GONE WITH THE DEATH?

 

Teil 15

 

"Ich habe viel selbstsüchtiges Zeug erzählt bei unserem letzten Treffen. Von wegen auf dich warten. Aber eigentlich habe ich dich damals verlassen, um dir ein neues Leben zu ermöglichen. Und dann reagiere ich so... beleidigt, als ich das mit Spike erfahre. Ich wollte nicht, dass noch ein Vampir dir etwas antut. Obwohl Spike eigentlich kein Schlechter ist, abgesehen vor der Vampirsache natürlich, eigentlich habe ich ihn immer beneidet um seine Fähigkeit zu lieben. Das konnte ich als Angelus nicht. Buffy, du wirst nicht jünger, du solltest dir jemanden suchen, der dich lieben kann, ohne gleich böse zu werden. Ich werde nicht auf dich warten." Angel tut das Herz weh, als er das sagt.

"Ich habe ein Kind von ihm."

"Was? Von wem?"

"Von Spike. Am Tag vor dem großen Kampf haben wir miteinander geschlafen."

Ach... ach Buffy, irgendwie weißt du auch nicht, was du willst. Ich war gerade weg aus Sunnydale, da schläfst du mit ihm. Ich fasse es nicht."

"Es ist passiert, und ich bin froh drüber. So hatte ich wenigstens etwas von ihm. Nachdem ich ihn in den Tod geschickt hatte."

"Er ist freiwillig in den Tod gegangen. Und er ist jetzt wieder da, und zwar als Mensch."

"Jaaa..." Buffy starrt vor sich hin.

"Warum ist er nicht zu dir gekommen, wenn er dich so sehr geliebt hat?"

"Ich weiß es verdammt noch mal nicht!" Buffy sieht ihn an, als wollte sie ihn schlagen.

"Ich fasse es nicht! Ein Kind von Spike?"

"Was regst du dich auf? Du hast doch auch einen Sohn, und dann noch von Darla. Keiner hielt es für nötig, mich darüber zu informieren. Also hat es mich wohl nicht zu interessieren", sagt Buffy säuerlich.

"Er ist zwar mein Sohn, aber seine Mutter habe ich nicht geliebt, wenn du das meinst."

"Was ich damit meine ist, dass ich dich überhaupt nicht kenne. Diese ganzen Jahre in Sunnydale habe ich mir ein Bild von dir gemacht, und jetzt stellt sich heraus, dass du sehr wohl ohne mich leben kannst. Gut ohne mich leben kannst. Aber mir Vorwürfe machen..."

"Ich habe mich gesorgt. Weißt du, Spike war kein Heiliger..."

"Du etwa? Ich habe nicht gewusst, wie viel er mir bedeutet. Seine Anwesenheit war so... selbstverständlich, und ich habe immer auf ihm herumgetreten, sogar hinterher noch, als er eine Seele hatte und am Boden zerstört war. Er brachte meine schlechte Seite an Licht, ich kann es nicht länger leugnen, ich bin auch dämonischen Ursprungs. Zumindest meine Kräfte sind es. "

"Warum also lässt er sich nicht bei dir blicken?"

"Das muss was anderes dahinterstecken. Seine Liebe, das habe ich erst später erkannt, hat mich die letzten zwei Jahre in Sunnydale ertragen lassen, aber nein, ich musste ja auf ihm rumhacken."

"Das heißt also, dass du mich nicht mehr liebst."

"Manchmal reicht Liebe einfach nicht aus. Und du, kennst du mich überhaupt? Du hast dir auch ein Bild von mir gemacht..."

"Natürlich kenne ich dich, Buffy. Sonst würde ich dich nicht lieben..."

"Ich habe wochenlang mit Spike geschlafen, bevor er eine Seele hatte. Was sagst du dazu? Passt das in dein Bild von mir?"

"Ich... ich bin entsetzt, Buffy, wie konntest du nur? Ausgerechnet mit Spike! Mit dem Vampir Spike!" In Angels Augen stehen Tränen.

"Ohja, hack’ nur auf ihm herum! Ich glaube, du hasst Spike mehr als alles andere auf dieser Welt. Warum nur?"

"Er ist ...war ein Vampir, und er hat Jägerinnen getötet."

"Als Angelus hätte dich das doch freuen müssen", sagt Buffy sarkastisch. "Aber schon damals wolltest du ihn niedermachen."

"Er hat mich foltern lassen", wieso hat Angel das Gefühl, sich für seine Abneigung gegen Spike verteidigen zu müssen.

"Wie viele Leute hast DU denn gefoltert? Unter anderem die teure Drusilla. Ich weiß noch genau, was du mir vor ein paar Jahren auf meine Frage nach ihr geantwortet hast. Du hast als erstes eine Gegenfrage gestellt: LIEBST DU MICH? Das hast du mich gefragt. Ich habe ‚JA’ gesagt, und dann hast du mir die Geschichte mit Drusilla erzählt." Buffys Stimme nimmt einen hysterischen Klang an. "Als ob meine Liebe zu dir die totale Absolution auf alle deine Sünden wäre."

"Es war falsch von mir, dich so unter Druck zu setzen. Aber ich hatte Angst vor deiner Reaktion."

"Spike hatte diese Möglichkeit nicht – das mit der Liebe, die alles entschuldigt. Er hatte nie diese Möglichkeit, meine Verzeihung zu erlangen. Er hatte meine Liebe nicht. Damals..."

Nach kurzem Zögern fährt Buffy fort: "Aber er hatte auch nie Angst vor meiner Reaktion. Er hat mir immer die Wahrheit gesagt. Er war der einzige, der mich mit all meinen Fehlern akzeptiert hat. Und er hat sich so verzweifelt bemüht, auch als er noch keine Seele hatte, von mir geliebt zu werden. Und ich habe..." Buffys Stimme bricht ab.

"Liebst du ihn?" fragt Angel schwer beunruhigt

"Ja, aber anders als dich. Und ich weiß nur, dass ich mich in all den Jahren verändert habe. Als wir beide zusammen waren, da war ich siebzehn, eigentlich noch ein Kind. Wenn ich dich mit einundzwanzig kennen gelernt hätte, hätte ich mich wahrscheinlich nicht so hoffnungslos in dich verliebt."

"Sag’ so etwas nicht." fleht Angel sie an.

"Es stimmt aber. Und du hast ja auch mittlerweile ein enges, wie soll ich sagen... Verhältnis zu Cordelia. Könntest du sie einfach verlassen, wenn ich mich jetzt im Augenblick entschließen würde, mit dir zusammen zu sein?"

"Ich weiß nicht", stammelt Angel unentschlossen.

"Na also. Ich werde zu Spike gehen und ihm von dem Kind erzählen."

"Tu das nicht. Du könntest eine Enttäuschung erleben."

