GONE WITH THE DEATH?
Teil
11
Es stand also fest, Mitte Januar würde ihre Tournee
beginnen. Da war natürlich noch einiges abzuklären. Womit sollten sie fahren?
Würden die Instrumente, insbesondere das Schlagzeug ins Auto passen. Waren Boxen
und Verstärker in den Hallen, Hallen war vielleicht übertrieben, es würden
nicht mehr als tausend Leute in die Hallen passen, immerhin ganz ordentlich. Es
mussten Hotelzimmer gebucht werden. Gut, das machte die Plattenfirma. Ferner
würde die Plattenfirma auch die Promotion machen, vom Internet bis zur Werbung
in Zeitungen, sogar die altmodische aus dem letzten Jahrtausend stammende
Plakatkleberei würde praktiziert werden, allerdings nur begrenzt. Soweit schien
alles klar zu sein – aber man brauchte unbedingt noch ein Auto.
Sylvester verbrachten alle bei Spike und Lilah, sie
konnten natürlich nicht nur feiern, sondern mussten noch viel abklären. Im
Keller.
Spike bat auch Lilah in den Keller.
"Die Jungs haben mir gesagt", er lächelte
heimtückisch, "dass du gerne mitkommen würdest auf die Tour."
"Oooh, äääh..."
"Sie wären eventuell einverstanden", fuhr
Spike immer noch heimtückisch lächelnd fort, "wenn du gewisse Bedingungen
erfüllst..."
"Was denn für Bedingungen?"
"Schau dir dieses Bild an." Spike hielt Lilah
fröhlich ein bedrucktes Blatt vor die Nase.
"Das kann doch nicht euer Ernst sein",
keuchte Lilah fassungslos.
"Oh doch", meinte Spike fröhlich.
"Ist doch halb so wild..."
Lilah guckte sich das Foto noch mal genauer an. Es
handelte sich um den Ausdruck einer Website, auf der die Leela aus Futurama zu
sehen war. Und sie trug, wie jeder weiß, einen lilafarbenen Pferdeschwanz, ein
weißes Top, schwarze enge Hosen und seltsame Astronauten-Stiefel.
"Das kann ich nicht", meinte sie
schließlich.
"Na gut, dann eben nicht. Wo waren wir stehen
geblieben, Jungs?"
"Hey Moment mal", meldete sich Lilah
wieder zu Wort, "kann ich wenigstens darüber nachdenken?"
"Gut, wir geben dir eine Minute", sagte
Spike grinsend wegen dieser Anspielung auf die Sache mit der Bank vorm E-body.
"Ich mach es! Obwohl, das mit dem einen Auge –
das kriege ich nicht hin." Lilah hatte sich entschlossen, ins kalte Wasser
zu springen, und bei näherer Betrachtung hatte diese Maskerade auch viel Gutes.
Niemand wurde hinter dieser Maskerade die Anwältin Lilah Morgan vermuten.
Nicht, dass sie sich dafür schämen würde, bei einer Band mitzusingen, Na ja ein
einziges Stück war es nur, aber sie würde sich freier fühlen mit diesem Outfit.
"Wir haben die Haarfarbe schon besorgt. Keine
Bange, man kann sie auswaschen. Und ich habe auch schon passende Stiefel
gesehen."
Lilah guckte Spike empört an. Wieso konnte er ihre
Reaktion so leicht voraussehen? Das war einfach nicht fair. Dann überkam sie
mit einem Schlag die Freude, dass die nächsten Wochen wahrscheinlich ziemlich
aufregend sein würden und dass sie mit Spike zusammen sein würde. Freude!!!
"Wir könnten den Porsche nehmen", schlug
sie vor.
"Da passen aber höchstens zwei Leute und drei
Gitarren rein."
"Wir werden das schon hinkriegen", meinte
Lilah, "denn wir sollten die Kosten niedrig halten. Der Van und der
Porsche, das muss reichen." Lilah spielte tatsächlich schon die sparsame
Hausfrau, eine ihr bis jetzt unbekannte Rolle.
Man stimmte ihr zu.
"Wir müssen viele Klamotten mitnehmen",
sagte jemand.
"Es ist Winter, wir brauchen warme
Klamotten."
"Jeder ein Koffer, das müsste reichen."
"Unterwegs gibt es Reinigungen,
Wäschereien."
"Der Porsche als Explorer..."
"Wir nehmen uns Zeit."
"Pro Station vier Tage mit Anreise."
"Brauchen wir auch, stellt euch vor, der Wagen
verreckt unterwegs..."
"Die Koffer kann man gut stapeln."
"Wir werden das mal antesten. Schließlich muss
man auch noch bequem sitzen können, ohne dass einem der Arsch abfällt..."
Endlich ergriff Spike das Wort: "Ich fasse
also zusammen: Wir wollen auf Wunsch der Mehrheit mit dem eigenen Auto fahren,
obwohl die Plattenfirma uns eins zur Verfügung gestellt hätte. Mit Fahrer. Wir
hätten uns nur noch reinsetzen müssen. Aber das wollten wir nicht, wir wollten
Freiheit und Abenteuer. Und das Risiko. Angenommen der Wagen verreckt
unterwegs, dann müssen wir ihn selber wieder flott machen oder eine Werkstatt
erreichen, die ihn wieder flott macht. Die Plattenfirma hat uns also eine Summe
Geldes zur Verfügung gestellt, bei der sie billiger wegkommt, und bei der wir
zwar ein Geschäft machen – aber nur wenn alles klappt. Wir haben zwar noch
einen gewissen finanziellen Spielraum, aber bei zwei größeren Reparaturen wäre
der Spielraum dahin. Außerdem kämen wir dann ins Schleudern mit dem Zeitplan,
und das wäre entsetzlich."
