GONE WITH THE DEATH?

 

Teil 13

 

Es konnte nicht sein. Spike war tot. Andererseits, diese Narbe, dieses Aussehen, diese Stimme, das konnte auch nicht sein, so etwas gab es nur einmal im bekannten Universum. Es war Spike. Es musste Spike sein.

Dieser Drecksack lebte, und er hatte es nicht nötig, zu ihr zu kommen??!

 

Das Stück war kurz, es war nur der Prolog der Gruppe.

Übergangslos begannen sie mit ‚Horror movies’, dem wohl simpelsten Stück des Abends, aber nicht unbeliebt wegen seiner Simpelheit. Nein ganz im Gegenteil.

Eine Tür knarrte

Nach jedem Satz wurde Spikes Sprechgesang von wuchtigen Trommelschlägen untermalt. und der Text ging ungefähr so:

 

Horror Dracula!

This island earth!

Frankenstein meets Wolfman!

House of Usher!

The thing!

Teenage Frankenstein meets teenage wolfman!

Walking dead!

The house of haunted hill!

The phantom of the opera…

GOOD EVENING!!!!

rief Spike ins Publikum.

 

GOOD EVENING!!!!

brüllte das Publikum aus circa tausend Kehlen zurück.

 

Casio begann gnadenlos eine kleine Piepsorgel zu spielen.

piepip piepip

On a Friday night I like to go

and watch Horror movies

piepip piepip

I like watching Dracula,

Frankenstein and all those

so groovies

piepip piepip

some like it cold

I like it hot

especially when my girl

holds my hand such a lot

Well, me and my girlfriend

we love watching horror movies

piepip piepip

 

some like it cold

I like it hot

especially when my girl

is holding MY....

Das Publikum stöhnte auf aus tausend lüsternen Kehlen, und anerkennende Pfiffe ertönten.

Er musste es sein. Dieses dreckige Grinsen und wie er den Text sprach. Buffy versank in Gedanken. Warum hatte er nicht nach ihr gesucht? Warum?

 

ON A FRIDAY NIGHT!

 

...Buffy hörte nur noch diesen letzten Satz des Stückes. Die Leute im Saal tobten. Die Gruppe ließ sie eine Weile toben. Dann fing Casio an, eine Melodie aus dem Computerspiel ‚Monkey island’ anzustimmen, was sogleich den Spiel und Abenteuertrieb in ihnen hervorrief, das Resultat war, dass sie alle weinten um ihre angeblich verlorene Jugend, aber wenn sie sich umschauten , sahen sie viele, die anscheinend auch ihre Jugend verloren hatten, und das war irgendwie tröstlich. Sie weinten ab sofort nicht mehr so bitterlich. Dieses traf natürlich nicht auf die ganz Jungen zu.Buffy schaute und lauschte dem ganzen ungläubig zu.

Sie war fast soweit, genauso hysterisch zu lachen wie die Frau in dem Stück, das die Gruppe jetzt gerade anfing zu spielen.

Hysterisches Frauengelächter, Ein Wind weht brausend .Der Drummer schlägt einen sauberen Rhythmus. Klavierklänge perlen sich in große Höhen hinauf, und die Drums gehen in einen wiegenden stampfenden Rhythmus über, eine helle Gitarre fällt ein, die Frau lacht immer noch hysterisch, der Wind braust.

Stufe eins: die Melodie gewinnt langsam an Fahrt, das Klavier perlt sich wieder in große Höhen hinauf, Metall schlägt klingend auf anderes Metall wie auf einem Schiff, genau wie auf einem Schiff, das kurz davor steht, den Hafen zu verlassen. Ein Wind weht brausend. Buffy hat eine sehr reale Vorstellung von Schiffen. Die Frau lacht immer noch hysterisch, eine Gitarre fällt ein, es hört sich an, als ob ein Schiff den Motor angelassen hat und langsam aus dem Hafen heraustuckert. Stufe zwei: der Motor erhöht die Umdrehungen, das Schiff legt einen Zahn zu, es schaukelt, der Seegang ist wohl recht stark heute, der Wind braust wieder, wieder ertönen diese metallenen Schläge, der Keyboarder spielt eine zarte sehnsüchtige Melodie, die beendet wird mit wuchtigen Gitarrenakkorden. Stufe drei: das Tempo wird erhöht, bis endlich das Klavier das Hauptthema spielt und danach das Keyboard, das Schiff ist nun auf offener See und fährt stolz und unbeschwert dahin. Buffy denkt manchmal in Schiffen zur Musik. Das liegt vielleicht daran, dass sie jetzt an einem riesigen See wohnt mit viel Wasser darin und natürlich auch Schiffen. Metall schlägt klingend auf anderes Metall. Wieder wuchtige Gitarrenakkorde. Stufe vier: Das Schiff erhöht das Tempo, nichts hindert das Schiff daran, und stolz und majestätisch zieht es seine Bahn. Dann erhöht es noch einmal sein Tempo, losgelassen irgendwie. Dann endlich der Sänger.

nowhere girl you're living in a dream,

nowhere girl you stay behind the scenes,

nowhere girl you never go outside,

nowhere girl cause you prefer to hide.

every night, every day

in that all old familiar light

you hang up when I call you at home.

and I try to get through

ant I try to talk to you

but there's something stopping me from getting through.

nowhere girl what you had you need,

nowhere girl all functional and neat,

nowhere girl in self-imposed exile,

nowhere girl a martyr-like denial.