"Ich muss es tun!"

Mit diesen Worten verließ Buffy energisch Angels Zimmer.

Angel blickte seufzend auf die Los Angeles Gazette, die er unauffällig auf einen Stuhl gelegt hatte, als Buffy hereingekommen war. Sie sollte die Zeitung besser nicht sehen. Oder vielleicht doch? Aber jetzt war es dafür zu spät.

Die Lokalseite der Gazette war aufgeschlagen, und darauf waren drei Fotos zu sehen, ein großes und zwei kleine.

Auf dem großen sah man Spike und Lilah engumschlungen bei einem Strandspaziergang bei Longbeach. Spike trug eine army-olivefarbene Cargohose und ein weißes ärmelloses, weit ausgeschnittenes Shirt, Lilah trug fast das gleiche Shirt, aber über Shorts.

Auf einem der kleinen Fotos trug Spike Lilah auf seinen Armen, während er barfuß durch den nassen Sand ging. Auf dem anderen kleinen Foto standen beide eng einander zugewandt und küssten sich. Es war offenkundig, dass beide verdammt gute Laune hatten.

Auf allen Fotos war zu erkennen, dass Lilah merklich zugenommen hatte, und wer das noch nicht erkannt hatte, der wurde schließlich durch die Überschrift ‚Gibt es bald Nachwuchs bei Bill und Leela?’ mit der Nase drauf gestoßen.

Angel seufzte noch einmal.

Wie würde Buffy darauf reagieren?

 

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Wiederum horchten die Abhörer der aufgezeichneten Bänder, die nunmehr von den Wanzen im Hotel Hyperion stammten, auf.

Endlich mal eine und was für eine Information über Spike und die Jägerin! Nämlich, dass sie gemeinsam ein Kind hatten. Das war nicht nur interessant, sondern DIE wirklich entscheidende Information, es war der Durchbruch, endlich, und man gab es sofort an die maßgeblichen Stellen weiter. Bis jetzt hatten W&H sich nicht viel um Miss Summers gekümmert, denn Jägerinnen gab es jetzt viele. Außerdem war ihnen wohl entgangen, dass Miss Summers am Ende doch noch eine sexuelle Beziehung mit Spike hatte. Damit hatte keiner gerechnet, und in dem Chaos in Sunnydale hatten die Spione letztendlich versagt.

 

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Buffy nahm sich ein Taxi und fuhr zu der Adresse, die auf der Visitenkarte stand, die sie von Angel erhalten hatte.

Eine gutaussehende junge Frau mit langen lockigen braunen Haaren machte ihr auf.

Sie war offenkundig schwanger, so im siebten Monat, schätzte Buffy, die nach einer kurzen sprachlosen Pause die Frau wiedererkannte. Es handelte sich um diese ausgeflippte Leela-Person, mit der Spike das Duett gesungen hatte. Damals schon hatte Buffy ein ungutes Gefühl gehabt, als sie diese beiden auf der Bühne sah. Die Frau war offenkundig in ihn verliebt, Spike konnte man schwerer durchschauen als sie, aber in seinen Augen war große Zuneigung und auch Sorge zu sehen gewesen.

Buffy stieg das Blut ins Gesicht, als sie es kapierte. Sie wandte sich um und wollte wieder gehen, aber die junge Frau sprach sie an.

"Sie sind Buffy, nicht wahr."

"Woher kennen sie mich?" stammelte die so Angesprochene.

"Ich weiß es nicht. Aber sie müssen es sein."

"Ist Spike da?"

"Nein, er ist in Pasadena bei einem Phototermin."

"Das ist gut", meinte Buffy erleichtert. Jetzt Spike gegenüberzutreten und dazu noch in Gegenwart seiner schwangeren Freundin, sie wäre lieber gestorben, als das zu erleben.

"Kommen Sie doch herein", bat Lilah, der auch nicht wohl ums Herz war, die Fremde.

"Nein, es ist ... eigentlich nicht so wichtig", sagte Buffy

"Soll ich ihm etwas ausrichten?"

"Nein, nein", stammelte Buffy. "Ich wollte nur wissen, wie es ihm geht. Er ist ein Mensch nicht wahr?"

"Natürlich ist er ein Mensch", sagte Lilah zärtlich. "War er das nicht schon immer?"

"Ooooh... Jaa. Da haben sie recht", sagte Buffy verzweifelt, denn sie wusste nicht, ob diese Leela-Frau über Spike voll informiert war. Vielleicht wusste sie ja gar nichts über den Vampir Spike.

"Ich weiß es, Buffy." Lilahs tiefe angenehme Stimme unterbrach ihre Gedanken.

"Das ist... äääh gut. Dann kann ich ja gehen. Sagen Sie am besten nichts zu Spike!

"Wirklich nicht? Aber warum nicht?"

"Er würde sich nur aufregen. Es ist besser so", sagte Buffy leise. "Schwören Sie mir, dass Sie ihm nicht sagen, dass ich hier war!"

"Ich schwöre es", sagte eine recht verwirrte Lilah und fügte hinzu: "Wir werden heiraten, ich sollte ihn eigentlich nicht belügen."

"Ich will nicht, dass Sie ihm etwas sagen!" Buffy blickte wie betäubt vor sich hin, nickte Lilah kurz zu und trat den Rückzug an. Sie lief die ganze Strecke bis zum Hotel Hyperion, es war ein windiger Tag, windig genug, um das Gehirn zu erfrischen und klare Gedanken zu fassen. Es war ein ziemlich windiger Tag für Mitte Mai.

Sie brauchte fast zwei Stunden für den Weg ins Hotel. Dem Himmel sei Dank, war keiner der Bewohner des Hotels zu sehen. Buffy schnappte sich ihre Reisetasche und ging schnell wieder nach draußen, um sich ein Taxi zum Flughafen zu nehmen.

 

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"Die Prophezeiung ist in gälischer Sprache geschrieben, gälisch ist ein Zweig der keltischen Sprachen, eventuell gibt es noch Dialekte in Irland und Schottland, sonst ist die Sprache überall ausgestorben. Gälisch gilt als die Sprache des ‚Alten Volkes’."

 

Die Prophezeiung:

Namen sind nicht

Schall und Rauch

Der Sohn des Jägers stark

auch die Tochter des Jägers

Der König und die Fee

Nie zusammenliegen sollten sie

Niemals wiederholen sollte sich:

listiger Rat, die Macht des Bösen

Wäre des Bösen lang

 

Bei Wolfram & Hart herrschte große Freude. Man hatte den Experten bestellt, der sich über die neueste Deutung der Schrift auslassen sollte –der Experte räusperte sich, trank einen Schluck Wasser und fing an zu dozieren:

"Die Römer verließen Britannien Ende des dritten Jahrhunderts und hinterließen ein Britannien, dass aufgesplittert war in viele verfeindete Stämme.