"Hört, hört", sagte jemand.
"Die Plattenfirma hat ferner die Hotelzimmer
schon für uns gebucht, und zwar gibt es pro Spielort zwei Übernachtungen. Wenn
wir also eine Nacht eher da sind, müssen wir die Übernachtung aus eigener
Tasche bezahlen, und das ist bei drei Doppelzimmern kein Pappenstiel. Oder wir
übernachten im Van, das allerdings wird im Januar-Februar kein Vergnügen sein.
Trotzdem sollten wir für alle Fälle warme Decken mitnehmen, die dürften auch
nicht viel Platz wegnehmen.
"Gute Idee, Spike."
"Das mit den Koffern haben wir schon
abgeklärt. Jeder einen. Ja, Lilah, auch du nur einen!"
Lilah maulte ein wenig, fügte sich dann aber
wortlos.
"Hier ist ein Ausdruck von unseren Zielen und
von den Hotels, in denen wir übernachten werden. Ferner eine Straßenkarte mit
Wegbeschreibung. Und was sehr wichtig ist, auch eine Telefonliste sämtlicher
Werkstätten und Servicestationen auf unserem Weg. Man kann nie wissen... Mit
dem Handy dürfte es kein Problem sein, Hilfe zu besorgen."
"Du bist wirklich ein
Organisationstalent", meinte Snikkers.
"Halb so wild", sagte Spike,
"eigentlich hat Lilah alles geplant. Dann haben wir da noch die Fressläden
und die Frisöre."
"Haben wir uns gleich gedacht! Das mit Lilah
natürlich."
"Wir werden uns beim Fahren abwechseln."
fuhr Spike fort.
"Kann ich dann auch mal den Porsche
fahren?" fragte Casio.
"Ja, du bist schließlich ein richtiger
Techniker!" meinte Lila nach kurzer Überlegung.
Als es zwölf Uhr war, sangen alle gemeinsam: Should
old acquaintance be forgot….
Lilah und Spike gingen nach draußen, um sich
getrennt von den anderen ein gutes neues Jahr zu wünschen.
Es war ausnahmsweise eine klare Nacht für
L.A.-Verhältnisse, und Spike zeigte Lilah das Sternbild Orion.
"Man nennt ihn auch den Jäger", erklärte
er Lilah. "Siehst du den hellen orangenen Stern, der seine Schulter
bildet? Das ist Beteigeuze, ein roter Riese, und sein rechter Fuß", Spike
deutete mit seinem Zeigefinger in die Richtung, "das ist Rigel. Das ist
ein heißer blauer Stern, auch sehr groß. Beide sind viel größer als unsere
Sonne. Rigel hat die ungefähr die hunderttausendfache Leuchtkraft der
Sonne."
"Meine Güte, das ist aber wirklich verdammt
groß!" Lilah war sehr beeindruckt. "Ich wusste ja gar nicht, das du
dich für Astronomie interessierst."
"Das hat mit Astronomie nichts zu tun, das ist
Allgemeinwissen. Meine Güte, ist die Luft heute klar, das ist wirklich eine
Seltenheit!"
"Für L.A. auf jeden Fall", stimmte Lilah
ihm zu.
"Angeblich kann man dreitausend Sterne von der
Nordhalbkugel der Erde aus sehen", meinte Spike nachdenklich.
"Hier bestimmt nicht. Was ist das für
einer?" Lilah deutete auf einen sehr hellen Stern, der sich links
unterhalb des Orions befand.
"Das ist Sirius, der hellste Fixstern, den man
auf der Erde sehen kann. Das Sternbild heißt ‚Großer Hund’. Deswegen sagte man
in Ägypten, wenn der Sirius zum erstenmal in einer Sommernacht über dem
Horizont zu sehen war: Die Hundstage fangen an. Dann wurde es nämlich heiß in
Ägypten."
"Das ist interessant. Und der kleine süße
Tennisschläger da oben? Was ist das?"
"Das sind die Plejaden, sehen niedlich aus,
was? Es soll sich um die sieben Töchter des Atlas handeln, die von Orion
verfolgt wurden. Sie wurden in den Himmel versetzt. Eine versteckt sich immer.
"Stimmt", sagte Lilah nach einer Weile,
"ich kann nur sechs sehen."
"Aber der Orion ist immer schon mein
Lieblingssternbild gewesen", meinte Spike, "er ist so gewaltig, so
groß, und er ist der Jäger..."
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Was für ein Liebhaber ist er doch, dachte Lilah
zärtlich, als sie neben Spike aufwachte. Manchmal war es nicht zum Aushalten,
Im Guten natürlich. Manchmal überkam ihn sein Verlangen, und er nahm sie ohne
Vorwarnung, ohne jegliches Vorspiel ganz hart und ohne die Absicht, sie zum Orgasmus
zu bringen, aber gerade diese Rücksichtslosigkeit wurde manchmal von Frauen
verlangt, dachte Lilah amüsiert weiter, denn ein Liebhaber, der sich immer
beherrschen kann, dessen Verlangen ist zu gering. Manchmal sollte ein Mann sich
nicht beherrschen können und das tun, wonach ihm der Kopf, Lilah lächelte ein
wenig, nein, eher doch der Schwanz stand.