Das Schiff verlangsamt seine Fahrt,

Die Fahrt ist zu Ende, Applaus, viel Applaus und Jubel.

 

Die Zuschauer, insbesondere die Girls sind noch aufgewühlt, da fängt der Keyboarder an, eine schwermütige simple Sequenz zu spielen. Was keiner im Publikum weiß, doch, vielleicht wissen es einige wenige, ist, dass es sich um uraltes Stück aus einer Computer-Simulation handelt, nämlich um Simcity2000 - Motiv Depression. Depression und Niedergang einer Stadt. Schlagartig verfallen die Besucher in Schwermut, und das seltsame an der Sache ist, sie wissen gar nicht warum, Dieses Stück geht schwer aufs Gemüt. Casio lässt das Publikum gnadenlos an Arbeitslosigkeit leiden. Casio mit seinem hochwertigen Stück Technologie, das er benutzt, um eine Piepsorgel der Vergangenheit nachzuahmen, die wiederum eine gewaltige Klangfülle vortäuschen wollte, die sie gar nicht hatte. Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz.

Aber auch das ist nur die Einführung für das nächste Stück namens ‚Permafrost’. Ein ganz düsteres Lied, ein destruktives Lied, und es fängt auch gleich mit disharmonisch klingenden orgelartigen Tönen an und einem klaren fragenden Bass, auf das ein Klavier die Antwort gibt. Spike spricht übergangslos mehr, als dass er singt.

Thunder shook loose hail

On the outhouse again

Today I bumped into you again

I have no idea what you want

‚what you want’ das singt Spike ätzend und höhnisch.

But there was something I meant to say

Nun kommt die berühmte Terz, die sich qualvoll auf den Unterleib niederschlägt und so richtig weh tut, weil Casio orgelmäßig die gleiche ätzende Melodie spielt, die Spike singt, nur drei Töne höher...

As the day stops dead

At the place where we're lost

I will drug you and fuck you

(Von Pfiffen begleitet, wie auch sonst)

from the permafrost

Spike spuckt die Worte förmlich ins Publikum.

‚Fuck you from the permafrost’, das gibt dem Lied eine irgendwie bekannte Note. Diese Note ist allerdings nur Spike bekannt. Und Buffy.

…Die sich fragt, ob das Lied speziell für sie geschrieben ist. Natürlich kennt Buffy die Gruppe Magazin nicht, und sie hat eigentlich immer schon an einem Überwertigkeitskomplex gelitten...

 

Nach diesem Stück war es an der Zeit, etwas nicht ganz so Destruktives zu spielen, und das elektronische Schlagzeug begann den klopfartigen Rhythmus von Blue Monday, was sofort große Unruhe und freudige Erwartung im Publikum hervorrief. "Billy", kreischte jemand laut, und andere hysterische Stimmen fielen ein.

Bei Buffy rief das alles auch große Unruhe hervor, sie sah jemanden, der eigentlich tot sein müsste und der jetzt anders aussah als früher, es aber hundertprozentig war. Diese Narbe hatte sonst keiner. Die Größe stimmte, die Figur und vor allem dieses Gesicht. Dieses Gesicht war einmalig auf dieser Welt, und Buffy versuchte noch enger an Fernseher heranzurücken, ja sie kroch fast in ihn hinein und versuchte jedes Detail von Spike aufzunehmen. Er sah so verdammt gut aus. Und er sah menschlich aus. Nicht so bleich wie vor über einem Jahr. War er menschlich?

 

Die Gitarre stimmte ein in den klopfartigen Rhythmus von New Monday, dazwischen trommelte der Drummer ein brummelndes Bongogeräusch, und der Rhythmus verdichtete sich, der Drummer ließ eine Salve los, die wie das Rattern eines Maschinengewehrs klang, Ein Trauerchor stimmte ein langes dunkles ‚aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa’ auf einem einzigen Ton an, und endlich fing Bill an zu singen:

How does it feel to treat me like you do?

When you've laid your hands upon me

And told me who you are

I thought I was mistaken

I thought I heard your words

Tell me, how do I feel

Tell me now, How do I feel

Die Kamera schwenkte von Spike weg ins Publikum und zeigte, wie vielschichtig es war: Man sah vierzigjährige, dreißigjährige, zwanzigjährige und Unterzwanzigjährige, und angeblich wurden sogar mehrere Fünfzigjährige, die aber wirklich nicht aussahen wie Tattergreise, gesichtet.

Aber alle, egal aus welcher Altersklasse, befanden sich im Zustand der Auflösung. Teenies kreischten nach Bill und Porterhouse und konnten nur durch die Ordnungskräfte daran gehindert werden, auf die Bühne zu springen und Bill und Porterhouse an die Wäsche zu gehen. Einem vielleicht dreißigjährigen gelang es auf die Bühne zu klettern, um dort wild zu tanzen.

Spike grinste. Und Buffy wusste nun hunderprozentig: Er war es.

Nach zwei Minuten wurde der Typ sanft von den Bodyguards hinuntergeleitet.

Punkig gekleidete Knaben fingen an, sich auf Pogo einzustimmen.

Mit Bill meinten sie wohl Spike, überlegte Buffy. Wieso Bill? Könnte von William kommen. Wie hieß die Band? Auf dem Schlagzeug war ein Aufkleber zu sehen:

THE BIG BAD THING

Was Buffy auch irgendwie vage bekannt vorkam. Big bad? Big bad? Hatte Spike sich nicht früher so bezeichnet? Und was sollte das heute bedeuten? Welche Betonung sollte man anwenden? Betonung auf ‚bad’ oder Betonung auf ‚thing’? War das eine Verarschung oder was? Andererseits hatte Spike ja immer schon einen seltsamen Humor gehabt...