Es gab zwar einen Großkönig, aber ohne viel Macht, nämlich König Uther, dem viele folgten und zwar unter dem Banner des Pendragon, was soviel heißt wie Drache oder Schlange. Dieser Drache oder die Schlange war das Symbol des alten Glaubens, der wiederum so eine Art Naturmatriarchat war, dessen Frauenherrschaft von den Priesterinnen auf der Insel Avalon ausgeübt wurde.

Damals fing man gerade an, im Zeichen des Christentums das Patriarchat einzuführen, also die", der Experte lächelte, "Männerwirtschaft, nämlich die Söhne von irgendwelchen Herrschern als Thronfolger zu bevorzugen. Im Gegensatz zur alten Religion, die mehr die Töchter der Priesterinnen bevorzugte. Bei ihnen galten die Söhne nicht viel." Der Experte hörte auf zu lächeln, als er merkte, dass ihn seine Klienten ziemlich humorlos anstarrten und redete energisch weiter:

"Das neue Patriarchat war natürlich Avalon und auch dem Merlin von Britannien ein Dorn im Auge.

Man trachtete danach, selber einen König einzusetzen. Dieses erforderte aber außergewöhnliche Maßnahmen.

Igraine, die Schwester der Herrin von Avalon war vermählt mit dem Herzog von Cornwall, einem Römer, der Britannien im Gegensatz zu seinen Landsleuten nicht verlassen hatte. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter, nämlich Morgaine, die von der Herrin als ihre Nachfolgerin in Avalon favorisiert wurde, das kleine Mädchen hatte schon das sogenannte Gesicht, also die Gabe der Weissagung und somit alle Voraussetzungen.

Nun musste man ‚nur’ noch dafür sorgen, dass Igraine, aus dem altem Königsgeschlecht von Avalon wohlgemerkt, sich in den regierenden König Uther verlieben würde und Uther sich in Igraine. Aus dieser Verbindung würde, alten Prophezeiungen zufolge, der neue König hervorgehen. Alle Stämme in Britannien würden diesem Mann folgen, denn seine Herkunft war astrein. Einem Römer oder dem Sohn eines Römers dagegen würden sie die Gefolgschaft verweigern.

Das also war der Plan.

Er funktionierte, ob durch Zauber oder sonstige Nachhilfen sei dahingestellt. Jedenfalls wurde Igraine von Uther schwanger, und ihr Mann, der Herzog von Cornwall, der einiges von dieser Sache mitbekommen hatte, kämpfte gegen seinen König, wurde aber letztendlich von Uther getötet.

Uther heiratete Igraine, sie bekam einen Sohn und nannte ihn Gwydion, offiziell galt er allerdings als der Sohn des Herzogs von Cornwall. Uther bekannte sich nicht öffentlich zu ihm.

Das war der erste Fehler im Plan.

Morgaine war, als ihr Bruder Gwydion geboren wurde, etwa fünf Jahre alt. Sie war klein wie eine Fee, sagte man, denn das sogenannte alte Volk der Feen, wohl keltischen Ursprungs, war klein von Gestalt.

Gwydion wurde schon als kleiner Junge zu Pflegeeltern gegeben, um ihn vor Feinden zu schützen. Außerdem war es damals so üblich, die Jungen von anderen erziehen zu lassen. Ein genialer Gedanke, wenn Sie meine Meinung dazu hören wollen. Das wollen Sie nicht? Gut, dann weiter.

Morgaine wurde von der Herrin, ihrer Tante, auf die Insel Avalon geholt und dort zur Priesterin ausgebildet.

Nun folgte die zweite Stufe des Plans.

Man wollte den zukünftigen König, Gwydion, noch enger an Avalon binden. Und zwar durch DAS RITUAL.

Haben sie die Namen bemerkt? Gwydion? Spike heißt mit ursprünglichen Namen William, Gwydion Pendrag. Gwydion, dieser Name wurde in seiner Familie immer dem ältesten Sohn gegeben. Beachten sie ferner seinen Nachnamen: PENDRAG.

Das hat doch wohl eine große Ähnlichkeit mit Pendragon, dem Symbol des alten Glaubens in Britannien, und dem früheren Symbol des Königs von Britannien.

Gut, also weiter: Das Ritual, um einen neuen Herrscher einzusetzen, war folgendes:

Der zukünftige König, der den Himmelsjäger darstellte, repräsentiert durch das Sternbild Orion, schlief nach einer blutigen Hetzjagd, in deren Verlauf er mit den Hirschen lief oder so ähnlich, das weiß keiner mehr so genau, mit der jungfräulichen Priesterin von Avalon, die das Land oder die Erde verkörperte. Diese Zeremonie nannte man ‚Die große Ehe mit dem Land’.

Weder Morgaine noch Artus, wie Gwydion nun genannt wurde, wussten mit wem sie da schliefen. Erst bei Morgengrauen erkannten sie sich, und sie waren entsetzt. Morgaine viel mehr als Artus, der damals schon angefangen hatte, seine Schwester über alles zu lieben, viel mehr jedenfalls als seine zukünftige Frau Gwenhyfar.

Wie meinen Sie? Ja genau, das war die, die später mit Lancelot rumgemacht hat. Lancelot war übrigens ein Sohn der Herrin von Avalon, entstanden bei einer ‚Großen Ehe mit dem Land’, die die Herrin mit dem König Ban in der Bretagne vollzogen hatte.

Interessant was? Lancelot war also, lassen Sie mich mal nachdenken, ...Artus und Morgaines Vetter, denn ihre Mütter waren Schwestern. Jaja, Verwandtschaft...

Man übergab Artus das magische Schwert Excalibur, das ihn quasi unverwundbar machen würde und dessen Besitz ihm die Gefolgschaft der Stämme sichern würde.

Es gab noch ein weiteres Heiligtum auf Avalon, den heiligen Kessel.

Man vermutet, dass dieser Kessel später aus seinem sicheren Platz in Avalon in die Welt gekommen sei. Er hat dort allerlei Verwirrung und Unheil gestiftet. Man nannte ihn den HEILIGEN GRAL. Und er hat verdammt viele Leute umgebracht, aber das waren alles nur Spinner, wenn sie mich fragen...

Interessant, nicht wahr?

Morgaine ging nicht nach Avalon zurück, sondern flüchtete zu ihrer Tante Morgause, das war die dritte Schwester, die mittlerweile den König von Orkney geheiratet hatte. Dort brachte Morgaine ihren Sohn zur Welt.