Und als sie es einmal nicht bis zum Orgasmus
geschafft hatte, hatte er sich danach viel Zeit, sehr viel Zeit genommen.
Lilah musste noch mehr lächeln.
"Warum lachst du?" fragte Spike, der
gerade wach geworden war.
"Ich dachte gerade darüber nach, ob A-Hörnchen
und B-Hörnchen wohl ein Liebespaar sind", sagte Lilah, "weil die sich
immer so streiten."
"Gute Frage", meinte Spike nachdenklich.
"Die streiten sich wirklich, aber sie könnten auch Geschwister sein."
"Nein, glaube ich nicht, das ist ein Paar! Der
mit der schwarzen Knopfnase behandelt den anderen immer so, als ob er total
blöde wäre."
"Tja, Frauen behandeln ihre Männer manchmal
so. Also doch ein Ehepaar. Könnte sein."
"Ich dachte eher umgekehrt."
"Was?"
"Dass die Schwarznase der Mann ist und der
oder die Großweißnase die Frau ist."
"Ich möchte nur wissen, wie du darauf
kommst?" neckte Spike sie.
"Keine Ahnung... Andererseits könnten es
einfach nur Freunde sein."
"Niemals", sagte Spike entschlossen,
"ich glaube, dass es sich um ein Pärchen handelt, allerdings um ein
schwules Pärchen. Obwohl es das bei Walt Disney noch gar nicht gab."
"Es gab damals noch keine Schwulen?"
"Doch schon, aber die Öffentlichkeit verdammte
es. Moment mal, so gesehen waren die ganzen Disneysachen absolut
geschlechtslos, da gab es überhaupt keinen Sex, da gab es nur die Oma, ihren
Cousin Dagobert, ihren Neffen Donald, der wiederum auch nur Neffen hatte,
Donalds Cousine Daisy, in die er verliebt war – Himmel, das ist ja schon fast
Blutschande – die wiederum drei Nichten hatte... Wie sind die alle gezeugt
worden? Wo sind die Eltern abgeblieben? Kein Sex? Andererseits – diese
Cousinen-Vettern-Sache..."
"Und was ist mit dem großen bösen Wolf?"
fragte Lilah.
"Tatsächlich!", wunderte sich Spike.
"Der hat einen Sohn, wahrhaftig! Und er konnte wahnsinnig gut blasen, äääh
ich meine Häuser umblasen."
"Welch ein Witzbold hat sich das wohl
ausgedacht", kicherte Lilah, "das mit dem Blasen!"
"Das versöhnt einen doch etwas. Oder?"
"Vielleicht haben diese Enten immer nur Eier
ausgebrütet", meinte Lilah und kuschelte sich an Spike. "Sex mit
Frauen ist doch was Schönes. Oder?"
"Oh ja!" stöhnte Spike. "Aber die
Eier müssen doch befruchtet werden."
"Ich meinte eigentlich, Sex mit einer
bestimmten Frau ist was Schönes." Lilah sah Spike strafend an.
"Aber sicher, mein Liebling. Außerdem hast du
das gesagt: Sex mit Frauen ist doch was Schönes. Ich würde so etwas nie
sagen."
So oder ähnlich waren ihre zauberhaften belanglosen
Gespräche danach, davor oder zwischendurch, witzig, interessant, vollkommen
belanglos – und ohne das böse Wort ‚Liebe’ auch nur im entferntesten zu
erwähnen, zumindest nicht in Beziehung auf ihre eigene Beziehung...
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"Er ist verdammt schwer zu fahren",
beklagte Spike sich bei Lilah. "Er kommt immer so leicht ins Schleudern,
und das Heck ist mir immer voraus!"
"Das ist der Heckantrieb," meinte Lilah,
"und man nennt es übersteuern."
"Das weiß ich auch. Aber wie fährt man ihn
richtig? Das ist echt eine Granate. Ich traue mich gar nicht, ihn heftig zu
lenken..."
"Du musst dir einfach vorstellen, du fährst
einen Käfer, du musst ihn ganz sanft behandeln, du weißt, das Heck ist dir
immer voraus, weil dort der Schwerpunkt liegt, und du musst das Vorderteil eben
anpassen. Trainiere einfach mal am Computer. Need for Speed, da gibt es auch
spezielle Porscherennen."
Spike beherzigte ihren Rat und übte stundenlang
Porschefahren – entlang der Côte d’Azur und in der Normandie, bis er es endlich
intus hatte. Zumindest in der Simulation.
Ein Porsche mit Heckantrieb ist zwar doppelt so
schnell aber auch fünfmal so widerborstig wie ein Käfer. Aber eigentlich
brauchte man dazu nur eine ruhige Hand. Genau wie bei Frauen, dachte Spike
amüsiert.
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Zwei Tage vor Beginn der Tournee trafen sich alle
noch einmal im E-body. Teils um Abschied zu nehmen von der vertrauten Umgebung,
teils um die letzten Details zu klären. Ungefähr zum fünften Mal.
Bronson hatte seinen letzten Arbeitstag im E-body,
Karel hatte ihn großzügig für sechs Wochen beurlaubt, danach konnte er wieder
im E-body arbeiten, wenn er wollte, denn Karel hielt große Stücke auf Bronson,
der auch wenn er mal gesoffen hatte, immer zuverlässig war. Meistens
jedenfalls.