Das Konzert entwickelte weiterhin die Dynamik, die den Konzerten von TBBT zu eigen war, die Pogo-Tänzer und Punk-Anhänger kamen bei ‚Faith Healer’ voll auf ihre Kosten. Spike hatte übrigens dieses Stück Porterhouse zum Singen überlassen, weil er meinte, es wäre zu hoch und zu ätzend für ihn. Für Porterhouse war es gerade richtig, und auch das rollende rrrr kriegte er blendend hin wie ein richtiger Cockney. Weiter ging es mit:

 

Dancing with tears in my eyes

Weeping for the memory of a life gone by

Dancing with tears in my eyes

Living out a memory of a love that died

 

Ein langes Stück, bestehend fast nur aus Vorspiel und Nachspiel. Ein zum Tanzen ideales Stück, und die Menschen im Saal tanzen ausgiebig und ausgelassen.

 

Buffy ist ein wenig verwirrt. Was ist das für eine Botschaft, wenn es denn eine Botschaft ist? Das wäre keine gute Botschaft. Dann fasst sie sich und versucht, nicht mehr alles auf sich und ihre seltsame jahrelange ‚Beziehung’ zu Spike zu beziehen. Das alles kann reiner Zufall sein. Diese Texte können reiner Zufall sein. Aber dann:

Face to face

and fact to fact

you see and feel

my sex attack…

Also, das kann nun wirklich kein Zufall mehr sein. Das ist die pure Gemeinheit:

Face to face and fact to fact you see and feel my sex attack…

Buffy ist empört. Dieses Stück von Billy Idol, das kann kein Zufall sein. Erstens die Ähnlichkeit von Spike mit Billy, wobei Spike wahrscheinlich früher da war als Billy, vielleicht hat Billy ihn irgendwann mal gesehen und nachgeahmt, und dann dieser... Text! Das ist ein Tiefschlag. Oder doch Zufall?

Spike, sie muss ihn so nennen, denn er ist es, schaut suchend über seine Schulter, als würde er jemanden erwarten.

Hat er vielleicht die Frau erwartet, die jetzt auf die Bühne kommt? Buffy muss, als sie genau hinschaut, unwillkürlich lachen, sie sieht aus wie die Leela aus Futurama, nur hat sie zwei Augen. Aber eine geile Figur hat sie, und das Publikum verhält sich wie eine homogene Masse und stöhnt hingerissen. Pfiffe und Rufe werden laut: Leela, Leela, Leela.

Die Frau kommt schüchtern näher, ihre Blicke hängen an Spike. Und Spike lächelt ihr aufmunternd zu. Wenn es denn Spike ist. Aber wie kann es Spike sein. Er muss tot sein. Verglüht im Höllenschlund.

 

Ein knallharter Rhythmus ertönt, ein synthetischer Rhythmus ist das, gefolgt von einem heftigen Keyboard, der Rhythmus steigert sich, nein, er wird nur dichter, weil jetzt alle Instrumente einsteigen.

Die Leela-Frau fängt an zu singen, nein an zu sprechen, sie spricht leidenschaftlich wie eine Anwältin bei einem Plädoyer vor dem obersten Gerichtshof. Sie spricht:

Walking into light

From the blank evening sky

Knuckles rub away the darkness

Circling my eyes

Walking into warmth

From the cold evening air

Numb white fingers push

Greasy rain through my hair

You walk into view

From shadow thrown against the door

Hands reach out an grasp the moment

They've been waiting for

You pull me close

Dampness seeps through to your Skin

You peel the layers away

I feel the fire ignite within

Die Kamera schwenkt wieder ins Publikum und zeigt die Fans von Leela. Und das sind fast alle männlichen Besucher, bis auf die schwulen vielleicht. Auch die Girls sind schwer beeindruckt. Und alle wünschen sich, jetzt statt Leela dort auf der Bühne zu stehen.

Jetzt schaut sie Spike an. Der hat seine Gitarre abgelegt und tritt mit langen Schritten an ihre Seite, ergreift das Mikrofon und spricht, während er sie ansieht:

You create the feeling

I contain the need

It's moments that we're stealing

No pleasure's ever free

You sustain the rhythm

I'll maintain the beat

It's the only chance we're given

Let's turn this cold to heat

You possess the notion

I take full heed

We're bound by this emotion

Two bodies – one heartbeat

You create the feeling

I contain the need

You sustain the rhythm

I'll maintain the beat

 

"Das ist ja rührend", denkt Buffy .Ziemlich sarkastisch denkt sie das.

Das Publikum ist erstaunt, ein leichtes Raunen geht durch den Saal, denn das ist nicht der normale Ablauf dieses Stückes. Normalerweise singt Leela alles allein, aber diese Änderung ist wirklich Klasse. Das finden vor allem die weiblichen Besucher des Konzerts.

Die beiden sind so ein schönes Paar, fast zu schön, um wahr zu sein, und das wird natürlich honoriert vom Publikum. Außerdem sieht es aus wie eine Demonstration. Von Liebe etwa?

Sind Bill und Leela ein Paar? Das war bis jetzt nicht bekannt...

 

Buffy war so versunken und abgelenkt von der Außenwelt, dass sie das Quietschen hinter sich gar nicht hörte.