Sie nannte ihn Gwydion. Sie überließ ihn der Obhut ihrer Tante Morgause, die den kleinen wie eine Mutter liebte und in ihrem Sinne aufzog. Man munkelte, sie hätte sich der bösen Zauberei verschrieben, und in dem kleinen Gwydion sah sie das ideale Werkzeug, um zur Macht zu gelangen. Als Ziehmutter des zukünftigen Königs von England!

Und sie schürte den Hass des kleinen Gwydion auf seine leibliche Mutter, die seinen Anblick nicht ertragen konnte, und sie schürte den Hass auf seinen leiblichen Vater, der ihn niemals anerkennen würde. Denn Artus war mittlerweile so christianisiert worden, hauptsächlich durch schlechtes Gewissen gegenüber seiner Frau Gwenhyfar, der er einfach kein Kind machen konnte, dass er seinen einzigen leiblichen Sohn, entstanden durch ein heidnisches Ritual, niemals als seinen Nachfolger anerkennen würde.

So, das waren also die Fakten. Es gab Krieg, Gwydion verbündete sich mit den Sachsen und wurde von ihnen Mordred genannt, was soviel wie ‚Listiger Rat’ hieß. Er war nun der Gegner seines Vater.

Als Artus sich weigerte, mit dem Banner des Pendragon, dem Symbol des alten Glaubens, in die Schlacht zu ziehen, wandten sich mehrere Stämme von ihm ab. Das Ergebnis waren bürgerkriegsähnliche Zustände in Britannien. Alles was Artus im Namen der Tafelrunde, als da waren: das edle Rittertum und eine gerechte Landesführung, aufgebaut hatte, zerfiel innerhalb weniger Monate.

Solange König Artus das Gleichgewicht zwischen dem alten Glauben und dem neuen christlichem Glauben wahrte, lief alles blendend, aber das Christentum war und ist eine Religion, die keine andere neben sich gelten lässt, sei sie noch so gut und tolerant. Nein das ist ein schlechtes Beispiel, Alles gute und tolerante war den Priestern damals ein Gräuel. Und der alte Glaube mit den Frauen als oberste Instanzen musste den Priestern wie die Herrschaft des Teufels erschienen sein. Also weg damit. Alles Hexen.

 

Wir wissen nicht, was damals geschah. Es gibt keine Aufzeichnungen sondern nur Geschichten. Es ist, als wäre alles spurlos ausgelöscht worden und hätte niemals existiert. Aber das Amulett existiert. Wir vermuten, dass es ein Teil von Excalibur oder des heiligen Kessels beziehungsweise Grals ist.

Das Amulett sucht sich seine Leute. Auch wenn Spike niemals ein wahrhaftiger Nachkomme von König Artus war, gab es doch in seiner Familie, wie übrigens in vielen englischen Familien, eine vielleicht unbewusste Erinnerung an die große Zeit von König Artus, und die lebte in der Tradition weiter. Allerdings wurden in den beiden Weltkriegen ganze Generationen getötet, die sonst vielleicht das Vermächtnis weitergegeben hätten. Spike aber blieb am Leben. Na ja, am Leben ist vielleicht der falsche Ausdruck. Sagen wir, er existierte weiter.

Neuere Forschungen haben festgestellt, dass die Insel Glastonbury die Insel Avalon war – und vielleicht noch sein könnte, aber sie gilt als unerreichbar. Schon zur Zeit von Morgaine und Artus galt sie als schwer zu erreichen. Nur ausgebildete Priesterinnen konnten die Nebel öffnen, die den Weg zu Avalon versperrten.

Es hieß, dass die Zeit auf Avalon viel langsamer vergehen würde als in Britannien.

Ja, beide Inseln existierten zeitlich nebeneinander – aber räumlich zusammen.

Es handelt sich tatsächlich um ein uraltes Dimensionsportal zu einer anderen ...ja anderen Dimension eben. Ob es sich um ein natürliches oder durch Zauberei hergestelltes Dimensionsportal handelt, ist in diesem Zusammenhang nebensächlich.

Fazit: Wenn wir also annehmen, dass Spikes Sohn Gwydion das Wunderkind Artus darstellt, und Spikes und Buffys Tochter Morgan die sogenannte Zauberin Morgaine", der Experte nahm wieder ein Schluck Wasser zu sich und sprach weiter: "Dann können wir erstens davon ausgehen, dass beide zusammen viel Macht haben werden, die sie zum Guten einsetzen können... Ein übrigens entsetzlicher Gedanke, wie ich finde.

...Aber zweitens können wir davon ausgehen, dass wenn die beiden zusammen ein Kind zeugen, es ein Kind des Bösen sein wird, nämlich Mordred, der alles kaputt machen wird, so dass die Welt im Chaos versinkt.

Und das, meine Herren, wäre unsere Chance.

Wie, fragen Sie? Die Antwort ist: Wir können alles Böse gebrauchen.

Ach so, Sie meinen, wie wir es anstellen sollen?

Antwort: Wozu haben wir die Portale? Wir schaffen die Kinder einfach in eine Dimension, in der die Zeit viel schneller vergeht als hier auf der Erde, und in Nullkommanix werden sie für Nachwuchs sorgen. Oooh, da gibt es viele Möglichkeiten der Manipulation.

Wie anfangen? Ich schlage vor, wir schicken als erstes einen Agenten zu Miss Summers deren Aufenthalt wir jetzt endlich kennen, und die jetzt ziemlich empfänglich zu sein scheint für ein bisschen Trost.

Und das andere Paar, nun denn: Als erstes werden wir Lilah ausschalten, ...nachdem ihr Kind gesund geboren wurde und das Gröbste überstanden hat.

 

Deutung, nachdem man festgestellt hat, dass Buffy eine Tochter hat:

Namen sind nicht  Schall und Rauch

=Gwydion und Morgaine, das sind die Schlüsselnamen, ferner Lilah Morgan, ferner Pendrag – Pendragon

Der Sohn des Jägers stark

=muss Spikes Sohn sein, Spike ist jetzt ‚Jäger’

Auch die Tochter des Jägers

=muss Spikes und Buffys Tochter sein. Die Kinder heißen Gwydion (Artus) und Morgan.

Der König und die Fee

=Artus (Gwydion) und Morgaine

Nie zusammenliegen sollten sie

=Die Geschichte von damals würde sich wiederholen, Morgaine gebar Gwydion einen Sohn...

Niemals wiederholen sollte sich

=Das Ritual und die Folgen... denn sonst:

listiger Rat, die Macht des Bösen wäre des Bösen lang

=Chaos für Jahrhunderte, denn Mordred (Listiger Rat, den Namen gaben ihm die Sachsen) stürzte Artus, und Britannien versank in der Barbarei

 

"Versuchen Sie nicht, darüber nachzudenken, es ist ein wenig... verworren, und Sie sollten es nicht allzu wörtlich nehmen. Am Ende zählt nur, was dabei herauskommen wird – für uns!

