männer hatten sich gekannt, wie das Hotelpersonal bezeugen konnte.

Freddy Wissel gab schließlich die Tat zu, aber zu seinem Motiv schwieg er, und es war auch nichts aus ihm herauszubekommen. Vermutlich hatte er gewaltige Angst vor W&H.

Man konnte wirklich sagen, ohne Spike und Morgan würde Buffy immer noch im Gefängnis schmoren. Erst als Spike auf diese seltsame Art mit seiner Tochter – und diese Art der Kommunikation war einmalig – kommuniziert hatte, wurde das Verbrechen aufgeklärt.

Zwei Tage später war Buffy frei.

 

 

Ende Teil 20  GONE WITH THE DEATH?  © Ingrid Grote 2003

 

 

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