Bis es richtig laut wurde mit dem Quietschen. Buffy drehte sich um.

"Was ist denn, mein Schatz", sagte sie zu dem Baby im Kinderwagen, hob es hoch, nahm es auf den Arm und ging mit ihm wieder vor den Fernseher. Sie hielt das Baby so, dass es auf den Bildschirm gucken konnte.

"Das ist also dein Daddy, der Drecksack! Was machen wir nun, Morgan?"

Das Baby war vielleicht vier Monate alt, es hatte natürlich keine Ahnung, was ein Daddy??? war, aber den Typen???, der gerade in Großaufnahme??? zu sehen war, den kannte es. Klein Morgan hatte es oder ihn schon oft in den Gedanken??? ihrer Mom gesehen. Klein Morgan wusste natürlich nicht, was Gedanken sind, aber das Bild in dem Kasten wies eine Übereinstimmung??? mit den Gedanken??? ihrer Mom auf. ???

Klein Morgan hatte da noch einen anderen ...Typen??? gesehen, aber der andere wurde allmählich blasser??? und kam nicht mehr so oft??? vor.

"Das waren die Newcomer des Jahres. ‚THE BIG BAD THING’ aus Los Angeles. Das war echt ein Hammer, nicht wahr... Na denn träumt mal schön von Frontmann Bill!" blubberte eine junge Blondine nach Ende des vielleicht neunzigminütigen Konzerts.

"Aus Los Angeles? Das ist ja wirklich ein Hammer. Ob Angel was weiß? Ich glaube, ich werde demnächst mal hinfliegen."

Klein Morgan brabbelte zustimmend, wie es schien.

 

Ende Teil 13 

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Teil 14

 

Endlich wieder zu Hause!

Sie hatten noch ein paar Zusatzkonzerte in den zahlreichen Vororten von L.A. geben müssen, denn das von Fernsehen übertragene Konzert hatte die Stimmung dermaßen angeheizt, dass viele, verdammt viele Leute sie live sehen wollten.

TBBT war nun eine Kultgruppe. Vielleicht keine besonders große Kultgruppe, aber eben eine Kultgruppe für den besonderen Geschmack.

 

Spike schleuderte die Koffer in den Keller und war total erleichtert.

Lilah sowieso, Für sie waren die letzten Wochen viel anstrengender gewesen als für ihn. Sie wollte nur noch schlafen oder ausruhen. Hauptsache nicht mehr vor die Tür gehen. Zumindest für ein paar Tage.

Aber was am besten war, die morgendliche Übelkeit war weg. Endlich weg!

Die Tournee war zwar das Aufregendste gewesen, was sie langer Zeit erlebt hatten, und sie würde bestimmt noch Gesprächsstoff für Jahre geben, aber jetzt bereiteten Lilah und Spike sich auf ein noch größeres Abenteuer vor. Nämlich ein Kind zu bekommen.

 

Nachdem Lilah ein paar Tage wirklich nur im Bett zugebracht hatte, fing sie allmählich an, sich zu erholen. Das Frösteln wich aus ihrem Körper, denn sie wärmte sich an Spike und am Kaminofen, der immer auf vollen Touren lief und das ganze Haus heizte.

Spike hatte eingekauft und ihre Lebensmittelvorräte aufgefrischt. Sie machten es sich richtig gemütlich und genossen es, nicht mehr über Highways zu fahren und in diversen unbekannten Hotels oder Motels übernachten zu müssen. Es war einfach herrlich.

 

Lilah guckte ‚Reich und schön’ und war erstaunt, welche Wendung die verschlungene abstruse Handlung mittlerweile genommen hatte: Brooke liebte nun wirklich Thorne, den Bruder ihrer bis vor kurzem ‚wahren großen Liebe’ Ridge, aber die Mutter der beiden Brüder, Stephanie, hatte einen Schlaganfall erlitten, als sie Brooke und Thorne beim Fastliebesspiel erwischte. Jetzt konnte sich Stephanie an nichts mehr erinnern und musste geschont werden. Zur Schonung gehörte, dass das neue Liebespaar seine Beziehung nicht offen bekennen konnte. Wär ja auch zu einfach gewesen.

Was für eine Tragödie, dachte Lilah belustigt und schaltete den Fernseher aus.

 

"Habe ich dir eigentlich schon von Wesley erzählt?" fragte sie Spike, der sich zu ihr gesetzt hatte. Sie hatte das Gefühl, Spike müsste davon wissen, von diesem peinlichen Kapitel in ihrem Leben. Spike hatte ihr soviel von sich erzählt, dass sie es ihm einfach schuldig war.

"Nein", sagte Spike. "Willst du?"

"Es ist mir peinlich. Aber egal." Lilah zog die Beine an ihren Körper und umschlang sie mit beiden Armen. "Gut, wie fang ich an?

"Von vorne vielleicht?"

"Also wir hatten ein Verhältnis. Zuerst ein rein sexuelles. Aber dann wurde es ernster. Natürlich hat keiner von uns das zugegeben. Vielleicht hat Wes das auch gar nicht so empfunden wie ich. Vielleicht war nur ich die Person, für die es ernster wurde. Er hat sich um mich gekümmert. Wesley hatte ein ausgesprochenes Pflichtgefühl, er war schließlich mal Wächter, ich glaube, da hat man so etwas.

"Stimmt, der Typ war mal in Sunnydale. Aber ich habe ihn nie gesehen. Zu der Zeit war ich nicht dort."