"Tja, das war’s dann schon...", mit diesen Worten beendete der Experte seinen Vortrag.

 

Ende Teil 15

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Teil 16

 

Anfang Juni trifft in Woodcape am Eriesee in der Nähe von Cleveland ein Mann ein, der sich bei Buffy vorstellt als der ehemalige Wächter Thomas Parkinson – und der just in diesem Augenblick auf eine Buffy trifft, die anscheinend nicht ganz klar im Kopf ist.

Jedenfalls auf eine Buffy, die stinksauer ist auf Drecks- und Exvampire, wie sie Angel und Spike bei sich nennt.

Auf Angel ist sie sauer, weil er einen Sohn von Darla hat und wahrscheinlich ein wie auch immer geartetes Verhältnis mit Cordelia. Außerdem ist sie sauer auf sich selber, weil sie gedacht hatte, die Zeit steht für Angel still, während sie selber doch ziemlich mit Männern beziehungsweise Vampiren rumgemacht hat. Die Liebe, das ist erschütternd, sie ist nicht mehr beglückend und tröstlich wie früher, als sie sich der Vorstellung hingab, Angel würde ihr für immer, was für ein Witz im nachhinein, treu sein. Aber was soll’s.

Auf Spike ist sie sauer, weil auch Spikes Gefühle immer als unwandelbar galten, vergleichbar denen von Angel, und jetzt ist er ein Mensch und hat eine andere Frau geschwängert. Nachdem er sie, Buffy, geschwängert hat. Buffy weiß immer noch nicht, wie das passieren konnte. Es war vermutlich das Amulett, vielleicht hatte es so einen großen Einfluss auf Spikes Körper, dass es, nachdem Spike selber im Höllenschlund verglüht war, seinen Samen in ihr lebendig machte. Er hat ihr Morgan geschenkt. Gut Morgan ist ein Schatz, und Buffy liebt Morgan über alles, aber sie hat es als alleinstehende Mutter nicht gerade einfach im neuen prüden heuchlerischen Amerika. Mit seinem die Familie verklärenden Fernsehserien. Da ist immer der Dad, die Mom und das Kind oder mehrere Kinder. Die Mom alleine tritt recht selten auf und wenn dann nur, um den passenden Dad zu finden, wenn der leibhaftige Dad verschwunden oder tot ist, und um dann mit dem neuen Dad die sich über alles liebende Familie zu bilden. Gemeinsam natürlich!

 

Woodcape ist ein ziemlich kleines Kaff, in der Größe vergleichbar mit Sunnydale, und jeder kennt jeden.

Buffy gibt sich, um nicht als ledige Mutter zu gelten, der Einfachheit halber gerne als Witwe aus, was bei näherer Betrachtung wirklich ein Witz ist. Ihr ‚Mann’ war früher ziemlich tot, und jetzt ist er lebendig.

Buffy lacht bitter auf.

Dazu kommt eine quälende unterschwellige Eifersucht, die sie versucht zu verdrängen, aber es funktioniert nicht. Stattdessen geht sie so weit, sich die DVD mit dem Video von Spikes Auftritt in Las Vegas zu kaufen. Sie studiert ihn. Sie studiert seine Stimme. Sie studierte das Stück ‚Homecoming’, sie versucht über die Blicke ins Klare zu kommen, die die beiden sich zugeworfen haben. Bei Leela ist sie sich sicher, sie ist total verliebt in Spike. Bei Spike ist sie nicht ganz so sicher. Er mag sie. Natürlich. Und er ist besorgt um sie, möglicherweise wusste er damals schon von ihrer Schwangerschaft. Kann es sein, dass er sie nur deswegen heiraten will? Er will sie doch heiraten. Oder?

Quatsch, sie schiebt diesen Gedanken beiseite. Spike würde nie ein Frau heiraten, die er nicht liebt, auch wenn sie fünf Kinder von ihm hätte. Also liebt er Leela. Aber was ist mit ihr, mit Buffy?

Buffys Gedanken drehten sich im Kreise, weil sie es einfach nicht versteht, und der Gedanke, dass er zärtlich zu Leela ist, stört sie über alle Maßen.

Eifersüchtig war sie immer schon auf ihn gewesen. Sogar auf den alten seelenlosen Spike. Als sie ihn in der Magic Box mit Anya gesehen hatte, da fühlte sie sich schlagartig verraten und verlassen. Dabei war sie es doch gewesen, die ihn aufgefordert hatte, sie loszulassen. Was für ein Geschwätz, loslassen!

Als er sie dann wirklich losließ, war es ein Schock für sie, der ihr damals unverständlich war. Aber das Denken war ja nie ihre Sache gewesen. Sie hatte sich immer abgelenkt durch Kämpfe. Aber wie durcheinander und schizophren war sie damals gewesen, um ihn erst abzuservieren mit diesem blöden Beziehungskrisensatz ‚du musst loslassen’, und als er sie dann losließ, zumindest sah es so aus, als würde er loslassen, da war sie tödlich verletzt und beleidigt.

Sie hatte Spike nie gesagt, dass er ihr irgend etwas bedeuten würde.

Doch, ein einziges Mal, und zwar als er vor ihren Augen verglühte!

Ich bin krank, dachte Buffy, und diese Selbsterkenntnis machte ihr schwer zu schaffen.

Was zum Teufel war mit ihr losgewesen? Buffy verstand ihr früheres Ich nicht, Buffy verstand auch ihr jetziges Ich nicht. Sie wusste nur, sie brauchte Ablenkung, weil die Grübelei über Spike sie sonst in den Wahnsinn getrieben hätte.

Und das konnte sie ihrer kleinen Tochter Morgan nicht antun. Außerdem brauchte Morgan einen Vater, eben eine richtige Familie, die sich um sie kümmerte. Dawn, Willow und Xander, der ab und zu aus Chicago zu Besuch kam, liebten Morgan über alles, aber Dawn, Willow und Kennedy würden nicht mehr lange in dem Haus in Woodcape in der Nähe von Cleveland bleiben.

 

Also, der Mann sah gut aus, war charmant und schien an ihr interessiert zu sein.

Buffy lachte gequält. Sie war dreiundzwanzig. Sie hatte nicht studiert, weil ihre Jägerinnen-Pflichten das nicht erlaubten, sie hatte keinen Mann, ihre große Liebe Angel würde sich, wenn sie mit ihm zusammen wäre, vielleicht wieder in Angelus verwandeln, ihr menschlicher Freund Riley hatte sie verlassen, weil er sich im Vergleich zu ihr zu schwach vorkam oder weil sie eine Verabredung mit ihm vergessen hatte...

Der Vater ihres Kindes war ein ehemaliger Vampir, der eigentlich tot sein sollte, es aber nicht war und der anscheinend nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte.