Alle waren nachdenklich. Lilah und Spike saßen wie
immer eng zusammen auf ihrer Bank.
"Sollen wir einen umdrehen?" Porterhouse
hatte Lust auf ein letztes Spiel.
Man stimmte recht lustlos zu, und bald knallten die
Knobelbecher auf die Theke, und man hörte rätselhafte Sätze wie: zwei Einsen
drei Wurf, kleine Straße im zweiten, zwei sechsen, eins und sechs...
Bronson hatte eine super Idee. Er legte die CD auf.
Welche CD? Natürlich die von TBBT, und zwar das Stück ‚Dancing with tears in
your eyes’, ein wahrer Bolide von einem Stück, ein Porsche unter den Stücken,
nicht die normale Version, sondern das sogenannte Remix, eine
neun-Minuten-Version, die fast nur aus einem hammerartigen Vorspiel – bevor der
Sänger, in diesem Fall Bill Castaway endlich eingriff – und einem hammerartigen
Nachspiel bestand. TBBT hatten das Stück allerdings ein wenig gekürzt und noch
ein bisschen heftiger gemacht.
Es stellte sich heraus, dass die kleine Straße im
zweiten die Runde verloren hatte. Alle anderen hatten mit ihren verdeckten
Würfeln entweder einen Schock oder einen General geworfen.
"Können wir mitspielen?" fragte eine
irgendwie tranige Stimme.
Spike drehte sich langsam um, um den Fragenden
genauer zu betrachten, und was er da sah, gefiel ihm gar nicht.
Er sah vier grobschlächtige Typen, massiv gebaut,
mit irgendwie niedrigen Stirnen wie Bullterrier, und diese niedrige Stirnen gingen
übergangslos in stumpfe Nasen über. Ihre Augen waren ziemlich weit außen an
ihren Köpfen angebracht.
Spike überlegte automatisch, dass sie ihn nicht mit
beiden Augen gleichzeitig angucken konnten.
Sie hatten praktisch kein Kinn. Und ihre weißlichen
Zähne waren dreieckig.
Wie bei einem Hai", dachte Spike.
"Heilige Scheiße", stöhnte Snikkers
rechts neben ihm auf, "jetzt haben sie mich doch noch erwischt."
Die Sharkie-Brothers, die schurkische
Inkasso-Schulden-Eintreiber-Truppe hatte Snikkers letztendlich doch noch
gefunden.
Und das war gar nicht gut!
"Was seid ihr denn für hässlich Vö... äääh
Fische!?" fing Spike bösartig grinsend die Unterhaltung mit den Brothers
an.
"Das ist ja ’ne ganze Fisch-Schule",
meinte Bronson heimtückisch von seinem Platz hinter der Theke aus.
"Sollen wir euch vielleicht die Schuppen
polieren?" musste Porterhouse seinen Senf dazu geben.
"Es stinkt nach Fisch hier!" meinte
Casio.
Snikkers war der einzige, der sich dezent
zurückhielt.
Die Sharkie-Brothers würdigten diese Beleidigungen
mit keinem Wort. Der größte der vier Brothers legte seine schuppige Hand um
Snikkers’ Kehle, drückte ein wenig zu, so dass Snikkers ein wenig blau anlief
und sagte: "Rück die fünf Riesen raus oder wir machen dich alle!"
"Rühr dich nicht hier weg", sagte Spike
leise zu Lilah, bevor er sich blitzschnell aus der Bank herausschwang und dem
biggest brother beide Fäuste in den Rücken hieb.
Erstaunt blickte der haiähnliche Typ über seine
flach abfallende, praktisch gar nicht vorhandene Schulter nach hinten, stutzte
etwas und ließ Snikkers dann los, um sich seinem Gegner zuzuwenden. Kurz darauf
war die Hölle los, und Lilah hielt es für das beste, sich in der Bank so
durchsichtig wie möglich zu machen.
Just in diesem Augenblick fing Bill Castaway auf
der CD der ‚Tbbt’ nach dem langen erfrischenden Vorspiel an zu singen.
Dancing with
tears in my eyes.
"Ich mag keinen Fisch!" Das war Casio,
der dem kleinsten der Haie gerade auf den Rücken gesprungen war und versuchte,
den dicken Hals des Hais zu würgen.
Weeping for the
memory of a life gone by
"Sind wir Heringsbändiger oder was?"
grölte Bronson und hieb dem zweitgrößten Hai ein Bierglas über die niedrige
Stirn.
Dancing with
tears in my eyes
"Ihr seid doch kleine Fische!" brüllte Spike,
als er dem größten Hai mit dem rechten Fuß in die Seite trat. Bei Flipper hatte
das immer gewirkt. Der kluge Delphin hatte seine Schnauze immer mit Anlauf
(Anschwimm?) in die Flanke des Hais gebohrt, und der war dann sofort auf Grund
gegangen. Und siehe da, es wirkte auch bei dem Sharkie-Brother, der sich
stöhnend auf dem Grund des E-body herumwälzte. Fischig herumwälzte.
Living out a
memory of a love that died
Es war ein schweinisches Durcheinander von
menschlichen Gliedern, verkümmerten Fischflossen- und Schwänzen und sonstigen
Extremitäten.
It's five and
I'm driving home again
Und Spike fühlte sich sauwohl. Genau das, was er
vermisst hatte, eine ordentliche Keilerei. Und er war nicht schwach, nein, im
Vergleich zu den Jungs war er verdammt stark, und deswegen musste er auch
zweieinhalb Brüder erledigen.