"Blöderweise liebte er eine andere. Winifred Burkle. Sie lebt auch in dem Hotel, wo die ganze Angel-Sippe haust. Angel hat sie aus einer anderen Dimension gerettet. Sie ist sehr intelligent, sehr jung, und sie ist mit Gunn zusammen."

"Den kenne ich auch nicht."

"Ich war so idiotisch, dass ich dachte, ich könnte ihn kaufen. Wesley kaufen. Ich schenkte ihm ein kostbares Artefakt, um ihn zu beeinflussen und ich...." Lilah Stimme stockte und sie sah Spike hilflos an.

"Was denn? So schlimm kann’s  doch nicht  gewesen sein",  Spikes Stimme klang  aufmunternd.

"Ich habe mich so gekleidet wie Fred, ich habe mir die Haare so zurechtgemacht wie Fred, ich habe ein Brille getragen wie Fred. Wie die Frau, die er in Wirklichkeit liebte. Und es hat gewirkt. Allerdings nur kurzfristig. Bald darauf hat er mit mir Schluss gemacht." Lilahs Stimme klang bitter, und sie sprach sehr schnell. "Er hatte sich für das Gute entschieden. Ich war draußen!"

"Oh ja, die Guten sind wirklich unerbittlich", sagte Spike, und auch seine Stimme klang bitter. "Na und? Jeder handelt mal idiotisch im Namen der Liebe. Aber so was sollte nur einmal passieren. Liebe ist ja gut und schön, aber man sollte sich nicht selbst verleugnen und demütigen. Das bringt nichts. Ich habe es ja auch getan, und es hat mir nichts gebracht. Es war für alle nur peinlich. Besonders für Buffy..." Spike fiel urplötzlich der Schrein ein, den er damals in seiner Gruft errichtet hatte. Mit Reliquien, die er aus Buffys Haus geklaut hatte. Nein wie entsetzlich. War er damals total übergeschnappt gewesen? Er stöhnte gequält auf.

"Seltsamerweise habe ich mich, nachdem er mit mir Schluss gemacht hatte, verändert. Ich wollte nicht mehr so böse sein wie zuvor, und ich fing allmählich an, meine Position in der Firma auszunutzen, um bestimmten Leuten zu helfen. Ich konnte ihnen natürlich nur ein bisschen und recht unauffällig helfen. Ich glaube, ich wollte mir beweisen, dass ich Wesley nicht brauchte, um gut, nein gut ist das falsche Wort, sagen wir ein wenig besser zu sein als früher."

"Du hast es aus eigener Kraft geschafft", sagte Spike anerkennend.

"Ein bisschen, wie gesagt nur ein bisschen. Erst als ich gestorben war und zurückgeholt wurde, da wurde ich zu einem ...", Lilah lächelte, "gefallenen Teufel."

"Das ist gut. Gefallener Teufel. Im Gegensatz zu gefallener Engel."

"Wie haben sie es wohl gemacht?"

"Was gemacht?"

"Uns wieder zum Leben erweckt!"

"Ich schätze mal", meinte Spike nachdenklich", sie brauchten dazu nur ein paar Elemente, vielleicht ein bisschen Kohle, ein bisschen Zucker, ein Prise Schwefel, einen Nagel und viel Wasser. Da ist alles drin, was man fürs ‚Leben’ braucht: Kohlenstoff, Schwefel, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und ein bisschen Eisen."

"Sie haben mich etwas kleiner gemacht", sagte Lilah.

"Vielleicht haben sie für das Rezept weniger genommen als auf der Packung angegeben war... Vielleicht war der Zucker ausgegangen oder es war zu wenig da."

"Ich bin froh darüber", musste Lilah zugeben. "Aber wie haben sie deine Narbe hingekriegt? Als simpler Klon wie ich wärst so frisch und unversehrt wie ein neugeborenes Baby. Bei mir sind keinerlei Narben zu sehen."

"Ach was weiß ich! Vielleicht durch Zauber, vielleicht durch das Amulett. Das Amulett hatte große Kräfte, vielleicht hat es sich so innig mit meinen Körpermolekülen verbunden, dass ich so bin wie ich war... Heiliger Strohsack, das hört sich ja sehr philosophisch an."

"Bin ich ich? Oder bin ich gar kein Mensch?"

"Natürlich bist du ein Mensch", sagte Spike eindringlich. "Du wärst auch ein Mensch, wenn du zu hundert Prozent aus Ersatzteilen bestehen würdest. Wenn du Gefühle hast und darüber nachdenken kannst, dann bist du auch ein Mensch."

Lilah war es zufrieden und lehnte sich an Spike.

 

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Sie fingen an, gemeinsam an der Schwangerschaftsgymnastik teilzunehmen. Lilah spürte die neidischen Blicke der anderen Frauen, die nicht das Glück hatten, einen so attraktiven Mann zu haben wie Spike es nun mal war. Und sie genoss es. Vor allem genoss sie es, dass er mitging und sie unterstützte. Konnte jemand glücklicher sein als sie? Wohl kaum.

Das Leben war herrlich. Als der Frühling kam, konnten sie endlich ihren Wintergarten ausnutzen und sich bei geöffneter Glastür auf das große Rattansofa setzen und in den Garten hinausschauen. Lilah setzte sich oft alleine dort hin, wenn Spike nicht da war, weil er mit den Jungs oder der Plattenfirma etwas zu besprechen oder zu verhandeln hatte. Manchmal gaben er und die Jungs auch Interviews. Nein, nicht mit einem Vampir.