 

Noch mal, der Mann sah gut aus, war charmant und schien an ihr interessiert zu sein.

Buffy war nicht vollkommen mittellos. Giles hatte ihr eine Art Leibrente besorgt, indem er die Konten vom Wächterrat anzapfte, es schien ihm angebracht, eine Jägerin, die zwar jetzt nicht mehr die einzige ihrer Art war, die aber ihren Hintern jahrelang hingehalten hatte, um das Böse zu bekämpfen, in dieser Art zu versorgen.

Sie lebte mit Dawn, Willow und Kennedy in einem relativ geräumigen Haus. Ja natürlich auch mit Morgan. Sie hatte von der Versicherung eine relativ hohe Summe für das Haus in Sunnydale bekommen, das bei dem angeblichen Erdbeben zerstört worden war. Sie konnte sich durch die Leibrente, ein blöder altmodischer Ausdruck, doch Giles hatte sie so bezeichnet, die Miete leisten und demnächst das Studium für Dawn finanzieren. Sie selber würde allerdings noch für längere Zeit nicht studieren können, denn sie wollte sich intensiv um Morgan kümmern, zumindest in den nächsten zwei Jahren. Und danach würde es vermutlich Geldprobleme geben.

Eigentlich sollte Spike Alimente für seine Tochter zahlen.

Nein, nein, niemals!

Dieser Dreckskerl und Exvampir lebte – und er schien nicht gerade schlecht zu leben. Hatte eine Karriere als Popstar gemacht, hatte eine schöne Frau geschwängert, und außerdem sah er so hinreißend aus, dass es einem fast schon weh tat. Aber er war vergeben, und er sollte niemals erfahren, dass sie ein Kind von ihm hatte.

Wie hätte er reagieren können?

Mit Erstaunen? Mit Ungläubigkeit? Mit Freude?

Buffy lächelt wieder gequält. Erstaunen und Ungläubigkeit, tja das wäre es wohl gewesen. Freude? Wohl nicht. Was hätte er mit dieser Leela gemacht, wenn er es erfahren hätte?

Buffy meint es zu wissen. Er hätte Leela nicht verlassen, nur weil sie, Buffy, ein Kind von ihm hatte, vielleicht hätte er sich um das Kind gekümmert, aber er hätte nie im Leben Leela verlassen. Und diese Schmach und Enttäuschung wollte sie sich ersparen, und deswegen hatte sie Leela verboten, Spike etwas von ihrem Besuch zu erzählen.

Sie gab es jetzt vor sich selber zu: Sie hatte nie ernsthaft über Spike und sich nachgedacht. Sie hatte sich immer (gerne) ablenken lassen, und sogar als er eine Seele hatte, war soviel zu tun gewesen, dass sie sich über ihre Gefühle ihm gegenüber nie richtig klar werden konnte. Oder wollte.

Und sie war, Buffy erkannte es jetzt deutlich, immer schon eine Meisterin im Verdrängen unangenehmer Wahrheiten gewesen, sie erinnerte sich daran, als sie vor seiner Gruft stand und es sie nach ihm verlangte und sie absolut nicht wusste warum und wieso – da hatte sie den Kampf mit den Unbekannten begrüßt, um sich von den unangenehmen Wahrheiten ablenken zu können.

Oh nein, aufhören mit der Grübelei!

Noch mal, der Mann sah gut aus, war charmant und schien an ihr interessiert zu sein.

Also tat sie auch jetzt das einzige, was sie in dieser ausweglosen Situation tun konnte, sie versuchte, sich abzulenken, sich in neue Aktivitäten zu stürzen. Sie versuchte, sich in den neuen Wächter zu verlieben.

Der neue Wächter war aber auch ein wirklich anziehendes Geschöpf. Er war charmant, sah gut aus, er hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Pierce Brosnan, und er schien nicht gerade arm zu sein. Und das alles schienen gute Voraussetzungen zu sein, mit denen man einen Exvampir vergessen konnte.

 

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Im Juni gab es eine kurze Pressemitteilung, die durch viele Zeitungen ging. Sie lautete folgendermaßen.:

Bill Castaway, Sänger der Gruppe ‚THE BIG BAD THING’ und Lilah Morgan, Anwältin, haben am 10. Juni vor dem Friedensrichter in Long Beach die Ehe geschlossen. Für beide ist es die erste Ehe. Die Presse war nicht eingeladen. Trotzdem wünschen wir dem jungen Brautpaar alles Gute.

Details, die die Presse nicht erfuhr:

Trauzeugen waren Snikkers für Spike und die blonde Schwedin Maja für Lilah.

Die Eheringe waren aus Rotgold, passend zu Lilahs Saphirring

Spike und Lilah gaben sich nicht die ellenlangen Eheversprechen, die im Augenblick so groß in Mode waren, so dass das Brautpaar mit einem Manuskript anreisen musste, um auch noch das letzte Quäntchen an Gefühl für den Partner auszudrücken.

Mittlerweile musste man schon sehr originell sein, um alles zuvor dagewesene übertrumpfen zu können. Diese Mühe hatten sich Spike und Lilah nicht gemacht, nein, Spike und Lilah lächelten sich nur an, als die Eheversprechen gesprochen war und küssten sich ohne Aufforderung. Sofort...

Trotzdem oder gerade deswegen waren alle Anwesenden gerührt.

Auch die nachfolgende Feier fand nur im kleinen Kreis statt. Da Spike und Lilah beide keine Verwandten mehr hatten, Lilahs Eltern waren vor zehn Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen und Spike, nun ja..., waren nur ihre Freunde eingeladen. Zum einen, um die Presse fernzuhalten, zum anderen, weil sie absolut keine Lust auf ein Spektakel hatten.

Alle hielten sich im Garten unter Sonnenschirmen auf und holten sich von innen, wo das Büffet aufgebaut war, zu essen. Bronson hatte es übernommen, die Gäste mit Getränken zu versorgen, denn er hatte schließlich Erfahrung darin. Aus dem E-body. Alles war vollkommen zwanglos und fröhlich.

Schließlich war die Braut hochschwanger, was ihr aber ausgezeichnet stand. Sie trug einen knielangen engen dunkelblauen Samtrock und ein langes, locker fallendes Oberteil aus weißer Seide, das ihren Zustand zwar nicht verbarg aber doch gut überspielte.

Ihr Haar trug sie zu einem sogenannten Bauernzopf geflochten. Ihre Freundin Maja hatte das getan. Maja hatte immer eine Strähne nach der anderen hochgenommen und mit der vorherigen verflochten. Irgendwie hatte Maja es geschafft, alle Haare zu verflechten, so dass es aussah wie eine Hochsteckfrisur, bis auf einige Strähnen, die in Lilahs Stirn und Nacken hingen. Wie zufällig dort hingen.