The man on the
wireless cries again
Porterhouse hatte gerade den drittgrößten Sharkie
im Clinch und verbeulte ihm die stumpfe Schnauze so, dass er anfing zu winseln.
It's over, it's
over
Natürlich gewannen sie den Kampf. Aber mit großen
Verlusten.
Bronson hatte sich mit dem Glas, das er in den Hai
gestochen hatte, selber verletzt und blutete wie ein Schwein.
Casio hatte sich das Steißbein angebrochen, als
sich der Hai, mit Casio auf dem Rücken, rückwärts an einen Stehstamm des E-body
geworfen hatte.
Porterhouse hatte zwei blaue Augen. Zusätzlich.
Snikkers hatte einen sein Sporne verloren, und das
tat ihm anscheinend sehr sehr weh.
Spike hatte seine Jacke ruiniert, und sein weißes
Hemd war mit Blut befleckt. Alles in allem sah seine Kleidung aus wie die
Flagge des afrikanischen Staates Obervolta, nämlich schwarz-weiß-rot.
Nach Ende des Kampfes gaben sie den Sharkies,
zumindest denen, die noch einen Funken Leben in sich hatten - Fisch ist
bekanntlich zäh - die Hälfte der Kohle, die Snikkers ihrem Auftraggeber
schuldete. Das hätten sie zwar auch gleich am Anfang tun können, Aber so hatte
es doch viel mehr Spaß gemacht!
It's late and
I'm with my love alone
We drink to
forget the coming storm
We love to the
sound of our favourite song
Over and over
It's time and
we're in each others arms
It's time but I
don't think we really care
Lilah rappelte sich aus ihrem Versteck auf, sie sah
Spike an und war entsetzt, er blutete aus einer Kopfwunde, sah aber ansonsten
recht glücklich aus. Und außerdem sah er aus, als ob er ziemlich geil wäre...
Was für ein Abend! Was für eine Nacht für Spike und
Lilah!
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Phoenix,
Albuquerque, Colorado Springs, Denver, Salt Lake City, Las Vegas, Sacramento,
Berkeley, Pasadena,, San Diego, Long Beach. Das waren ihre Stationen. Ein großer Kreis von circa 2300 Meilen oder
4000 km Länge beziehungsweise Umfang. Der Westen und der Mittlere Westen.
Zwei Tage später fuhren sie los. Lilah mit frisch
getönten lila Haaren und mit einer Zusatzreisetasche, die Spike bei den Jungs
für sie erfleht hatte mit: "Ihr wisst ja, Weiber!"
Erste Station Phoenix, Arizona. Danach wollten sie
auf Spikes Wunsch hin einen Umweg zum Monument Valley machen, weil er es
erstens bei Tageslicht, zweitens in Wirklichkeit und drittens nicht in einem
Western sehen wollte.
Alle Blessuren waren einigermaßen verheilt, oder
sie befanden sich an Stellen, wo sie nicht weiter störten.
Fast alle fühlten sich blendend außer Lilah, die
irgendwie das Autofahren auf den teilweise beschissenen Straßen nicht vertragen
konnte. Möglicherweise hatte sie sich einen Virus eingefangen. Und außer Casio
mit seinem angebrochenen Steißbein, der würde wohl die erste Hälfte ihrer Tour
auf dem Bauch liegend im Van zubringen müssen.
Aber irgendwas ist ja immer...
Ende
Teil 11
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Teil
12
Lilah hatte sich verändert. Vorher war sie schon begehrenswert
gewesen, aber jetzt hatte ihr Körper oder ihre Ausstrahlung sich irgendwie
verändert, Spike wusste nicht wieso und warum. Sie war immer schlank und
feingliedrig gewesen, ihre Gestalt war die einer nubischen Prinzessin, ihre
Glieder waren so schmal, elegant und vollkommen wie bei einer
Araber-Vollblut-Stute. Der Vergleich mit einem Pferd war natürlich blöd. Egal,
wie auch immer, sie war knabenhaft gewesen, und das war sie immer noch, aber
auf eine irgendwie, ja wie sollte er es ausdrücken, pralle? irgendwie knackige?
irgendwie geile Art? Jedenfalls wenn er sie auf der Bühne sah, war er nach dem
Konzert immer so geil auf sie, dass sie kaum noch mit den Jungs in die
ortsübliche Kneipe gingen, um zu feiern, sondern sofort auf ihr Zimmer, um sich
dort auf der Stelle verschiedenen Geilheiten hinzugeben. Spike konnte nicht
genug von ihr bekommen. Und das erstaunte ihn.
Lilah litt immer noch unter der Autofahrerei auf
schlechten Straßen. Sie hatte sich sehr wahrscheinlich einen Virus eingefangen.
Sie ging endlich in Las Vegas, der sechsten Station
ihrer Reise, zu einem Arzt, und nach einer gründlichen Untersuchung verkündete
er ihr, sie wäre überhaupt nicht krank sondern bräuchte nur etwas Ruhe, und die
Übelkeit würde schon von alleine aufhören.
Lilah ging es, als sie aus der Praxis herauskam,
womöglich noch schlechter als vorher.