 

Sie las dort gerne die Bücher, die Spike ihr mitgebracht hatte. Zum Beispiel ‚Die Sterntagebücher’ von Stanislaw Lem, der wohl einer seiner Lieblingsschriftsteller sein musste neben Douglas Adams, denn er brachte noch weitere Bücher von ihm mit. War aber auch ziemlich witzig. Und philosophisch, aber eben auf witzige Art.

 

Spike und Lilah sprachen darüber, sich ein eigenes Haus zu kaufen, besichtigten auch mehrere Objekte, aber blöderweise wurden alle, die in Frage kamen, immer von anderen Interessenten vor ihrer Nase weggeschnappt. Als Lilah um die Taille unförmiger wurde, gaben sie es auf und wollten es erst wieder versuchen, wenn das Kind geboren war.

 

Lilah schaffte es auch nicht mehr, sich um Spikes Geschäfte zu kümmern, sondern besorgte ihm eine neue Agentin, die nichts mit W&H zu tun hatte, sondern eine Studienkollegin von Lilah war und der Lilah absolut vertraute. Im Gegensatz zu W&H.

 

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"Und dann wollte der Typ mir doch tatsächlich erzählen, dass er mal jemanden beim ‚Fliegen’ gesehen hat", meinte Lilah, als sie sich nach einem ausgiebigen Liebesspiel – trotz ihres doch erweiterten Taillenumfangs schien Spike sie immer noch so zu begehren wie in der ersten Nacht – an seine ach so attraktive Brust schmiegte.

"Fliegen? Wie meinst du das?"

"Weißt du, diese Yogis, die können sich doch in die Luft erheben. Wie nennt man das?"

"Levitation?" fragte Spike.

"Genau, Levitation. Also der Yogi hatte sich einen halben Meter in die Luft erhoben und schwebte da so herum. Das hat meinen Exfreund, quatsch das ist gar nicht erst mein Freund geworden nach diesem Auftakt, so stark beeindruckt, dass er mir stundenlang davon erzählt hat, nachdem wir es getrieben hatten. Heiliger Strohsack, war das öde!"

"Ich habe mal gehört, dass das Schweben das Gehirn von denen so beansprucht, dass sie den Verstand verlieren", meinte Spike sich zu erinnern.

"Ist ja toll. Und was haben die dann davon? Sie können fliegen, aber das Gehirn ist ausgebrannt."

"Man kann nicht alles im Leben haben", lachte Spike.

"Genau. Und wenn ich fliegen will. nehme ich ein Flugzeug. Spinner!" Lilah drückte sich noch enger an Spike. "Kannst du übrigens französisch?"

"Habe ich dir das eben nicht bewiesen, mein Schatz", meinte Spike anzüglich.

"Nein", sagte Lilah etwas verlegen, "das meinte ich nicht. Ich meinte französisch, die Sprache..."

"Un petit peu", sagte Spike. Das war natürlich Quatsch, denn entweder muss es heißen ‚un peu’ oder ‚un petit’, beides zusammen ist so überflüssig wie der weiße Schimmel, der schwarze Rappe oder die unberührte Jungfrau.

"Also kannst du ein bisschen französisch! Un petit peu! Das ist gut. Was meinst du, siezen die Franzosen ihre Katzen?"

"Äääh bitte?" Spike war überrascht. Sie hatte immer wieder das Talent, ihn zu amüsieren, und vor allem zu interessieren.

"Die Franzosen. Siezen sie ihre Katzen?"

"Keine Ahnung. Sag es mir!"

"Gut. Also ich war mit einer Freundin auf einer Studienreise durch Europa. Moment mal, hast du eigentlich schon Mark Twains ‚Reisen durch Europa’ gelesen?"

"Nein. Ist es gut? Dann besorg ich es."

"Es ist gut. Wir fuhren durch Frankreich. In Südfrankreich, dort wo man nicht mehr auf die gebührenpflichtige Autobahn gelotst wird, bekamen wir Hunger und hielten vor einer épicerie. Oder es war eine boulangerie – was für eine Sprache – wir wollten jedenfalls was zum Essen kaufen."

"Eine Pâtisserie war es bestimmt nicht" meinte Spike lächelnd.

"Ich wollte also die Verkäuferin mit fließendem Französisch beeindrucken, ich hatte vorher zwei Stunden darüber nachgedacht, wie ich es ausdrücken sollte. Avez vous du pain? fragte ich."

"Heißt soviel wie: Habense Brot da?" meinte Spike seine Französischkenntnisse kundtun zu müssen.

"Le pain war natürlich ausgegangen. Am späten Nachmittag haben die Franzosen kein pain mehr. Das hätten wir wissen müssen."

"Gut. Brot war alle. Was war mit den Katzen?"

"Da waren zwei Katzen in diesem Laden, egal ob épicerie oder bulongerie, eine kleine Getigerte und eine große dicke Rote. Die kleine Getigerte belästigte die große dicke Rote."

"Die Getigerten sind die reinsten Drecksäcke..."

"Die Verkäuferin sagte: Laissez faire le grand."

"Das heißt: Lassen Sie den Großen in Ruhe", meinte Spike.

"Habe ich auch zuerst gedacht. Aber bei dieser Sprache, wo alles genauso gesprochen aber ganz anders geschrieben wird, sind mir mittlerweile Zweifel gekommen."

"Inwiefern?"

"Es könnte genauso gut heißen: Laisser faire le grand. Und das würde heißen, es wäre die Befehlsform, also der Imperativ, und das würde heißen: Den großen in Ruhe lassen!"