Ein weiß blühender, duftender Zweig (Orangenblüten?) war im Haar verflochten. Es sah absolut großartig aus.

Spike trug, man sehe und staune, einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und schwarze Stiefel. Stiefel mussten einfach sein. Jedenfalls sah er blendend aus, er war leichtgebräunt, seine Haare waren strähnchenartig von der Sonne aufgehellt, und er sah aus wie ein kalifornischer Sunnyboy. Auch er absolut großartig.

 

Snikkers machte Fotos von dem Brautpaar, die Casio auf den PC lud , damit man sie sich sofort anschauen konnte. Oh Wunder der Technik! Es waren fantastische Fotos, von denen Spike eines ganz besonders gefiel: Er und Lilah in Großaufnahme, sie lächelten sich an und waren so ineinander versunken, dass sie ihre Umgebung vergessen hatten.

Casio machte aus den Bildern einen Bildschirmschoner, und brannte sie auf eine CD.

 

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Anfang Juli erhielt Lilah einen seltsamen Anruf. Es war eigentlich kein richtiger Anruf, sondern jemand sagte nur ein einziges Wort, so etwas ähnliches wie ‚Aufwachen’, dann wurde auf der anderen Seite aufgelegt.

Lilah überlegte. War das vielleicht ein bestimmtes Wort, um einen sogenannten Schläfer zu aktivieren, in diesem Falle SIE zu aktivieren? Aber wozu? Sie fühlte sich kein bisschen anders als vor dem Anruf.

Oder? Doch, sie sah jetzt alles ein wenig klarsichtiger. Sie sah, dass W&H eine Bedrohung für sie, Spike und das Kind darstellten. Sie hatte es lange Zeit verdrängt gehabt.

Aber sollte der Anruf bewirken, dass sie alles klarsichtiger sah? Vermutlich nicht.

Sie dachte an Spike und sah auch ihn auf einmal deutlicher. Seine Vergangenheit, seine Frauen. Es hätte sie abstoßen müssen, aber das tat es nicht, und auf einmal wusste sie, was passiert war. Sie war vermutlich in der Hexenküche von W&H mit einem Liebeszauber belegt worden, damit sie sich in Spike verlieben würde. Das musste es sein. Der Plan hatte anscheinend funktioniert, und jetzt wollte man sie aufwecken, damit sie die Wahrheit erkannte, die Wahrheit über ihre Liebe. Vielleicht wollten sie, dass sie Spike verließ. Es musste etwas mit dem Kind zu tun haben.

Die ausgetauschten Pillen kamen ihr in den Sinn.

Der Witz war, sie liebte Spike immer noch! Da hatten sie sich schwer vertan, diese Wichser – Lilah fluchte untypisch für sie vor sich hin – von W&H. Sie hätte sich auf jeden Fall in Spike verliebt, auch ohne den Zauber.

Und es war atemberaubend, mit Spike verheiratet zu sein, ein Gefühl, das Lilah nicht in Worte fassen konnte.

Auf einmal kam ihr die Frage in den Sinn: Was hatten sie mit Spike getan?

Ein Liebeszauber war es nicht gewesen, denn bis er sich in sie verliebt hatte, war doch eine recht lange Zeit vergangen. Vielleicht ein Liebeszauber mit Langzeitziel. Auch ziemlich unwahrscheinlich, wäre zu ungenau gewesen und fast nicht steuerbar.

Was also konnten sie mit Spike gemacht haben?

Dann fiel ihr Buffy ein und Spikes striktes Leugnen von irgendwelchen Gefühlen, die er in Buffy geweckt haben sollte. Lilah hatte, während sie seinen Erzählungen lauschte, einen anderen Eindruck gewonnen. Und als Buffy vor sechs Wochen vor der Tür stand und sie, die hochschwangere Lilah sah, da hatte Buffys Gesicht Bände gesprochen.

Lilah war sich sicher, dass Buffy Gefühle für Spike hatte. Und zwar keine schwachen.

Aber was war mit Spike passiert? Er hatte Buffy so geliebt, dass er sich ihr und ihren Bedürfnissen total untergeordnet hatte, bis hin zum Weltretten, indem er sich selber opferte.

Hatten sie ihm die Liebe zur Jägerin durch Zauberei ausgetrieben oder vielleicht durch Flüsterpropaganda, während er in der Krankenstation bei W&H lag? Immerhin hatte er dort drei Monate zugebracht, eine lange Zeit, um ihm während seiner Bewusstlosigkeit seelisch alles mögliche einzutrichtern.

Lilah versucht, sich den Zeitablauf vorzustellen. Zwei Monate Krater, dann das Amulett ausgegraben und nach L.A. geschafft. Lilah hatte das noch mitbekommen. Zwei Monate später hatte sie ihn kurz gesehen, als er in einem streng abgeschirmten Zimmer lag, zu dem nur die obersten Bosse und die besten Ärzte und Hexenmeister Zutritt hatten.

Sie machten sich anscheinend mit seiner Wiederherstellung mehr Mühe als damals mit Darla. Er sah so verwundbar und hilflos aus.

Bald darauf wurde sie selber von einem Dämon getötet. Lilah argwöhnt, dass man sie hatte töten lassen, aber das ist ihr egal, denn sie weiß jetzt, dass man sie auf jeden Fall töten wird. Früher oder später.

 

Weiter: Sie hatten drei Monate Zeit, um Spike seelisch zu konditionieren, sie hatten ihm wahrscheinlich Bänder vorgespielt, Tag und Nacht, in denen die Jägerin nicht gut wegkam. Die Bänder flüsterten von Demütigungen, Beschimpfungen und Prügeln, die er von ihr einstecken musste und denen er aufgrund seiner Liebe zu ihr hilflos ausgesetzt war.

Und das war ja auch die Wahrheit, denkt Lilah ärgerlich.

Und den Rest, denn die Spione konnten damals in Sunnydale nicht alle schmutzigen Details in Erfahrung bringen, hatte Spike sich selber eingeflüstert. Deswegen war er so verbittert und leugnete strikt irgendwelche Gefühle für die Jägerin und Gefühle der Jägerin für ihn.

Nein, leugnen war das falsche Wort. Er GLAUBTE es!

Kurzform: Sie hatten an seinen Verstand und seine Vernunft appelliert und seine Gefühle in den Hintergrund treten lassen.

In den Hintergrund. Das klingt bedrohlich, und Lilahs Körper beginnt zu zittern. Sie waren vermutlich noch da, seine Gefühle für die Jägerin, tief vergraben im Unterbewusstsein.

Waren diese Gefühle stärker als die Gefühle für seine Ehefrau?

Wie konnten diese Gefühle wieder hervorkommen aus dem hintersten Winkel seines Bewusst- oder Unbewusstseins?