Als Spike am gleichen Abend mit etwas Verspätung in
die Bar des Hotels kam, in der sie sich alle vor einem ausgiebigen Bummel durch
die Casinos treffen wollten, sah er beim Reinkommen etwas Erstaunliches. Lilah
stand sehr nahe, verdammt nahe, wie Spike meinte, bei Snikkers, und der hatte
seine Hände auf ihre Schultern gelegt, als ob er sie trösten wollte.
Spike war empört. Wenn sie sich wegen irgendwas von
irgendwem trösten lassen wollte, das sollte er, der gute alte Spike, das
eigentlich sein. Verdammte Weiber.
Lilah blickte auf, und Spike meinte für einen
Augenblick, ihre Augen wären feucht gewesen. Hatte sie etwa geweint? Wenn ja,
würde er es schon herauskriegen, und er ging fest entschlossen auf sie zu.
Aber als sie ihn sah, machte sie ein ziemlich
verschrecktes Gesicht, riss sich von Snikkers los, machte einen Bogen, ja sie
schlug tatsächlich einen Haken wie ein Hase, der vom Fuchs verfolgt wird und
verließ fluchtartig das Lokal.
"Was zum Teufel ist hier eigentlich los, du
Penner?" fragte Spike aufgebracht seinen Freund Snikkers und nahm eine
drohende Haltung ein.
Snikkers sagte es ihm.
Spikes Gesichtszüge entgleisten, und er war
einigermaßen erschüttert. Er musste tief Luft holen und nachdenken...
Dann entschloss er sich, sie noch ein bisschen
schmoren zu lassen – und noch ein paar gehaltvolle Drinks zu sich zu nehmen.
Die hatte er jetzt auch verdammt nötig. Sich bei Snikkers auszuheulen...
Verdammte Weiber! Aber wirklich verdammte Weiber!
Als er zwei Stunden später leicht angeschlagen ins
Hotelzimmer torkelte, lag sie mit angezogenen Beinen auf dem Bett und wandte
ihm den Rücken zu. Es war eine so hilflose Haltung, die sie eingenommen hatte,
dass sie automatisch seinen Beschützertrieb hervorrief und er sie in seine Arme
nehmen wollte. Aber er hielt sich zurück.
"Schläfst du, Lilah?" fragte er
stattdessen.
Die wohl dämlichste Frage überhaupt, denn auf diese
Frage kann die Antwort nur ‚nein’ lauten, weil man anderenfalls ja schläft und
nicht antworten kann.
"Ja", murmelte Lilah.
"Okay", brummelte Spike, bis er auf
einmal merkte, dass das nicht sein konnte. "Hey Kleine, du willst mich
wohl verarschen was?"
Er ging auf die andere Seite des Bettes, sie hatte
ihre Hände vor ihr Gesicht gehalten, und er zog ihre Hände weg von ihrem
Gesicht. Sie wehrte sich, aber er ließ nicht locker. Sie sah total verheult
aus.
"Hast du mir irgendwas zu sagen, Kleine?"
Spikes Stimme klang recht barsch, denn er war in der Tat stinksauer.
"Du weißt es also schon?"
"Klar doch. Nach dem alten Sprichwort: Der
Vater erfährt es immer als Letzter", Spikes Stimme war nun mehr als barsch
zu nennen.
Lilah sprang auf und fauchte ihn an wie eine in die
Enge getriebene Katze, so dass Spike automatisch zwei Schritte zurückging und
sehr erstaunt war, denn eigentlich sollte doch ER sich im Recht fühlen. Oder?
"Es ist mir scheißegal, ob du es willst oder
nicht, ich werde es bekommen!" spuckte Lilah ihm ins Gesicht. "Auch wenn
du mich verlässt – ich werde es bekommen. So ist es! Ich kann alleine dafür
sorgen. Ich brauche keinen Mann dafür!"
Spike stand da wie vom Donner gerührt. Mit dieser
leidenschaftlichen Reaktion hatte er nicht gerechnet. Eigentlich hatte er sie
ein bisschen leiden lassen wollen, bevor er ihr großherzig vergab, aber sie
hatte ihm die Tour vermasselt. Und er musste zugeben, es gefiel ihm, wie sie
sich behauptete.
Sie lief zur Tür und wollte aus dem Zimmer
verschwinden. Sie hatte sich gar nicht erst ausgezogen, sondern trug immer noch
die Sachen, die sie schon in der Bar angehabt hatte.
Spike reagierte blitzschnell trotz seiner
Trunkenheit.
Er fing sie ab, bevor sie die Tür öffnen konnte.
"Willst dich wohl wieder bei Snikkers
ausheulen", sagte er grimmig, hob sie hoch, trug sie in Richtung Bett und
legte sie sanft darauf. Dann legte er sich neben sie, und zwar so, dass er in
ihr verheultes Gesicht schauen konnte.
"Wie konnte das überhaupt passieren? Ich
dachte, du nimmst die Pille."
"Das dachte ich auch", Lilahs Stimme
zitterte, "aber schau dir das mal an...", sie drehte sich um, ergriff
ein auf dem kleinen Tisch neben ihrem Bett liegendes kleines längliches, mit
Stanniol bedecktes Ding und gab es Spike.
"Was ist das?" Spike guckte etwas ratlos
auf das Ding.
"Das sind nicht meine Pillen", erklärte
Lilah ihm. "Sie sehen zwar so aus, aber der Name stimmt nicht ganz, da
fehlt ein ‚r’, und die Farbe, meine ich, ist auch nicht richtig."
"Versteh ich nicht", meinte Spike noch
ratloser.