"Ich glaube nicht, dass die Franzosen ihre Katzen anschnauzen", sagte Spike. "Einigen wir uns darauf, dass die Franzosen ihre Katzen siezen. Wenn ich mich so recht entsinne, dann siezen sich sogar französische Ehepaare im Ehebett... Also warum sollten sie nicht ihre Katzen siezen?"

"Voulez vous coucher avec moi?"

"Aber Schatz wir sind doch gar nicht im Ehebett…"

"Ce soir?"

"Klar! Coucher avec moi!!! Was soviel heißt wie: Mit mir schlafen!!! Das ist die Befehlsform. Verstanden, ma chere?"

 

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Spike war schon den ganzen Tag nervös gewesen und irgendwie unkonzentriert. Lilah wunderte sich, was er wohl hatte

Er zog sie auf seinen Schoß, streichelte ihr Haar, zwirbelte geistesabwesend einige ihrer Haarsträhnen zu Löckchen, öffnete seinen Mund, schloss ihn aber sofort wieder.

"Was ist denn eigentlich los mit dir?" fragte Lilah besorgt.

"Äaaah ich.. wollte dich was fragen."

"Jaaa?"

"Wir verstehen uns doch gut, oder?" Spikes Stimme war unsicher.

 

"Jaaa. Natürlich. Oder?"

"Wir wollen zusammen bleiben? Oder willst du nicht... für unser Kind wäre es doch besser, wenn wir zusammenbleiben würden."

"Ich glaube schon", Lilahs Herz machte einen Sprung, als er unser Kind sagte. Er hatte es also akzeptiert. Zum erstenmal hatte er ‚unser Kind’ gesagt.

"Ich weiß, das du ziemlich.... äääh vermögend bist", Spike strich sich nervös durch sein Haar, "und dass ich", er stockte kurz und sprach dann schnell weiter, "nicht gerade die beste Partie bin."

"Worauf willst du hinaus?" Lilah war nun mehr als verwundert.

"Wir könnten ja, zum Beispiel, so einen Vertrag abschließen. Weißt du, so einen Vertrag in dem die Vermögenssachen geregelt sind..."

"Was zum Teufel willst du denn regeln?"

"Bin ich hier die Anwältin oder du!!??" fragte er gereizt zurück.

"Wenn du dich ein bisschen deutlicher ausdrücken könntest", sagte Lilah einigermaßen ratlos, obwohl sie auf einmal ahnte, was... nein, sie musste sich irren. "Was also wolltest du mich fragen?"

"Verflucht noch mal, ich wollte dich fragen, ob du...", nach einer ganz kurzen Pause redete Spike ganz schnell weiter, weil er möglicherweise nie sagen würde, wenn er es jetzt nicht über die Lippen brachte... "meine Frau werden willst!?"

Lilah glotzte ihn an. Sie hatte es vorhin schon vermutet aber nie im Leben für möglich gehalten. Dieses war ein Heiratsantrag. Von Spike, den sie liebte.

Lilah hatte auf einmal einen Geistesblitz, der ihre Antwort auf diese heikle Frage vom Trivialen befreien – und vielleicht für alle Zeiten ein Gegenstand von Witzen zwischen Spike und ihr bleiben würde.

"Gut, ich hol schon mal Papier und was zum Schreiben."

"Häääh? Ach so. Du sagst ja?"

"Ja, du verdammter Volltrottel", Lilahs Stimme klang noch spröder als sonst, sie zitterte fast, "ich will deine verdammte Frau werden!"

"Das ist gut", sagte Spike erleichtert, zog sie noch näher an sich heran und küsste sie zärtlich. Und wollte gar nicht damit aufhören.

"So, und jetzt kannst du das Papier holen", sagte er nach einer Weile, als sie sich atemlos voneinander getrennt hatten.

"Später, wir werden das schon regeln. Also küss mich. Weiter!"

"Lilah, iich will nnicht, dass du denkst, es wäre nur wegen ddes Kindes", Spike fing doch tatsächlich an, leicht zu stottern.

"Und weswegen dann?" Lilah fühlte sich zunehmend sicherer.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich noch einmal richtig verlieben könnte. Weißt du, gebranntes Kind scheut Feuer –blöder Spruch – aber mit dir ist alles so leicht. Und schön.

Mit dir habe ich keine Zweifel. Weder an dir noch an mir."

"Ja das stimmt. Ich habe auch keine Zweifel", sagte Lilah ernst.

"Vermutlich liegt es daran, dass ich dich liebe", Spike lächelte sie an, und Lilah schaute hingerissen in seine blauen Augen, die sie unglaublich liebevoll anblickten. Sie umarmten sich wieder. Und küssten sich. Es war unglaublich kitschig, es war unglaublich schön. Es war unglaublich.

Auch die Reihenfolge der Ereignisse war unglaublich: Sie hatten miteinander geschlafen. Sie hatten ein Kind gezeugt. Er hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht. Und er hatte ihr eine Liebeserklärung gemacht. Seltsame Reihenfolge, quatsch, die Reihenfolge war schon okay, aber die Liebeserklärung kam ein bisschen verspätet, aber es fühlte sich trotzdem alles richtig an.

Dann wühlte Spike mit der Hand in seiner Hosentasche herum und holte schließlich ein kleines Kästchen hervor. Er klappte es auf, nahm den Ring heraus und steckte ihn Lilah vorsichtig an den Finger.