Nicht durch Zauber. Daran glaubte Lilah nicht. Vielleicht durch die Zeit?

Vielleicht, wenn er länger mit der Jägerin zusammen sein würde.

Was also sollte sie tun. Im Augenblick blieb ihr nicht viel übrig. Das Kind würde Ende des Monats geboren werden, und sie fühlte sich schwerfällig, zu schwerfällig, um irgend etwas zu unternehmen. Aber zumindest konnte sie sich etwas ausdenken. Aber erst für die Zeit nach der Geburt.

Dann fiel ihr noch etwas ein. Die erfolglose Suche nach einem neuen Heim für Spike und sie, als ihnen alle Häuser, die in Frage kamen, vor der Nase weggeschnappt wurden. Wollte man sie an dieses Haus fesseln. Aber wozu? Gut, vielleicht konnte man sie hier besser überwachen, hier waren mit Sicherheit Wanzen angebracht. Aber was sollten die schon groß ausspionieren?

 

Allmählich dämmerte es Lilah, dass dieser Satz ‚Was sollen die schon groß ausspionieren’ der Schlüssel zu allem war. Na ja, der Schlüssel, aber wo war das Schloss?

Sie hatten Spike und sie eingelullt in Sorglosigkeit, obwohl sie es hätten wissen müssen, nein obwohl Lilah es hätte wissen müssen, dass diese Leute nichts aus Freundlichkeit taten. Aber man hatte ihnen eingeflüstert, dass diese Leute nett wären.

‚Was können die schon groß von mir wollen?’ Dieser Satz war ihnen eingetrichtert worden.

Mist! Wieder fluchte Lilah vor sich hin.

Was aber wollten sie? Es musste mit dem Kind zusammenhängen. Sollte sie Spike davon erzählen. Besser nicht. Sie konnte im Augenblick nichts tun außer aufzupassen. Doch sie konnte noch etwas anderes tun.

Sie ging nach oben in ihr Zimmer, das sie seit Monaten nicht mehr benutzt hatte und in dem bereits ein Kinderbett und eine Wickelkommode standen, holte ihren Aktenkoffer aus dem Kleiderschrank, öffnete ihn, holte die kleine Pistole heraus, nahm sie mit nach unten und legte sie in eine Schublade des Computerschreibtisches.

 

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Als Spike nach Hause kam, er hatte mit der Band ein Interview gegeben, begrüßte sie ihn so zärtlich, dass er verwundert war. Sie schien ihn gar nicht loslassen zu wollen. Sie sah ihn an, als hätte sie ihn noch nie gesehen.

Sie fand ihn so... überwältigend. Und das kam nicht von dem Zauber, sondern es war Liebe. Wirklich Liebe.

"Weißt du, dass ich dich liebe", sagte sie leise zu ihm, während sie ihn umschlungen hielt.

Spike hob sie hoch und setzte sich auf das Sofa, er legte sie so, dass ihre Oberschenkel über seinem Schoß lagen und er bequem ihren Bauch streicheln konnte.

"Ich glaube, ich weiß es". sagte er liebevoll, während er weiter ihren Bauch streichelte und dann ihre Oberschenkel, bis er schließlich bei ihren Füßen ankam und ihre Schuhe auszog.

Lilah wand sich vor Wohlbehagen.

"Spike?"

"Was ist denn, Liebling?"

"Du hast doch auch einmal unter einem Liebeszauber gestanden. Wie war das? Kam es dir... echt vor?"

"Es kam mir so echt vor, dass es echt war. Wie kommst du darauf?" fragte Spike erstaunt.

"Aber es war doch unecht. Oder?"

"Weißt du, diese Gefühle, die man Liebe nennt, keiner kann erklären, wie sie entstehen, auch die Wissenschaftler nicht. Es könnte etwas im Gehirn vorgehen, irgend etwas Chemisches oder Physikalisches, irgendwelche Moleküle finden zusammen und Peng – auf einmal lieben sich zwei Leute. Vielleicht funktioniert ein Zauber ähnlich. Die Gefühle sind da, also ist es echt. Wenn der Zauber allerdings aufgehoben wird, verändert sich auch die Chemie wieder. Und es ist vorbei. Aber solange der Zauber anhält, ist es so echt wie bei echter Liebe. Warum interessiert dich das?"

"Ach nur so. Habe ich dir übrigens schon erzählt, dass ich einen Jugendfreund hatte und dass wir heiraten wollten?"

"Nein...", Spike guckte Lilah beunruhigt an und wusste nicht, ob er auf diesen Jugendfreund eifersüchtig sein sollte oder nicht.

"Wir hatten uns alles so schön ausgedacht. Ich wollte Anwältin werden, und er wollte Arzt werden."

"Gute Kombination", sagte Spike vorsichtig, "wenn beim Arzt mal was schief geht..."

"Das Blöde an der Sache war, dass er kein Blut sehen konnte. Bei der ersten Obduktion einer Leiche ist er zusammengebrochen, und es wurde auch nicht besser. Er fing an, mich zu hassen."

"Hätte er nicht was anderes machen können? Nicht das mit dem Hassen, quatsch das auch, ich meine... so beruflich?"

"Er war so fixiert auf den Gedanken, Arzt zu werden, den Menschen zu helfen und so, dass es für ihn nichts anderes gab. Er fing an zu trinken. Und dann fing er an, mich zu schlagen."

"Was für ein Bastard!" Spike schaute sie ungläubig an.

"Zuerst habe ich es mir gefallen lassen. Ich fühlte mich schuldig, weil ich es geschafft hatte und er nicht."

"Lilah, du bist so ein Schaf. Das war einzig und allein sein Ding."

"Ich habe ihn dann verlassen. Ich konnte ihn nicht mehr ertragen."

"Was ist aus ihm geworden?"

"Er versuchte, bei einen Pharmazieunternehmen zu landen. Als Vertreter für ihre Produkte."

"Und, hat er es geschafft?"

"Oh jaa, er wurde", Lilah musste lachen. "die wohl erste männliche Avon-Beraterin in den Vereinigten Staaten. Immerhin war er in der Pharmazie tätig. Im weitesten Sinne..."

Spike kriegte sich nicht mehr ein vor Lachen.

"Irgendwie tat er mir leid", sagte Lilah und machte auf einmal ein erschrecktes Gesicht.

"Ist das so schrecklich?", fragte Spike, erstaunt über den Wandel in ihrem Gesicht.

"Ooooh", stöhnte Lilah laut und schnappte nach Luft.

"Was zum Teufel ist los?" Spike war schwer beunruhigt.

"Ich glaub ich... ich ...hab Wehen."

Woraufhin Spike in Panik ausbrach.

 

 

Ende Teil 16  GONE WITH THE DEATH?  © Ingrid Grote 2003

 

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