"Sie haben mich reingelegt", Lilahs Augen
füllten sich wieder mit Tränen. "Das sind überhaupt keine A-B-Pillen, ich
wette mit dir, das ist reines Placebo! Nein vielleicht nicht ganz Placebo, denn
ich hatte doch immer meine Tage, wenn auch nur schwach..."
"Upps", meinte Spike, allmählich
verstehend. "Aber was soll das ganze? Wer sind SIE? Und was können SIE
wollen?"
"W&H natürlich", meinte Lilah
verächtlich, "aber ich habe wirklich keine Ahnung, was die Arschlöcher
vorhaben!"
"Schlaf jetzt", sagte Spike zu ihr. Er
legte sich hinter sie und seine Hand auf ihren Bauch. Sie schluckte, ergriff
seine Hand mit beiden Händen und zog sie fester an ihren Bauch.
"Es wird alles gut", sagte Spike leise.
"Und es ist vielleicht eine gute Gelegenheit, mir das Rauchen
abzugewöhnen."
In dieser Nacht fing Spike an, Lilah zu lieben, In
Wirklichkeit hatte es natürlich schon früher angefangen mit der Liebe, aber er
hatte es nicht bemerkt. Jetzt aber wusste er es.
Er war eben ein Mann der Liebe – es war seine Natur
zu lieben. Und wäre es diesmal nicht irrwitzig komisch, wenn er zur Abwechslung
mal zurückgeliebt würde? So richtig? Mit allen Konsequenzen? Das wäre doch
wirklich irrwitzig komisch! Und er war ein Mann, der immer für jemanden sorgen
musste, sich immer um jemanden kümmern musste. Und damit würde er in den
nächsten Jahren wohl genug zu tun haben...
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Als Lilah aufwachte, war Spike schon aufgestanden.
Sie überwand sich, stand auch auf und ging ins
Badezimmer, um zu duschen. Sie zog sich einen warmen Pulver über. Es war lausig
kalt in Las Vegas. Las Vegas hatte was von einem Wüstenklima – im Sommer war es
knochentrocken und heiß, und im Winter war es knochentrocken und kalt.
Als sie in den Frühstücksraum des Hotels kam, saß
Spike schon an einem Tisch.
Die anderen Jungs waren noch nicht zu sehen. Lilah
fiel ein, dass sie gestern Nacht vorhatten, in ein Spielcasino zu gehen, um ein
bisschen Geld zu verlieren.
"Hallo", sagte Spike fröhlich und schaute
sie freundlich und gleichzeitig forschend an.
"Ich brauche Kaffee", stöhnte Lilah und
griff nach der Kanne, die auf dem Tisch stand.
"Moment mal", sagte Spike, "mit
Kaffee solltest du vorsichtig sein. Das ist das reinste Gift fürs Kind.
Vielleicht solltest du besser einen Kamillentee trinken."
Oh nein. Lilah stöhnte in sich hinein. Das fing ja
gut an. Jetzt wollte er ihr tatsächlich schon vorschreiben, was sie zu trinken
hatte.
"Da muss ich ja kotzen", sagte sie
aufsässig.
"Na so schlimm ist Kamillentee doch
nicht", meinte Spike
"Nein, ich muss wirklich kotzen", sagte
Lilah, entfernte sich hastig vom Tisch und raste in Richtung Waschraum, wo sie
den Inhalt des gestrigen Tagen von sich gab und sich danach im Spiegel des
Waschraums betrachtete. Sie hatte Schweißperlen auf der Stirn und sah leicht grünlich
aus. Allerdings passte das zarte Grün sehr gut zu ihrem lilafarbenen Haar. Ja,
die beiden Farben ergänzten sich geradezu ideal.
"Du siehst scheiße aus", sagte Spike zu
ihr, als sie wieder am Tisch Platz genommen hatte. "Wie die von den
Monsters."
Lilah zog es vor, zu schweigen. Spike konnte
manchmal sehr unromantisch sein.
"Du solltest besser nach Hause fahren. Es ist
nicht gut für dich, mit uns hier in der Gegend rumzufahren."
"Moment mal", Lilah wurde sauer, "du
willst mich nach Hause schicken? Nein, nein. Niemals! Ich bleibe!"
"Ich werde natürlich mitkommen. Scheiß auf die
Tournee. Du bist jetzt wichtiger."
Ach Spike, verzeih mir. Sie hatte ihn insgeheim
beschuldigt, absolut unromantisch zu sein, und dann kam so etwas.
"Spike, ich bin nicht krank. Ich bin nur
schwanger. Die Übelkeit wird bald vorbeigehen, hat der Arzt gesagt", Lilah
sagte Spike natürlich nicht, dass die Übelkeit bei manchen Frauen die ganze
Schwangerschaft andauern konnte, "und es ist, wie gesagt, ein ganz
normaler Zustand. Ich muss nicht geschont werden."
"Trotzdem fühle ich mich nicht wohl
dabei."
"Du brauchst dir keine Sorgen machen",
versuchte Lilah Spike gnädig zu stimmen. "Ich werde eben auf Kaffee
verzichten. So weit wie möglich. Aber ich liebe Kaffee, vielleicht sollte ich koffeinfreien
trinken, mein Gott, ich weiß erst seit gestern, dass ich schwanger bin, und ich
weiß überhaupt nicht, was gut oder schlecht für das Kind ist."
"Also Kaffee ist bestimmt nicht gut..."