"Natürlich nur, wenn er dir gefällt. Es ist ein Saphir", fügte Spike hinzu. Natürlich fügte Spike nicht hinzu, wie schweinisch teuer der Ring gewesen war, aber für seine Liebste war eben nur das Beste gut genug.

"Er ist perfekt", sagt Lilah versonnen, streckte ihre Hand aus und bewunderte IHREN Ring. Er war so schlicht, dass er schon wieder auffallend war. Ein großer, flacher eckiger, im Facettenstil geschliffener dunkelblauer Saphir, der von der Farbe her perfekt zu ihren Augen passte und der ganz schlicht gefasst war in einem dunklen Gold.

"Ist das etwa Rotgold?" fragte sie Spike.

"Ja, das ist mal was anderes als das ewige Weiß- und Gelbgold. Er ist dir doch nicht zu ... klobig? Ich kann nämlich diese kleinen zierlichen Ringe nicht ausstehen mit ihren noch kleineren Brillantsplittern. Ich finde, durch einen nicht so zierlichen Ring wirkt jede Hand zarter, das ist ähnlich wie bei Halsketten. Oder bei Schuhen", sagte Spike erklärend und fügte hinzu: "Nicht dass du keine zarte Hand hättest, so aber", er küsste ihre Hand, die den Ring trug, "wirkt sie einfach ...unwiderstehlich."

"Ich werde dann also Lilah Morgan Castaway heißen", meinte Lilah nachdenklich und betrachtete immer noch ihren Ring, "aber eines möchte ich doch gerne wissen..."

"Dann frag’ mich, Frau!"

"Wie ist eigentlich dein richtiger Name? Ich meine den außer William, William kennen wir ja alle."

"Lass mal überlegen", Spike musste wirklich ein paar Minuten überlegen, denn es war so verdammt lange her... "William Gwydion Pendrag", sagte er dann schließlich stockend und bekräftigte nach einer kleinen Pause diese Aussage: "Ja genau – William Gwydion Pendrag."

"Das ist ein interessanter Name." Lilah sprach den Namen zärtlich aus: "Gwydion."

"Findest du?" Spike schaute etwas abwesend drein, als würde er in die Vergangenheit lauschen, weil da noch irgend etwas war... Zwei Minuten später fiel es ihm ein: "Dieser Name, Gwydion, wird in unserer Familie immer dem ältesten Sohn gegeben. Ist so eine Tradition. Keiner weiß warum, damals wussten wir es auch schon nicht mehr."

"Das heißt also, falls wir einen Jungen bekommen, wird er Gwydion heißen. Das gefällt mir. Was ist das für ein Name? Oder", sie stockte, weil ihr etwas einfiel, "hast du etwa schon einen Sohn?"

"Nein, um Himmels Willen, nein! Alles an mir war doch ziemlich tot."

"Da haben wir schon Pferde kotzen sehen", meinte Lilah trocken, "zum Beispiel: Angel und Darla, beide ja wohl Vampire, haben einen gesunden menschlichen Sohn bekommen."

"Tja, da waren ja wohl die Höheren Mächte im Spiel. Zu denen hat er ja immer einen guten Draht gehabt", sagte Spike nachdenklich, "zumindest in den letzten Jahren..."

"Also was ist das für ein Name? Und werden wir unser Kind", Lilah schwelgte in den Worten ‚unser Kind’, "falls es denn ein Junge wird, so nennen? Gwydion?"

"Ich glaube, er ist gälischen Ursprungs, aber so genau wusste das schon damals keiner mehr. Ist ja auch egal", meinte Spike nach einer kurzen Pause. "Eigentlich habe ich Traditionen immer verabscheut, aber in diesem Fall werden wir mal eine Ausnahme machen."

 

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Bei W&H horchten die Abhörer der aufgezeichneten Bänder, die wiederum von den Wanzen in Spikes Haus stammten wurden, auf.

Endlich mal eine, wenn auch kleine Information über Spikes Vergangenheit. Nämlich sein wirklicher Name und die Familientradition.

Sehr interessant war das, und man gab es sofort an die maßgeblichen Stellen weiter.

Bis jetzt hatte man nämlich nur mit Vermutungen gearbeitet, denn man besaß zwar die Übersetzung der Prophezeiung, aber der Sinn des ganzen lag noch im Verborgenen.

Man wusste natürlich, dass Spike ‚Jägerinnen-Kräfte’ innewohnten, die drei Monate, die er in der Krankenstation bei W&H verbracht hatte, waren in dieser Beziehung sehr aufschlussreich gewesen... Aber was hatte das zu bedeuten?

Man hatte ihm Lilah zur Seite gegeben, erst mal für alle Fälle und dann wegen der Übersetzung, die von Kindern sprach...

Nun, ein Kind war ja wohl unterwegs.

 

"Ich kann die Scheiße nicht mehr hören", sagte Abhörer Nr.1 zu Abhörer Nr.2. "Hoffentlich hat das bald ein Ende! Diese bescheuerten Gespräche von denen! Wen interessiert das schon, ob A- und B-Hörnchen ein Liebespaar sind. Meine Güte!"

"Oder ob die verdammten Franzosen ihre verdammten Katzen siezen! Andererseits treiben die beiden wirkliche geile Sachen, und ich glaube, das würde ich echt vermissen", sagte Abhörer Nr.2 zu Abhörer Nr.1.

 

 

Ende Teil 14  GONE WITH THE DEATH?  © Ingrid Grote 2003

 

 

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