"Alkohol bestimmt auch nicht. Dem Himmel sei
Dank, ich habe seit Wochen, nein seit Monaten keinen Alkohol mehr
getrunken!"
"Hast du es schon geahnt?"
"Ich weiß nicht. Ich hatte einfach nicht das
Bedürfnis danach."
"Da haben wir aber Glück gehabt", sagte
Spike erleichtert.
"Vielleicht hat mein Körper es geahnt."
"Wie lange ist es schon..."
"Ich bin im vierten Monat."
"Upps, dann hat es vielleicht schon beim
erstenmal geklappt. In deiner Wohnung. Meine Güte!" sagte Spike
verwundert.
"Könnte sein. Warst du vorher
enthaltsam?" fragte Lilah neugierig.
"Oh ja. Ich war so was von keusch. Ich hatte
schon Angst, ich könnte es nicht mehr..."
"Spike bitte, mach keine Witze", lachte
Lilah, "du konntest es sehr gut, und das weißt du.
Nein, was ich meinte ist, wenn ein Paar unbedingt
ein Kind zeugen will, dann soll sich der Mann so lange wie möglich NICHT
sexuell betätigen. Vorher natürlich. Dadurch wird das Sperma besser.
Gehaltvoller."
"So etwas wie der goldene Schuss?"
"Genau", Lilahs Laune besserte sich
zusehends, und die gewohnte Farbe kehrte langsam in ihr Gesicht zurück.
"Du siehst schon viel besser aus", Spike
schaute sie aufmerksam an. "Meinst du, du packst das heute Abend? Das
Fernsehteam wird da sein."
"Aber klar! Abends geht es mir sowieso immer
blendend. Also, was soll schon groß passieren?" Bei diesen Worten legte Lilah
ihre Arme um Spikes Hals und drückte ihm einen federleichten Kuss auf seine
Wange.
"Ich werde auf dich aufpassen", sagte
Spike, legte seine linke Hand um ihre Taille und ließ es zu, dass sie sich noch
enger an ihn schmiegte. Von wegen unromantisch.
"Du hast die Ohren eines Fauns",
flüsterte sie ihm ins Ohr.
Spike war in Gedanken versunken und reagierte gar
nicht auf ihre Worte.
"Ich hab da so eine Idee. Für die Show",
sagte er nachdenklich.
**********************************************************
Abends am gleichen Tag im fernen, sagen wir circa 3000 km oder circa 1900 Meilen entfernten Woodcape in der Nähe von Cleveland, lehnte Buffy sich gerade entspannt auf dem Sofa zurück und schaltete den Fernseher ein. Sie war total geschafft.
Es gab nichts, wie immer beim Kabelfernsehen.
Sie zappte sich durch die Kanäle, aber es gab
wirklich nichts.
Bis sie schließlich auf einem Musikkanal landete.
Sie nahm sich ein Buch, sie hatte es sich nämlich angewöhnt zu lesen und schlug
es auf.
Das Lied fing düster instrumental an. Buffy horchte
auf, sie meinte sie, einen ihr bekannten Laut gehört zu haben. Was zum Teufel
war das? Es hörte sich ziemlich beunruhigend an.
Es hörte sich an wie der Höllenschlund...
Sie hatte verdrängt gehabt, wie der Höllenschlund
sich anhörte, obwohl hier in Cleveland auch einer existierte, er war nur nicht
so eklig präsent wie der in Sunnydale.
Sunnydale – kein Tag verging, ohne dass sie an
Sunnydale dachte.
Und kein Tag und auch keine Nacht verging, ohne
dass sie an Spike dachte.
Die letzten Stunden vor dem großen Kampf. Als sie
mit ihm geschlafen hatte, beide total verkrampft, beide versucht, so wenig wie
möglich dem anderen weh zu tun, was immer das auch hieß, dann der
Höllenschlund, mit seinen grölenden Uppervamps, Spike von innen heraus glühend,
als sie seine Hand hielt, als sie ihm gestand, ihn zu lieben – ... und er es
nicht glaubte.
Diese Geräusche, was für ein blöder Zufall, klangen
genauso wie der Höllenschlund vor einem Jahr, genauer gesagt vor einem Jahr und
einem Monat.
Buffy blickte von ihrem Buch auf und sah eine
dunkle Bühne, auf der sich allmählich einige schemenhafte Leute einfanden.
Dann ging langsam das Licht an, und eine sanfte
rauhe Stimme begann zu singen:
Last night I
dreamt
that somebody
loved me
no hope – but no
harm
just another
false alarm
Last night I
felt
real arms around
me
no hope – no
harm
just another
false alarm
Die Stimme kam ihr irgendwie bekannt vor. Buffy
starrte auf den Sänger und ging näher an den Fernseher heran, bis sie ihn fast mit
der Stirn berührte, aber das Bild wurde dadurch nicht deutlicher.
so, tell me how
long
before the last
one?
so, tell me how
long
before the right
one?
Sie sah einen vielleicht nicht mehr ganz so jungen Mann, dunkelblond, mit hinten ausrasierten und vorne ein wenig längeren zerzausten Haaren, mit einem markanten Gesicht, mittelgroß und mit verdammt guter Figur. Er spielte auf einer Gitarre und sang mit dieser rauhen und doch so sanften Stimme.
Er hatte eine gespaltene Augenbraue.
Und er sah verdammt noch mal aus wie Spike!
Ende Teil 12 GONE
WITH THE DEATH? © Ingrid Grote 2003